Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Essenz'

Eine Welt durchflutet von Liebe

Es gibt Momente im Leben, wo ein Mensch plötzlich durch eine ungewöhnliche Eingebung überrascht wird. Er spürt, dass die Welt um ihn herum von einer speziellen Kraft durchdrungen ist, dass die Luft um ihn „dick“ wird und mit einer neuen Essenz gefüllt ist. Er wird durch Gedanken und Absichten umgeben, die sich auf ihn richten und er spürt, dass sie ihn lenken. Es scheint, dass alles rundherum von Liebe durchflutet ist.

Das geschieht sehr selten, dass ein Mensch das Licht anzieht und es ihn auf die Hände des Höheren emporhebt. Von dort sieht er dieselben Dinge wie der Höhere. Jedoch sieht er es mit seinen eigenen Augen, die sich gerade ein bisschen geöffnet haben.

Wenn das geschieht, ist es das Wichtigste, von dort mit einem klaren Eindruck herauszugehen: „Das war die spirituelle Welt im Ausmaß meiner beschränkten Wahrnehmung.“ In Wirklichkeit jedoch ist sie ewig und ihre Macht ist eine Milliarde Mal größer für diejenigen, die zur ersten, kleinsten spirituellen Stufe aufsteigen.

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Die Seele ist ewig

Drei Fragen, die ich über den Zerfall der allgemeinen Seele von meinem Studenten in Brasilien erhielt:

Frage: Im Buch Kabbala enthüllt wird gesagt, dass nur 600.000 Seelen erschaffen wurden, und sie wurden wegen des Problems der Selbstsucht geteilt. Wird das Ergebnis der Teilung auch als eine Seele betrachtet, d. h., als eine einzelne spirituelle Einheit?

Meine Antwort: Die Seelen teilen sich nicht oder fügen sich zusammen, sondern jede Seele erlebt ihre eigene individuelle Korrektur.

Frage: Was geschieht mit den Seelen, die das Problem der Selbstsucht gelöst haben: Erlöschen sie und hören völlig auf zu bestehen?

Meine Antwort: Die Seelen steigen einfach zur Stufe unserer Welt herab und steigen dann durch die Kraft ihrer Anstrengungen wieder auf. Ihre Essenz ist ewig.

Frage: Kann eine Seele ausgelöscht werden?

Meine Antwort: Nichts in den spirituellen Welten kann zerstört werden, alles dort ist ewig. Dinge ändern bloß ihre Form.

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Wie die Welt auf die Enthüllung des Schöpfers vorbereitet wird

Die Kabbala ist die Methode, um dem Menschen den Schöpfer zu enthüllen (siehe den Artikel von Baal HaSulam „Die Essenz der Weisheit der Kabbala„).

Ungeachtet der Tatsache, dass die Wissenschaft der Kabbala im Laufe der Jahrtausende vor den Menschen verborgen war, bereitete sie die Menschheit darauf vor, sie als notwendige Methode zur allgemeinen Erlangung einer vollkommenen Existenz zu empfangen, indem sie sich in den Wissenschaften und den gesellschaftlichen Beziehungen auf eine gegenteilige, egoistische Weise manifestierte.

Ein Mensch muss jedoch seinen natürlichen Wünschen und angeborenen Denkmustern entsprechend, zunächst eine unabhängige Entwicklung in die falsche Richtung durchlaufen. Und eben genau dadurch, dass der Mensch alle Phasen einer technologischen, wissenschaftlichen, religiösen und sozialen Entwicklung durchläuft und von ihnen enttäuscht wird, erwirbt er die Fähigkeit die Höhere Weisheit und den Höheren Geist zu verstehen (diese sind höher als das, was ihm von Natur aus zur Verfügung steht). Dadurch, dass er alle Methoden ausprobiert und erfahren hat, wie begrenzt und ungeeignet diese zur Verbesserung der Welt sind, gelangt der Mensch an den Punkt, wo er sie von sich weist und die Kabbala als die einzig wahre Methode seiner Entwicklung wählt.

Die Entwicklung verläuft deshalb auf eine solche Weise, weil der Schöpfer vor dem Menschen verborgen ist. Dies soll ihm eine Möglichkeit geben, die Wahrheit durch eigenständige Entwicklung zu erfahren. In derselben Weise, wie der Schöpfer in unserer Umgebung verborgen ist, liegt die Kabbala, die Methode, Ihn zu erfahren, in den weltlichen Wissenschaften verborgen.

Ähnlich der Entwicklung der Wissenschaften, die zur Enthüllung der Wissenschaft der Kabbala führen, die in ihnen verborgen liegt, führt die menschliche Entwicklung in unserer Welt zur Enthüllung des Schöpfers. Ein Mensch erfährt zunächst durch die Wissenschaft die Welt, später erfährt er mit Hilfe der Kabbala den Schöpfer.

Daher ist im selben Maße, wie die Verhüllung des Schöpfers, auch die Verhüllung der Kabbala Ursache für all unser Unglück und Leid.

Die Wissenschaft der Kabbala ist die Methode zur Enthüllung des Höheren Lichtes in den korrigierten egoistischen Wünschen. Es ist das Licht von Chochma, das im Licht von Chassadim (der Eigenschaft des Gebens) enthüllt wird. Das direkte Eindringen von Chochma in die egoistischen Wünsche, ohne zuerst vom Licht von Chassadim umhüllt worden zu sein, lässt die Wissenschaften dieser Welt entstehen.

Da das Licht von Chochma von der Enthüllung des Schöpfers in der Höheren Welt (der Umhüllung des Lichts von Chochma im Licht von Chassadim) in diese Welt absteigt und so den Schöpfer – in den weltlichen Wissenschaften und egoistischen Wünschen – ein wenig enthüllt, ist klar, dass alle Entdeckungen der Natur, die in unsere Welt absteigen, nichts weiter sind, als eine unbedeutendere Enthüllung des Schöpfers in der Wissenschaft der Kabbala in der Höheren Welt.

Mit anderen Worten, aus der Wissenschaft der Kabbala, die die Höhere Wurzel der weltlichen Wissenschaften darstellt, steigt nur ein sehr unbedeutender Teil der Wahrheit in die Wissenschaften dieser Welt ab. Auf dieselbe Weise erhält unsere gesamte Welt nur den „Ner Dakik„, einen „Funken“ des Höheren Lichts.

Wir können jedoch ausdrücklich von unten nach oben, d.h. von den weltlichen Wissenschaften zur Wissenschaft der Kabbala gelangen. Hierin liegt die Ursache für die Wiederbelebung aller Wissenschaften und der daraus resultierenden Vorbereitung der Welt auf die Enthüllung des Schöpfers.

 

Verschmelzung mit dem Schöpfer, aus ausgewählten Quelltexten


Etwas wird Spiritualität genannt, wenn man es niemals verlieren kann. Daher nennt man den Wunsch mit der Absicht, „für sich selbst“ zu empfangen, „Körperlichkeit“. Sie wird von dieser Form befreit und die Form des Empfangens „für den Schöpfer“ annehmen.
Baal HaSulam, Artikel aus Shamati: Als Spiritualität wird etwas bezeichnet, das niemals verloren geht

Wir müssen für das Geben arbeiten, denn es ist gegensätzlich zu unserer Natur, welche „das Verlangen, Genuss zu empfangen“ darstellt. Wir müssen aber das Gegenteil wollen – den Wunsch nach Geben haben und nicht „für uns selbst“ zu empfangen.
Baal HaSulam, Artikel „Die Essenz und die Korrektur der Schöpfung (hebr.)“

„Einer der wütend ist, ist wie ein Götzendiener“, denn wenn man wütend ist, erfreut man sich am Zorn und darüber hinaus ist man stolz, weil man glaubt, im Recht zu sein. Hier begeht man zwei Sünden: Genuss und Stolz. Über den Stolz steht geschrieben: „Ich kann nicht mit einem stolzen Mann zusammen sein“ – und die eigene Seele verlässt einen solchen Menschen.
Baal HaSulam, Artikel „Einer der wütend ist (hebr.)“

„Man sollte tief in seinem Herzen wissen, dass der Schöpfer hinter einem her ist, wie man selbst hinter Ihm her ist. Man darf das nie vergessen, selbst in der größten Sehnsucht nach dem Schöpfer nicht. Wenn man sich erinnert, dass der Schöpfer einen vermisst und jagt, sollte man sich noch mehr anstrengen, den Schöpfer zu erreichen, bis man durch die Liebe die Verschmelzung mit ihm erreicht.“
Baal HaSulam, Briefe, S. 70

Wir können die großen Seelen in unsere Welt anziehen und sie werden durch die Tugend ihrer erhabenen Verlangen die Erlösung für die Welt bringen. Alles hängt von unserem Verlangen, dem Schöpfer ähnlich zu werden, ab.
Rav Abraham Isaac Kook, „Arpilei Tohar,“ 41

Dies ist das Wissen, das ein Mensch haben muss: den Schöpfer zu kennen und sich selbst zu kennen – wer bin ich? Wie wurde ich erschaffen? Woher komme ich und warum? Wohin gehe ich? Wie kann ich meine Verlangen korrigieren? Wie soll ich vor dem Schöpfer erscheinen?
Das Buch Sohar, „Shir HaShirim“

Das Gesetz der Kabbala besagt, das es keine Verbindung zwischen Spiritualität und Körperlichkeit gibt, in keinem einzigen Wort. Und auch in keiner Notiz und in keinem Brief, denn die Briefe sind Formen, die sich auf weißem Papier abbilden, wohingegen der Mensch Körper und Seele ist.
Rav M. Faivosh, „Esher Divrei Emet“, S. 27

„Am Ende der Tage wird die Unverschämtheit wachsen“ (Talmud. Sota, 49). Weil diese Generation extrem weit vom Schöpfer entfernt ist, denn die Leute sind sogar stolz auf ihre Unwissenheit. Und jene, die vom Schöpfer entfernt sind, sind betrügerisch und frech.
Rav M. Faivosh, „Esher Divrei Emet“, S. 28

Freiheit vom Engel des Todes


Eine Frage, die ich erhielt: Ich wäre sehr dankbar, wenn Sie folgendes Zitat aus Baal HaSulams Artikel „Die Freiheit“ erklären würden:

„Wohingegen, wenn kein solcher Funken im Menschen weilt, sondern alle Funken seiner Essenz darin gekleidet sind, dem Schöpfer Wohlgefallen zu erweisen, dann ist er weder abwesend noch tot. Denn selbst wenn der Körper sich auflöst, löst er sich nur hinsichtlich des Aspektes des Empfangens für Eigennutzen auf, in den das ‚Verlangen zu Empfangen‘ gekleidet ist und er hat nur das Recht, durch dieses zu existieren.“

Ich verstehe das nicht. Wie ist es möglich, dass wenn der Körper stirbt (was Ihrer Ansicht nach mit dem Wechseln eines Hemdes verglichen werden kann), das ‚Verlangen zu schenken‘ nicht mit ihm stirbt? Wenn ich sterbe, werde ich nicht mehr in der Lage sein, zu schenken, selbst wenn ich noch das ‚Verlangen zu schenken‘ verspüre – ich werde mein Verlangen nicht verwirklichen können!

Oder nehmen wir anstatt des Todes an, ich würde einen Autounfall oder eine schwere Krankheit überleben, mit dem Verlust von Gliedmaßen und einem Gehirnschaden. Obwohl ich dann noch am Leben wäre, wäre ich nicht fähig zu geben! Ohne Körper können Sie Ihren Freunden nicht schenken oder an der Verbreitung teilnehmen. Wie kann also das Verlangen eines Menschen weiterbestehen und wahrgenommen werden, wenn der Körper nicht länger existiert?

Meine Antwort: Hier eine Erklärung des von Ihnen angeführten Zitats von Baal HaSulam:
„Wohingegen, wenn kein solcher Funken im Menschen weilt, sondern alle Funken seiner Essenz darin gekleidet sind, dem Schöpfer Wohlgefallen zu erweisen, dann ist er weder abwesend noch tot. Denn selbst wenn der Körper (der Egoismus) sich auflöst, löst er sich nur hinsichtlich des Aspektes des Empfangens (des Verlangens) für Eigennutzen auf, in den das ‚Verlangen zu Empfangen‘ gekleidet ist und er hat nur das Recht, durch dieses zu existieren.“

Die Verlangen bleiben. Was sich verändert, sind deren Absichten oder „Gewänder/Kleider“. Wir leben innerhalb dieser Verlangen, und wir nehmen auch unseren Körper bzw. seine Präsenz innerhalb eines bestimmten Verlangens wahr, welches sich in unserem „Ich“ in einem bestimmten Zeitraum (unserem Leben) offenbart, und danach wieder abnimmt und verschwindet. Dies gibt uns das Gefühl für das Leben und den schrittweisen Tod des Körpers.

Lesen Sie das Vorwort zum Buch Sohar und Sie werden sehen, was die Kabbala meint, wenn sie sagt:

  • Der Tod des Körpers – der Tod der egoistischen Absicht
  • Die Wiederbelebung des Körpers – die Geburt der altruistischen Absicht

Wir nehmen nur unseren tierischen Körper wahr, bis wir unsere gesamte Seele korrigieren, was bedeutet, bis wir all unsere Verlangen von „für mich selbst“ zu „für andere und für den Schöpfer“ korrigieren. Danach wird die Wahrnehmung des Körpers verschwinden, weil das Verlangen, worin wir den Körper wahrnehmen, in eine Absicht des Schenkens korrigiert sein wird. Und dies wird für ewig sein, weil es uns hilft, auch all die anderen Verlangen zu korrigieren.

Nehmen Sie folgendes als Grundlage: Es gibt nur das Licht und das Verlangen, und Sie fühlen alles (diese Welt oder die kommende Welt) innerhalb dieses Verlangens. Alles hängt von den Verlangen ab – von ihrem Ausmaß, ihrer Qualität und ihrer Angleichung zum Licht.

Verwandtes Material:
Blog-post: Warum müssen wir immer wieder hierher zurückkommen?
Blog-post: Immer bei mir
Shamati #28: Ich werde nicht sterben, sondern leben

Der Machsom ist überall der gleiche – sogar in Japan


Eine Frage, die ich erhielt: Ich lebe in Japan und ich studiere jetzt, gemeinsam mit meinem Mann, seit 3 ½ Jahren mit Ihnen Kabbala. Ich studiere morgens und in meiner freien Zeit. Eigentlich studiere ich 12 Stunden pro Tag und atme den ganzen Tag nur Kabbala. Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr wird meine innere Wirklichkeit klarer, fokussierter, als ob die Essenz von dem, was ich lerne, in mich eindringt und sich mit den Eigenschaften meines Gefäßes durch die Erlangung der Zustände, die sich in mir ändern, vermischen. Es gibt keinen Zweifel, dass meine gesamte Existenz durch das Studieren mit Ihnen verändert wurde und offensichtlich brenne ich dafür, den Machsom zu überqueren, genau wie andere. Habe ich Aussicht darauf, den Machsom zu überqueren, obwohl ich so weit weg bin und wegen der Entfernung nur begrenzte Möglichkeiten habe, an der Verbreitung teilzunehmen?

Meine Antwort: Fügen Sie Ihren Studien die Verbreitung hinzu. Ich kenne Japan und ich denke, es gibt dort großartige Gelegenheiten für die Verbreitung. Beteiligen Sie sich an der Entwicklung unserer japanischen Webseite und ihrer Förderung im Internet. Ein Mensch empfängt Spiritualität innerhalb des Raumes, den er durch Geben an andere frei setzt.

Verwandtes Material:
Blog-post: Indem Sie die Weisheit der Kabbala verbreiten, korrigieren Sie Ihr „Selbst“
Blog-post: Verbreiten der Weisheit der Kabbala an jene, die du liebst
Artikel von Baal HaSulam: Das Horn des Messias

Glaube über dem Verstand ist Geben über dem Empfangen


Zwei Fragen, die ich über den Glauben über dem Verstand erhielt und wie man jederzeit mit dem Schöpfer verbunden sein kann.

Frage: Sie sagten, dass es keinen Glauben in der Kabbala gibt, sondern nur Wissen und Verstand. Was meinen Sie nun mit „Glaube über dem Verstand“?

Meine Antwort: Glaube über dem Verstand bedeutet Geben über Empfangen. Unserem Wesen nach empfangen wir lieber, als dass wir geben, und dieser Wunsch macht uns dem Schöpfer gegenüber gegensätzlich. Wir können unsere egoistische Natur der des Schöpfers angleichen, wenn wir unseren Handlungen die Absicht zu geben hinzufügen, welche „über dem Verstand“ ist – dann wird dieses die Essenz unserer Handlungen festlegen, welche dem Empfangen dienen.

Ebenso ist der „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ das Wissen oder die Erkenntnis unserer 613 Verlangen und deren Korrektur, damit wir unsere Verlangen zu empfangen in der Absicht zu geben verwenden.

Die Kabbala ist eine Wissenschaft und beschäftigt sich nicht mit Glauben, sondern nur mit klar erkennbaren Vorgängen nach dem Prinzip „Der Richter weiß nie mehr als das, was seine Augen sehen“. Der Schöpfer oder das Licht erschuf einen Wunsch mit der Absicht „für sich selbst“. Alles, was geschieht, ist ein Vorgang, bei dem man die Absicht „für sich selbst“ zu „für andere“ korrigiert. Bis zu dem Grad der Korrektur des Verlangens, wo das Licht das Verlangen erfüllt. Das Ende der Korrektur ist dann erreicht, wenn das Verlangen vollkommen dem Licht ähnlich ist.

Frage: Wie ist es möglich, jederzeit mit dem Schöpfer zu sein? Was heißt das eigentlich?

Meine Antwort: Es bedeutet, in der Eigenschaft des Gebens anstelle des Empfangens zu handeln.

Verwandtes Material:
Blog-Post: Glaube über dem Verstand wird nach dem Machsom erlangt (fortgeschritten)
Blog-Post: Die Kabbala befasst sich ausschließlich mit der Erreichung des Schöpfers
Blog-Post: Spiritualität liegt über unserer Welt (fortgeschritten)

„Und Gott schuf den Menschen nach Seinem eigenen (Ab)Bild“


Eine Frage, die ich erhielt: Können Sie mehr über die Bedeutung der Aussage machen, dass der Mensch nach dem Bildnis seines Schöpfers geschaffen wurde? Die Kabbala erklärt den Begriff Bild als Abdruck, wie wenn ein Abdruck durch eine Form gemacht wird, um eine Maske herzustellen, oder wie bei einem Siegelring, wo die Höhere Kraft das Design des Ringes darstellt, und die Menschheit ist der Wachsabdruck, welcher gegensätzlich zur Form (oder Essenz) des Schöpfers ist. In meiner Kultur wird uns üblicherweise gelehrt, dass wir nach dem Bild Gottes geschaffen wurden, und zwar im positiven Sinn, wie in dem Ausspruch „er ist seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten“. Die ganze Kabbala scheint mir auf dieser Definition des Wortes „Bild“ zu gründen, insofern halte ich es für notwendig, die Definition des hebräischen Wortes für „Bild“ in Begriffen, die aus den Quellentexten stammen, welche die Genesis beinhaltet, zu erklären.

Meine Antwort: Das Licht (der Genuss) prägte sich in das Verlangen ein, wodurch ein entsprechendes Verlangen geschaffen wurde, welches durch dieses Licht gefüllt werden wollte. Danach enthüllte das Licht seine „gebende“ Essenz gegenüber diesem „Verlangen, welches gefüllt werden wollte“, und zeigte dem Verlangen dadurch dessen gegensätzliche Natur. Dies zwang das Verlangen, sich dem Licht anzugleichen – also „gebend“ zu werden.

Wir sind diejenigen, die durch diesen Prozess gehen, entweder unfreiwillig oder freiwillig. Wir gehen solange unfreiwillig, bis in uns ein Wunsch erwacht, es freiwillig zu tun. Wir kommen dann unfreiwillig zur Kabbala, welche die Methode ist, sich dem Schöpfer aus freien Stücken anzugleichen.

Sobald jemand freiwillig beginnt, sich dem Schöpfer anzugleichen, erhält er Kontrolle über sich und seine Welt. Jeder wird dies erreichen, egal ob durch Leiden oder die Erkenntnis der Notwendigkeit, gefolgt durch die Realisierung und die Liebe.

Verwandtes Material:
Blog-Post: Kabbala leht Liebe und Schenken – und sonst nichts!
Artikel von Baal HaSulam: Materie und Form in der Wissenschaft Kabbala
Shamati 4: Der Grund für die Schwierigkeit, sich vor dem Schöpfer zu annulieren

Wo es eine Frage gibt, da gibt es auch eine Antwort


Fragen, die ich erhielt, was die Grenzen der Wahrnehmung betrifft und wie man die Worte Baal HaSulams richtig verstehen kann:

Frage: Es steht geschrieben, dass wir nur die Materie und die Form in der Materie wahrnehmen können, aber nicht die Abstrakte Form und die Essenz. Man sagt auch, dass wir alle Seine Eigenschaften erreichen, wenn wir mit dem Schöpfer eins werden, und das bedeutet, dass unsere Wahrnehmung wie Seine wird. In dem Buch Kabbalah Revealed steht geschrieben, dass wir niemals die Abstrakte Form und die Essenz wahrnehmen werden.

Ich kann dem nicht zustimmen, weil wir, wenn wir uns mit dem Schöpfer vereinigen, die gleichen Eigenschaften wie Er haben werden und Er ist doch sicherlich in der Lage, die Abstrakte Form und die Essenz wahrzunehmen! Daher kann ich wohl sagen, dass wir diese Zustände vielleicht nicht jetzt wahrnehmen können, doch irgendwann einmal oder im Zustand von Gmar Tikun wird es uns gelingen!

Bitte beantworten Sie meine Frage.

Meine Antwort: Am Ende unserer Korrektur werden auf jeden Fall all unsere Fragen beantwortet und unsere Verlangen erfüllt. Wenn eine Frage (ein Verlangen) in uns auftaucht, dann werden wir irgendwann eine Antwort darauf erhalten (Erfüllung).

Frage: Lieber Rav Laitman, ich lese gerade „Das Vorwort zur Weisheit der Kabbala“ (ab Seite 403 im Buch „Kabbala für Anfänger“)  und bei Punkt 6, gegen Ende, steht: Auch die Seelen anderer Kreaturen, die durch diese Welt (Azilut) hindurchgehen, werden sich mit dem Schöpfer vereinen.

Könnten Sie bitte erklären, wer diese anderen Kreaturen sind und was Sie mit „hindurchgehen“ meinen? Ich nehme an, es bedeutet „auf dem Weg nach oben“, doch ich bin nicht sicher, was mit „anderen Kreaturen“ gemeint ist. Ich hoffe, Sie werden meine Frage beantworten.

Meine Antwort: Dies sind Baal HaSulams Worte. Er bezieht sich auf die Seelen – die Verlangen der unbelebten, vegetativen und belebten Grade, oder alle Grade außer „dem sprechenden“ Grad. Der sprechende Level ist unabhängig und hat alle anderen Grade in sich.

Verwandtes Material:
Blog-Post: Ein Gespräch über Liebe
Blog-Post: Hat der Schöpfer Gefühle?
Blog-Post: Der Schöpfer ist Ihr korrigiertes Selbst
Artikel von Baal HaSulam: In meinem Fleische ist die Stütze des Schöpfers
Artikel von Baal HaSulam: Materie und Form in der Wissenschaft Kabbala
 
 
 

Warum lebe ich?


Eine Frage, die mir gestellt wurde: Was würden Sie jemandem sagen, der die Antwort auf die Frage „Warum lebe ich“ kennt?

Meine Antwort: Die Frage „Warum lebe ich?“ führt den Menschen ständig von seinen Handlungen ausgehend hinein in die Welt seiner Gedanken und dann von den Gedanken in neue Handlungen. Der Mensch lebt immer für irgendetwas, immer will er irgendetwas im nächstbesten Moment.

Die meisten Leute beziehen die Frage nach dem Sinn des Lebens nur auf ihre Lebenszeit in unserer Welt. Daher versuchen sie alle Arten von Zielen darin zu erreichen, sei es, dass sie gut essen wollen, sei es Sex, die Familie, die Gesundheit, Macht, Ehre, Ruhm oder auch die Sammlung von Wissen. Und die meisten Menschen sehen in der Erreichung solcher Ziele den Sinn des Lebens.
Hat jemand dies alles jedoch erreicht und das Leben treibt ihn nur noch an, das was er bereits hat, in seinen vielleicht Siebzig Lebensjahren immer weiter anzuhäufen, stellt er sich gewöhnlich die Frage nach dem Sinn des Lebens neu. Was bleibt ihm? Die vielen „spirituellen“ Methoden und Religionen beantworten die Frage nach dem Sinn des Lebens völlig unterschiedlich. Aber all dies wird nach und nach aufgrund ihrer Unzulänglichkeit als bedeutungslos erkannt. Kabbala ist alles, was bleibt und sie gibt folgende Antwort: „Der Sinn des Lebens ist es, unsere Wurzel zu entdecken, unsere Quelle, aus der wir stammen, die Essenz der Schöpferkraft zu erreichen. Unser höchstes Streben – das sich erst nach allem anderen in uns offenbart – ist zum Schöpfer hin, denn von dort stammen wir.“ Die Definition des Baal HaSulam hierzu finden Sie in „Das Wesen der Weisheit der Kabbala“.

Um also die zu Beginn gestellte Frage zu beantworten – jemand sagt mir, er kennt den Sinn des Lebens, nun, ich würde ihn fragen: „Haben Sie die Antwort gefunden, indem Sie den Schöpfer verwirklicht haben, indem Sie wie Er geworden sind?“