Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Ego'

Das Fest der Gabe der Tora gibt es jeden Tag!

Frage: Wenn wir die Tora bereits am Berg Sinai erhalten haben, warum müssen wir sie dann jedes Jahr am Schawuot erneut empfangen?

Antwort: Es geht hier nicht um eine materielle Handlung, nicht darum, dass wir tatsächlich physisch am Berg Sinai waren.

Es heißt, dass der Mensch sich jeden Tag vorstellen soll, wie er aus Ägypten auszieht. Er muss jeden Tag die Zehn Gebote hören, als würde er sie immer wieder neu empfangen.

Und das ist tatsächlich so. Denn unser Ego, unser Verlangen nach Genuss, erneuert sich jedes Mal, und als Gegengewicht dazu müssen wir ständig das Verlangen nach Geben, nach Liebe und die Kraft der Liebe wecken. Deshalb wird uns jeden Tag die Tora geschenkt.

Aber jetzt befinden wir uns im Exil, d. h. in einem Zustand, in dem wir diese gute Kraft, die vor uns verborgen ist, nicht fühlen. Und wir können sie nur mit Hilfe der Wissenschaft der Kabbala offenbaren, die bis vor kurzem ebenfalls absichtlich verborgen war.

Frage: Was ist der Zusammenhang zwischen der Tora und der Wissenschaft der Kabbala?

Antwort: Die Kabbala wird als die wahre Tora oder als Wissenschaft des Lichts bezeichnet, denn genau sie ist dazu bestimmt, aus der Tora, aus unserem Leben und aus der Natur die gute Kraft, die Kraft des Gebens und der Liebe, zu entnehmen und die Bürgschaft, die Einheit zwischen uns, zu verwirklichen.

Ohne sie können wir das nicht umsetzen, wir haben keine Methode, die uns helfen könnte, uns auf eine gute Art und Weise mit anderen zu vereinen. Seit Jahrzehnten versuchen wir das in Israel, und es wird nur noch schlimmer. Wir sind bereits an einem Punkt angelangt, den man nicht länger ertragen kann.

Die Kabbala offenbart uns jedoch die Kraft des Guten, die verbindende Kraft der Liebe, und gibt uns die Möglichkeit, sie zu nutzen. Überall dort, wo sich das Böse zeigt, beginnen wir zu spüren, wie wir es mit der Kraft des Guten ausgleichen können.

Dann haben wir bereits zwei Kräfte, mit deren Hilfe wir uns in die richtige Richtung bewegen können – hin zu Vereinigung, Liebe, Vollkommenheit und einer guten Entwicklung.

Aus der Sendung beim Rundfunksender 103FM

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Was versteht man unter Mut?

Was gilt heute als Mut?

Antwort: Mut bedeutet, sich gegen die ganze Welt zu stellen, auch wenn die ganze Welt lacht, nicht glaubt und nicht will, und der ganzen Welt mit Liebe, Geduld und Ermutigung so gut wie möglich zu erklären: Was ihr zum Guten dient, was dem friedlichen Leben dient, was der Rettung der Menschheit heute dient. Auch wenn wir dies nicht schnell erreichen und nicht leicht erklären können, auch wenn die Antwort Ablehnung, Verurteilung, Unverständnis und Zurückweisung sein wird, sind wir verpflichtet, der Welt das Wissen über das allgemeine Naturgesetz zu bringen.

Das ist kein Glaube, das bezieht sich auf keine Religion: weder auf das Judentum, noch auf den Islam, noch auf das Christentum, noch auf den Konfuzianismus, noch auf den Buddhismus. Das bezieht sich auf das allgemeine Gesetz des Universums, denn darauf gründet sich die Welt, und die Welt ist verpflichtet, es anzunehmen. Dieses allgemeine Naturgesetz besagt, dass wir jedem nach dem Grundsatz „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ begegnen müssen. Dazu drängt uns die Natur. Wir müssen dies der Welt immer wieder erklären und dabei alle möglichen Mittel und Formen nutzen.

Das ist im Grunde genommen der größte Mut, den die Menschheit besitzt. Denn dabei wird der Mensch nicht überheblich, richtet seinen Verstand und seinen Stolz nicht auf andere, sondern spürt im Gegenteil, dass er dadurch der Menschheit dient, dass er unter allen steht, auf alle angewiesen ist und allen Gutes wünscht. Das ist im Grunde genommen der wahre Mut. Denn damit tritt der Mensch vor allem sein Ego mit Füßen und macht sich zum Diener der Welt. Nur ein Held, der sein Ego überwunden hat, kann ein wahrer Held sein.

Runder Tisch unabhängiger Meinungen. Berlin. 09.09.2006

Wenn wir den Schöpfer empfinden wollen

In der Schatzkammer des Schöpfers gibt es alles – außer der Ehrfurcht vor dem Schöpfer. Diese müssen wir selbst in uns erzeugen. Das bedeutet, dass wir unser egoistisches Verlangen in Furcht verwandeln müssen – aus dem Verständnis heraus, dass wir niemals zur Eigenschaft des Gebens gelangen werden, wenn der Schöpfer uns kein Kli (Gefäß) dafür baut.

Es gibt viele Arten von Angst: Einer fürchtet sich vor der Bank wegen großer Schulden, ein anderer hat sich danebenbenommen und hat Angst vor der Polizei. Und alle von uns fürchten sich vor der Meinung der Gesellschaft, vor dem, was andere über uns sagen könnten. Wir sind in strenge Rahmenbedingungen gepresst, die uns die Regeln des Lebens diktieren – und innerhalb dieser leben wir.

Doch gerade dieser Druck – von der unbelebten Natur, der pflanzlichen und tierischen Welt und den Menschen – ist es, der uns das Gefühl gibt, lebendig zu sein. Wenn ich ihre Reaktionen nicht spüren würde, würde ich auch diese Welt nicht empfinden. Einerseits bedrückt mich dieser Druck durch mein Umfeld, andererseits bestimmt gerade dieser Druck den Ort meines Daseins – sonst würde ich ihn gar nicht spüren.

Wenn wir also den Schöpfer empfinden wollen, müssen wir spüren, wie Er Druck auf uns ausübt – und in welchem Maß wir im Gegenzug auf Ihn einwirken können. Das bedeutet, eine gegenseitige Verbindung mit Ihm einzugehen.

Wir fürchten uns vor allem Möglichen: vor Problemen in der Schule, in die unser Kind geht, vor Polizei, Ärzten, Vorgesetzten bei der Arbeit, vor den Krankheiten und tausend weiteren möglichen Unannehmlichkeiten. Doch wir merken nicht einmal, wie sehr uns diese Angst lebendig macht.

Denn im Grunde genommen treibt uns nur ein primitives Verlangen an: das Verlangen nach Genuss, das Verlangen, zu empfangen. Und wenn wir spüren, wie das Umfeld ständig Druck auf uns ausübt und uns formt, dann fühlen wir uns lebendig in dieser Welt.

Wenn wir aber in einer anderen, höheren Welt leben wollen, müssen wir in uns Kelim (Gefäße) für deren Wahrnehmung entwickeln. In unserer Welt fürchten wir uns vor der unbelebten Natur (Klima, Stürme usw.), vor der pflanzlichen Natur (Ernte, Nahrung), vor Tieren und Menschen. Letztlich empfinden wir uns als lebendig durch Angst und Druck, die wir von außen spüren – und merken es nicht einmal.

Diese Angst bestimmt unser ganzes Bild vom Leben, die Form der Welt, des Daseins. Wenn der Druck durch das Umfeld verschwinden würde, wenn ich nicht mehr spüren würde, dass ich andere brauche, sie will oder mich vor ihnen fürchte – dann würde ich die Realität nicht mehr fühlen. Und genau deshalb spüren wir den Schöpfer nicht. Wir müssen in uns Furcht oder Empfindsamkeit gegenüber dem Schöpfer entwickeln.

Wenn ich eine andere Realität spüren will – die als Höhere Welt bezeichnet wird, also die Welten Assija, Yezira, Brija, Azilut, Adam Kadmon, die Welt der Unendlichkeit –, dann muss ich mich jedes Mal verändern und mich fragen, welche Verlangen, welche Ängste und welche Klärungen ich gegenüber der äußeren Umgebung haben sollte.

Die Kabbalisten sagen: Wir haben keinen Grund zur Sorge, denn der Schöpfer ist gut und tut Gutes. Es gibt also nichts, wovor wir uns fürchten müssten. Nur eines ist entscheidend: Wenn wir Seine Güte empfinden wollen, müssen wir ein entsprechendes Kli erschaffen – den Wunsch, Ihm Gutes zu tun. Dann, gemäß der Ähnlichkeit unserer Eigenschaften, werden wir den Schöpfer empfinden und erkennen, dass es keinen besseren Zustand als diesen gibt. Er wird uns Sicherheit, Genuss, Erfüllung bringen – wir müssen dem Schöpfer nur wohlwollend begegnen.

Das Kli, um die Höhere Welt, den Schöpfer, zu spüren, ist die Ehrfurcht vor dem Schöpfer. Doch eigentlich habe ich nichts, wovor ich mich vor dem Schöpfer fürchten müsste – denn Er wird mir nichts Böses tun. Nur ich selbst schade mir durch meinen Egoismus. Je nachdem, ob ich den bösen oder den guten Trieb wähle, wird mir das Licht, das vom Schöpfer kommt, als Licht oder als Dunkelheit erscheinen. Alles hängt von mir ab.

Wenn ich mit einem passenden Kli in die Schatzkammer des Königs eintrete, kann ich darin einen Teil des Lichts empfangen – und jedes Mal mehr. Der Schöpfer wünscht sich, dass wir Seine ganze Schatzkammer, das gesamte unendliche Licht, in uns aufnehmen – also die Stufen der Leiter bis zur Welt der Unendlichkeit aufsteigen.

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Aus einem Unterricht zum Artikel Shamati 38.

Welches Gefäß eignet sich für das Licht?

Der Schöpfer erfüllt alles, Er ist überall. Wir befinden uns im Ozean des höheren Lichts, der höheren Kraft, die gut ist und alles durchdringt. Doch wir können sie nur in dem Maße spüren, wie wir ein geeignetes Kli, ein Gefäß, dafür haben. Denn man kann nicht mit einem Sack, der für Mehl gedacht ist, Wasser schöpfen. Was für ein Kli ist also geeignet, um den Schöpfer zu spüren, die höhere Kraft wahrzunehmen und sie sogar zu messen?

Dieses spirituelle Gefäß ist die Furcht. Stattdessen bringen wir jedoch ein Kli, das völlig ungeeignet ist für die Offenbarung des Schöpfers, und deshalb leben wir in Dunkelheit. Das einzige Problem liegt im Gefäß, denn der Schöpfer erfüllt die gesamte Realität. Es gibt nichts außer dem Schöpfer – Er ist die gemeinsame Kraft der Natur.

Die ganze Freude des Schöpfers besteht darin, sich den Geschöpfen zu offenbaren, denn nur so kann Er ihnen Genuss schenken. Im Moment wirkt Er im Verborgenen auf uns ein, was Ihm jedoch keine Freude bereitet. Deshalb wollen wir den Schöpfer offenbaren und von Ihm erfüllt werden – um Ihm Freude zu bereiten. Das bedeutet: Wir sehnen uns nicht danach, das höhere Licht in uns selbst zu empfangen, sondern wir möchten dem Schöpfer die Möglichkeit geben, uns zu erfüllen.

Wir wollen unsere Liebe zum Schöpfer ausdrücken, damit Er Seine Liebe zu den Geschöpfen offenbaren kann. All das geschieht durch die gegenseitige Kraft des Gebens – durch das reflektierte Licht von Seiten der Geschöpfe und durch das direkte Licht von Seiten des Schöpfers.

Deshalb müssen wir ein Gefäß für die Offenbarung des Schöpfers aufbauen, das „Furcht vor dem Schöpfer“ genannt wird. Das heißt, wir fürchten, Ihm nicht die Bedingungen geben zu können, um uns zu erfüllen.

Wir möchten uns dem Schöpfer hingeben, damit Er uns erfüllt, sich an uns erfreut und mit uns macht, was Er will. Deshalb beschränken wir zuerst unser Ego, den Willen, Genuss für uns selbst zu empfangen, und geben uns dann dem Schöpfer hin – im Glauben über dem Verstand. In dem Maße wird der Schöpfer unser Kli korrigieren und es füllen können.

Der Schöpfer weiß, wie Er uns in ein Gefäß verwandeln kann, das für Sein Licht geeignet ist. Das ist überhaupt nicht einfach, denn es gibt viele verschiedene Lichter, für die jeweils unterschiedliche Gefäße nötig sind – so wie man für Wasser, Mehl und Getreide jeweils andere Behälter braucht. Für jede Füllung gibt es ein geeignetes Gefäß, und wir selbst sind nicht in der Lage, es zu erschaffen; nur der Schöpfer kann das. Doch Er wird es in dem Maße tun, wie wir uns selbst annullieren.

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Aus dem täglichen Unterricht zum Artikel vom Baal HaSulam, Shamati 38, „Die Furcht vor dem Schöpfer ist sein Schatz“.

Scham, die das Herz öffnet

Kommentar: In unserer Welt löscht die egoistische Natur sofort das Gefühl der Scham in uns aus, indem sie in den meisten Fällen eine Rechtfertigung für unser Verhalten findet: dass wir andere ausnutzen, stehlen oder uns etwas aneignen, das jemand anderem gehört. Oft sind wir uns gar nicht bewusst, dass wir egoistische Berechnungen anstellen—dass wir gegenüber anderen egoistisch handeln und die Welt nur aus der Perspektive unseres Vorteils beurteilen.

In diesem Zusammenhang empfinden wir kaum Scham. Doch wenn wir unsere Sensibilität für die Eigenschaft des Gebens und des Empfanges erhöhen würden, indem wir genau prüfen, wo wir wirklich geben und wo nur empfangen und nach welchem Prinzip wir die Welt wahrnehmen, dann würden wir vor brennender Scham erzittern.

Wenn wir die Eigenschaft des Gebens in ihrer ganzen Erhabenheit offenbaren würden und uns in unserer wahren Natur sehen könnten, nämlich als kleine, schwarze Käfer, die nur an die eigene Nahrung denken, danach streben, möglichst viel für sich selbst zu erhaschen, alles verschlingen, was ihnen begegnet—dann würde uns die Scham vor unserer eigenen Nichtigkeit in Bezug auf die wahre Barmherzigkeit verbrennen.

Es ist sogar beängstigend, sich vorzustellen, dass diese Offenbarung plötzlich vor aller Welt sichtbar werden könnte. Man könnte denken, was ist schon dabei? Schließlich sind wir nur Menschen, Geschöpfe, die aufgrund ihrer Natur handeln und es dagegen kein Mittel gibt. Dennoch wäre es uns äußerst unangenehm. Wir würden es vorziehen, zu sterben, als eine solche Schande zu erleben.

Es gibt kein größeres Leid als Scham, denn es liegt dem gesamten Verlangen nach Genuss zugrunde. Die erste Einschränkung wurde durch Scham geschaffen, da sie das menschliche Konzept auslöscht. Die vierte Stufe (Bina Dalet) erhebt sich, sobald sie Scham empfindet, da sie den Wunsch nach eigenständigen Entscheidungen repräsentiert. Scham ist das Gegenteil dieses Gefühls; sie hebt die menschliche Persönlichkeit auf.

Wir sprechen hier von unserem gegenwärtigen Zustand, in dem es noch keine menschliche Stufe gibt, sondern nur eine tierische Stufe, auf der wir nicht einmal für unsere eigenen Taten verantwortlich sind. Alle unsere Eigenschaften haben wir vom Höheren, vom Schöpfer erhalten- daher richtet man alle Vorwürfe an den Schöpfer, der dieses Geschöpf erschaffen hat. Doch wenn wir beginnen, die Eigenschaft des Gebens zu offenbaren- den Schöpfer und uns im Vergleich zu Ihm bewerten, offenbart sich zwischen uns eine so große Kluft, wie wir sie nie für möglich gehalten hätten.

Scham besitzt eine enorme Kraft und nur durch sie haben wir die Möglichkeit, gegen unser Ego anzukämpfen und uns zu korrigieren. Ähnlich wie in der Welt der Unendlichkeit, in der Malchut unter dem Druck der Scham alles aufgab. Diese Scham existierte nicht, weil sie empfing- im Gegensatz zum Schöpfer- sie sich ihrer Eigenschaften schämte, sondern weil sie nicht in der Lage war, zu geben und zu schenken, wie Er. Das ist eine ganz andere Art von Scham- die Scham auf dem Weg zur vollständigen Korrektur in Bezug auf uns.

Unsere Scham offenbaren wir allmählich, Schritt für Schritt. Zunächst schämen wir uns, wenn wir beim Stehlen erwischt werden oder wenn wir andere ausnutzen und ihnen Schaden zufügen. Das Bewusstwerden dieses Schamgefühls hilft uns, die richtige Haltung einzunehmen, damit wir uns nicht mehr wie ein feiges Tier verstecken, das Angst hat, bloßgestellt zu werden. Im Gegenteil: Wir sollten bereit sein, all unser Böses zu offenbaren und uns selbst zu beschämen, um daraus Kraft zu schöpfen, unser Ego zu überwinden und einen “Anti-Ego-Schirm” zu erbitten.  

Der Schirm ist nicht dazu da, die Scham zu unterdrücken, sondern um die Eigenschaften vom Empfangenden zum Gebenden zu verändern. Solange dies nicht geschieht, ist der Mensch bereit, die Scham zu ertragen, denn nur sie öffnet sein Herz und lässt die ganze Wahrheit ans Licht treten.  

Deshalb ist die Verschmelzung mit der Scham untrennbar mit der Korrektur verbunden. Der Mensch sollte keine Angst vor Scham haben, sondern versuchen, sie besser zu spüren und zu verstehen. Das Wichtigste ist, darüber hinauszuwachsen, um mit dieser Eigenschaft zu arbeiten, denn sie führt uns letztlich zur vollständigen Korrektur.

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Aus dem Unterricht zu „Die Gabe der Tora“

 

Warum ist diese Nacht anders als alle anderen Nächte?

Frage: Die Nacht des Passach-Seders ist eine besondere Nacht für das Volk Israel. Man sagt, dass in dieser Nacht dieses Volk geboren wurde und seinen neuen Weg begann. Aber worin besteht eigentlich die Einzigartigkeit dieser Nacht des Auszugs aus Ägypten?

Antwort: Der Mensch beginnt zu fühlen, dass er sich im ägyptischen Exil befindet, in der Sklaverei seines Egos, das „Pharao“ genannt wird, und dass es notwendig ist, sich aus dessen Herrschaft zu befreien, zu fliehen – doch er ist dazu nicht in der Lage. Innerlich beginnt er zu schreien, er ist nicht mehr bereit, ein solches Leben weiter zu ertragen. Er bemüht sich in Bezug auf die Gruppe, die Umgebung, den Lehrer und die Bücher. Er fühlt wirklich, dass er sich im Gefängnis befindet, in der Dunkelheit.

Allmählich versinkt er in einen Zustand, der als die „Dunkelheit Ägyptens“ bezeichnet wird, die Nacht des Auszugs aus Ägypten. Diese Nacht ist absolute Dunkelheit; es bleibt keine Hoffnung mehr für ihn, keine Chance im Leben. Er fühlt, dass er nicht mehr bereit ist, weiterhin innerhalb seines Egos zu leben, da er jeden hasst und unfähig ist, sich irgendjemandem auf gute Weise zu nähern.

Er strebt danach, die Freunde zu lieben, den Nächsten wie sich selbst zu lieben, aber er sieht das Gegenteil – es wird immer schlimmer. Der Pharao in ihm, sein Ego, wird stärker und brutaler. Schließlich ist der Mensch gebrochen, denn er erkennt, dass er keine Chance hat, der Knechtschaft zu entkommen.

Er durchläuft sehr schwierige innere Zustände, die sich letztlich ansammeln: all seine Versuche, dem Ego zu entfliehen, sich darüber zu erheben, alle Siege des Egos, die ihm zeigen, wie stark dieser Pharao ihn von innen hält. Er befindet sich wirklich mitten im Kampf zweier Kräfte: Einerseits drängt er vorwärts, weil er sich nach Freiheit sehnt, andererseits hält ihn das Ego fest und lässt ihn nicht fliehen.

Letztlich erreichen diese beiden Kräfte den Höhepunkt ihres Kampfes, und der Mensch findet sich zwischen ihnen wieder, er fühlt absolute Dunkelheit. Dieser Zustand wird die Nacht des Auszugs genannt, die Dunkelheit Ägyptens. Und plötzlich hört er aus dieser Dunkelheit einen Ruf: „Du musst hinausgehen! Du bist bereit dazu! Du kannst jetzt aufstehen und deinem Ego entfliehen – hier und jetzt, um Mitternacht, das heißt aus dem dunkelsten Zustand heraus. Nimm nichts mit in den neuen Zustand, außer dem, was du wirklich für das Geben, für das Erreichen von Einheit, Verbindung und Liebe brauchst.

In diesem Moment ist der Mensch bereit, sich von seinem Ego zu lösen und darüber zu erheben. Das nennt man seine spirituelle Geburt.

[103509]

Aus KabTVs „Kabbalisten schreiben: Die Nacht des Pessach-Seders“

Glauben bedeutet fühlen

Frage: Was ist Glaube, solange man den Machsom noch nicht überschritten hat?

Antwort: Solange der Mensch den Machsom nicht überschritten hat und in die spirituelle Welt eingetreten ist, hat er keinen Glauben.

In der Kabbala hat der Begriff „Glaube“ eine andere Bedeutung als im alltäglichen Leben. In der Kabbala befinden sich alle Definitionen auf einer völlig anderen Ebene der Wahrnehmung.

Glaube ist ein Gefühl für den Schöpfer. Wenn ein Mensch den Schöpfer spürt, glaubt er an Ihn. Dies steht im absoluten Gegensatz zu der verbreiteten Auffassung, dass Glauben das Vertrauen in etwas ist, das man nicht sieht, aber für real hält.

Die Kabbala sagt, dass dies kein wahrer Glaube ist, sondern lediglich Illusionen. Es basiert nur auf einem echten Gefühl im Inneren – wenn man den Schöpfer fühlt, dann erhält man die Kraft, gegen sein Ego zu arbeiten.

Eine duale Kraft – positiv gegen negativ. Das nennt man, „Glaube über den Verstand“, der über den Egoismus hinausgeht und das Gefühl für den Schöpfer erfasst.

Der Mensch kann sich darüber erheben, da er in der Lage ist den höheren Verstand und tiefere Empfindungen zu nutzen. Doch wenn er dies nicht hat, auf welcher Grundlage wird er dann arbeiten? Auf der Grundlage von Erzählungen anderer?

Das nennt man nicht Glauben. Es ist nur ein Spiel, das Menschen aus Verzweiflung spielen, um sich irgendwie zu beruhigen. Deshalb erfordert der Glaube, zur Offenbarung zu gelangen! In der Kabbala ist es die Offenbarung des Schöpfers für die Geschöpfe, genau das wird als Glauben verstanden.

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Aus einer Lektion über einen Artikel aus dem Buch Shamati

Ein Spiel des Lebens

Frage: Ein Mensch verliert sich völlig im Spiel, er wird buchstäblich verrückt, weil er so sehr darin aufgeht, dass er sich tagelang nicht davon lösen kann. Besonders die heutige Generation, die praktisch im Internet lebt.

Wie kann man eine ebenso starke Faszination für die spirituelle Entwicklung wecken? Nicht, indem man sich dazu zwingt, sondern indem man es als eine köstliche Süßigkeit präsentiert, die einen nach innen zieht?

Antwort: Tritt in die spirituelle Entwicklung ein, und du wirst sehen, dass sie das faszinierendste Spiel ist. Es ist ein Spiel des Lebens, ein Spiel mit dem Schöpfer! Du kannst erschaffen!

Jedes Spiel ist nur ein schwacher Abklatsch dessen, was dir die Kabbala bietet: die Möglichkeit zu erschaffen, zu verändern, selbst etwas zu gestalten. Deshalb fesseln uns Spiele so sehr – weil sie einen Akt der Schöpfung enthalten, selbst der Zerstörung, das spielt keine Rolle. Aber es ist ein kreativer Prozess, du erschaffst etwas Neues. Du bist gewissermaßen der Herr, du hältst die Kräfte in deinen Händen, triffst Entscheidungen, spürst Spannung, Freude, Ekstase.

All das sind winzige Teile jenes Prozesses, den dir die Kabbala gibt, wenn du die Möglichkeit erhältst, in dir selbst Welten zu verändern. Es ist ein Spiel, das mit keinem Computerspiel vergleichbar ist!

Ich sitze vor dem Text des Buches Sohar, von dem du mich gerade abgelenkt hast, und warte nur auf eines – dass es dir langweilig wird, mit mir zu sprechen, damit ich zu ihm zurückkehren kann. Und so bis zu 20 Stunden am Tag.

Ich lenke mich ein wenig ab, indem ich spazieren gehe, esse, irgendetwas tue – aber nur aus Notwendigkeit, um mich zu erhalten. Die restliche Zeit bin ich vollkommen bereit, darin zu verweilen. Es ist ein so faszinierender Prozess, ein bezaubernder und unvorhersehbarer Weg, den du durch nichts anderes ersetzen kannst!

In meiner Jugend lebte ich in Leningrad und war wie alle Studenten: Mädchen, Kartenspiele, Partys, Lieder, Reisen. Freiwillig arbeitete ich als Tontechniker für die Rockband „Nomaden“. Einmal gewannen wir sogar den ersten Platz in unserer Stadt.

Aber die spirituelle Erkenntnis ist mit nichts zu vergleichen! In einem Computerspiel hast du größere Möglichkeiten als im gewöhnlichen, realen Leben. Dort musst du irgendwohin reisen, kriechen, etwas tun – das ist mühsam und dauert lange, bis du etwas erreichst.

Das ist nichts für unser Ego, das alles sofort, unmittelbar, möglichst schnell, möglichst intensiv und kontrollierbar will. Deshalb hat sich das ins Virtuelle, in die Computerwelt verlagert.

Doch hier – in der spirituellen Welt – ist alles Milliarden Mal intensiver. Und sie ist nicht nur ein Spiel, nicht irreal – nicht so, dass du den Computer ausschaltest und sie verschwindet. Die virtuelle Welt wurde von jemandem geschaffen, der damit Geld verdienen will oder selbst gerne spielt.

Aber in der Spiritualität spielst du nicht. Du baust, du erschaffst! Dafür wurdest du geschaffen! Es ist die natürlichste Erfüllung, das intensivste Erlebnis, das es gibt! Es ist mit nichts zu vergleichen. Unsere Welt mit all ihren Verlockungen?! Das ist einfach nur…

Deshalb ist nach all den Computerspielen die nächste Stufe nur die Kabbala – nur die Einführung des Menschen in die wahre spirituelle Welt. Andernfalls wird er in der unrealen virtuellen Welt versinken und nichts mehr brauchen außer einer Pille, die ihn in seinen Computer eintauchen lässt – und das war’s. Und genau so wird es kommen – durch die Erkenntnis des Bösen, durch das Bewusstsein der Lüge dieser Beschäftigungen.

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Aus dem Gespräch „Mein Telefon klingelte. Ein Spiel zum Preis des Lebens“

Gericht und Barmherzigkeit

Frage: Was bedeutet „Gericht und Barmherzigkeit“ im Spirituellen – ist es vergleichbar mit gewöhnlicher Moral?

Antwort: Baal HaSulam schreibt, dass viele glauben, die Tora spreche über Moral – doch das ist ein gewaltiger und bitterer Irrtum.

Moral basiert lediglich auf Lebenserfahrung. Der Mensch zieht seine Lebensweisheit aus den Ereignissen, die er durchlebt hat.

Doch die Weisheit der Kabbala stützt sich in keiner Weise auf die Ereignisse unseres irdischen Lebens oder auf Erfahrungen, die wir in dieser Welt machen. Wir befolgen die Ratschläge der Kabbalisten, die uns „an den Ohren ziehen“ (das Ohr bezieht sich auf die Stufe von Bina), um uns in die Höhere Welt zu erheben.

Das bedeutet, ich lerne nicht aus den Erfahrungen meines gewöhnlichen Lebens – im Gegenteil, ich erhebe mich über dieses gesamte Leben und über all seine Erfahrungen!

Denn hier kann ich mich nur mit meinem Egoismus beschäftigen und Ratschläge erteilen, die für mein Ego vorteilhaft sind – so wie wir einem Kind beibringen: „Geh nicht zu einem bösen Hund, wenn du nicht gebissen werden willst.“ Ich kann nur sagen, was für uns nützlich ist und was uns schadet – mehr kann die Moral nicht leisten.

Aber die Weisheit der Kabbala basiert nicht auf Angst oder Bestrafung. Sie sagt, dass man seine Wünsche ändern muss, indem man sie dem Licht aussetzt.

Das heißt, sie beschäftigt sich mit unserer inneren Korrektur, nicht mit Anweisungen oder Einschüchterungen – weder durch einen bösen Hund noch durch einen strafenden Schöpfer.

Die Kabbala macht dem Menschen keine Angst und verspricht ihm auch keine Belohnung in Jenseits. Sie spielt nicht mit unserem Egoismus – sie korrigiert ihn einzig und allein durch das Licht, das zur Quelle zurückführt.

Die Verbindung von Gericht und Barmherzigkeit im Spirituellen ist das Zusammenwirken von Bina und Malchut – in dem Maß, in dem Bina sich in Malchut einfügen kann und Malchut sich in Bina integriert, um sich gegenseitig zu unterstützen.

Malchut tritt in Bina ein, das Maß des Gerichts dringt in die Barmherzigkeit ein und beschränkt sie. Das bedeutet: Soweit Malchut nicht mit Bina übereinstimmen kann, schränkt sie Bina ein. Und in dem Maß, in dem sie mit Bina übereinstimmen kann, offenbart sie Bina.

Es entsteht also eine wechselseitige Durchdringung: Bina tritt in Malchut ein und bringt ihr das Maß der Barmherzigkeit. Malchut wiederum tritt mit dem Maß des Gerichts in Bina ein und bestimmt, in welchem Umfang Bina ihr erlaubt, zu geben, zu empfangen und sich anzugleichen.

Das heißt, bei der Verbindung von Barmherzigkeit und Gericht findet die Arbeit von beiden Seiten aus statt: Der Höhere schränkt sich selbst ein und nutzt das Maß des Gerichts, obwohl er sich offenbaren und das Maß der Barmherzigkeit einsetzen möchte.

Der Untere hingegen will das Maß der Barmherzigkeit erlangen, und deshalb bringt er das Gericht in den Höheren ein und sagt: „Gib mir nichts! Ich verschließe dich!“

Oder er sagt sogar: „Du kannst dich offenbaren – ich werde trotzdem nichts von dir empfangen! Ich habe meinen eigenen Schirm und bin bereit, dich in dem Maß zu öffnen, in dem ich dir ähnlich werden kann.“

Hier gibt es weder Einschüchterung noch Moral – im Gegenteil, es herrscht völlige Freiheit der Suche und der einzig wahre freie Wille.

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(Aus einer Lektion zu Beit Shaar HaKavanot)

Wenn der Neid zur Hilfe kommt…

Wenn wir um unser zukünftiges Zustand bitten, meinen wir damit, dass über unserem gegenwärtigen Egoismus das Gute offenbar werden möge. Denn wir empfinden das Ego als Entfernung, Abstoßung, als Unmöglichkeit einer guten Verbindung miteinander , was bedeutet gut für den anderen, nicht für mich.

Stellen wir uns den zukünftigen Zustand vor, erkennen wir, wie sehr wir ihm nicht entsprechen können. Ich bin nicht in der Lage, einem anderen etwas Gutes zu wünschen. Ich habe diese Natur nicht.

Und dann bleibt mir nur eine einzige Möglichkeit, mich zu ändern: mich an den Schöpfer zu wenden, um vom Empfänger zum Geber zu werden und an andere zu denken. Doch ich kann das nicht tun, denn es ist, als würde man von einem Stein verlangen, ein Baum zu werden, oder von einem Baum, ein Tier zu werden, oder von einem Tier, ein Mensch zu werden. Es ist unmöglich! Es bedeutet den Aufstieg auf eine völlig andere Stufe der Existenz. Wie kann ich darum bitten?

Hier kommen uns einige egoistische Elemente zur Hilfe: Neid, Leidenschaft und Ehrgeiz.

Neid entsteht, wenn ich auf andere schaue und sehe, dass es ihnen gelingt, eine höhere Stufe, einen höheren Zustand zu erreichen, und mir nicht. Ich bin so geschaffen, dass ich neidisch bin. Selbst wenn es sich um Zustände des Gebens, der Liebe und des Einschlusses anderer in sich selbst handelt, bin ich dennoch neidisch auf sie. Denn diese Zustände kommen aus dem korrigierten System Adams zu mir, das vor seinem Zerbrechen erschaffen wurde.

Aber wir haben eine Gruppe. Wenn wir in ihr das System unserer Verbindung entwickeln, werden wir – entgegen dem Wunsch, Einzelgänger zu bleiben – dennoch beginnen, uns miteinander zu verbinden, uns zu überwinden, uns kraftvoll auf ein zunächst künstliches Zusammenkommen auszurichten, und zumindest mechanisch, wenn nicht schon fühlbar, einander näherkommen.

Hierbei ist der Neid besonders wichtig, denn durch ihn schließe ich mich in andere ein; ich will das, was sie haben.

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Aus einer Lektion zum Thema „An den Schöpfer wenden“.