Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Buch Sohar'

Du kannst nichts alleine zustande bringen

Ich existiere nicht aus mir selbst. Ich existiere nur, wenn ich mich selbst durch den Mechanismus, der Einheit aller Seelen genannt wird, fülle. Darum möchte ich mich durch das Buch Sohar öffnen, da seine Kraft zu mir kommt, um die Verbindung zwischen all meinen Teilen herzustellen, die mir jetzt fremd erscheint.

Genau dafür ist das Buch Sohar bestimmt. Andernfalls wäre ich nicht unter seinem Lichtstrahl. Dieser Strahl ist sehr dünn, wie ein Laserstrahl und wenn ich auch nur einen Millimeter davon entfernt wäre, würde ich ihn nicht mehr sehen. Ich muss genau in diesem Strahl sein, damit er auf mich einwirken kann.

Kabbalisten erklären uns diese Bedingung und sagen, dass wir uns genau in diesen Strahl begeben, wenn wir uns in richtiger Weise mit allen Seelen verbinden. Sobald die Einheit zerbrochen ist, fallen alle ab und zerstreuen sich in alle möglichen Richtungen. Nur dieser Strahl ist fähig, uns zusammenzuhalten.

Dies geschieht auf jeder Stufe der spirituellen Leiter – wir können sie nur entlang dieses Strahls emporsteigen. Sobald wir voneinander lassen, fällt alles auseinander und der Lichtstrahl kann uns nicht mehr zusammenhalten. Das ist die einzige Kraft, die unsere Verbindung bewahren kann. Daher ist es um dieser Verbindung willen, dass wir danach verlangen, das Licht anzuziehen. Wir brauchen den Schöpfer, damit Er uns miteinander verbindet und das bedeutet, dass wir das Licht, das umgestaltet, heranziehen müssen.

Wie können wir diese Verbindung spüren? Wir müssen es fordern, während wir den Sohar lesen. Dieser muss es uns geben. Das ist der Grund, warum Kabbalisten dieses Buch geschrieben haben und wir haben das Recht zu fragen „Wo ist diese Verbindung, die wegen uns existiert, warum wirkt sie nicht auf uns ein?“ Wenn wir alle miteinander daran denken, wird dies für uns zu einer großen Sache werden und wir werden sie nicht für einen Moment vergessen. Jedoch alleine wird keiner von uns fähig sein, irgendwas zustande zu bringen.

Ein Maßstab für spirituelle Begriffe


Unsere Arbeit ist es, von der Bewertung nach dem Prinzip „süß versus bitter“ zur Bewertung nach dem Prinzip „wahr versus falsch“ aufzusteigen. Schließlich wird der Schöpfer Wahrheit genannt.

Das Wort „Wahrheit“ (Emet) besteht aus den Buchstaben: Alef-Mem-Tav. Alef und Tav sind der erste und letzte Buchstabe des Alphabets, welche Verlangen an zwei verschiedenen Enden des Spektrums symbolisieren. Mem, das sich in der Mitte befindet, ist die Eigenschaft von Bina, die wir dazu verwenden können, um diese beiden Enden miteinander zu verbinden und Korrektur zu erreichen, die Wahrheit.

Der einzige Weg um herauszufinden, was wahr und falsch ist, ist innerhalb einer Gruppe von Kabbalisten, einer Umgebung. Im eigenen Innern hat das Individuum keine Fähigkeit dies zu tun, denn es besitzt lediglich einen Parameter – das Ego. Um eine Messung durchzuführen, benötigt man unbedingt einen weiteren Parameter, der außerhalb von uns ist.

Nach einem längeren Studium und durch viele Klärungen in der Gruppe beginnt ein Anfänger-Kabbalist zu spüren, dass er in einem allgemeinen, globalen System von Verlangen existiert, unter anderen „Punkten im Herzen.“ In Beziehung zu dieser speziellen Umgebung besitzt er die Gelegenheit, sich neue Sinneswahrnehmungen anzueignen: eine Annäherung oder Entfernung zu ihr, ein Gefühl ihres globalen Systems, sein Einbezogensein darin, das Bedürfnis nach ihrer Unterstützung und die Erkenntnis, dass es der Ort ist, an dem er die Höhere Welt und den Schöpfer offenbaren wird.

Allerdings wird währenddessen die Wechselwirkung zwischen zwei Kräften – mir selbst und der Umgebung, in mir geformt. Die Umgebung wird an Gewicht zunehmen, um meinem „Ich“ – dem Ego entgegenzuwirken. Ein neues System der Lenkung wird sich einstellen, das sich außerhalb von mir befindet und welches ich als die Rettung auffassen werde, als Hebel, der mich aus meinem Zustand dieser Welt herausziehen kann.

Ich messe „mich selbst gegenüber der Umgebung,“ und als Ergebnis meiner Messungen erlange ich quantitative und qualitative Grade, wie ich die geistigen Beziehungen und Kräfte messe. Demzufolge bilde ich eine lineare Skala: Ich befinde mich an einem Ende und die Gruppe am anderen. Indem ich diese Skala benutze, kann ich bereits die Höhere Welt prüfen, messen und wiedergeben.

Aus der Beziehung zwischen „mir und der Gruppe“ bildet sich eine spirituelle Zelle in mir und ich kann die ganze Wirklichkeit über mir durch diese Zelle messen. Auf diese Weise baue ich eine Seele in meinem Innern auf.

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Nur das richtige Gefäß kann wahre Erfüllung empfangen

Wir müssen verstehen, dass der Sohar dazu bestimmt ist, den Punkt in unserem Herzen zu enthüllen und nicht, um unsere zu dieser Welt gehörenden normalen Sinne oder unseren Intellekt zu befriedigen. Du öffnest das Buch und fällst in Verzweiflung, weil du es nicht verstehen oder fühlen kannst. Doch welche Art von Empfindung oder Verständnis erwartest du? Der Sohar wirkt jedoch in einer anderen Weise auf dich und nicht wie du es erwartest.

Du hast ein Fass oder einen Eimer (egoistische Verlangen) vorbereitet und erwartest, dass sie mit etwas, das spirituelle Erfüllung zu sein scheint, erfüllt werden, während du in Wirklichkeit nach egoistischer Erfüllung verlangst. Der Sohar jedoch gibt dir eine andere Art Empfangsgefäß – eines, das gebend, anti-egoistisch ist, sowie auch die dazu gehörende Erfüllung – den Genuss des Gebens.

Das sind üblicherweise die Phasen, durch die jeder Mensch geht, allmählich sein Kli enthüllt, seine Gesinnung und die Erfüllung, die er erwarten sollte. Als Folge davon verschwindet seine ganze Selbsttäuschung und er enthüllt das wahre Kli, das bereit ist für die rechte Art der Erfüllung.

Mit dem Schöpfer in einem System arbeiten

Wenn ich die schlechten Kräfte fühle, bedeutet dies, dass ich verstehen kann, was gute Kräfte sind, welche sich ihnen gegenüber befinden. Wie auch immer, ich befinde mich nicht unter dem Einfluss der guten Kräfte. Stattdessen falle ich unter die Herrschaft der bösen Kräfte.

Zum Beispiel besitze ich ein Zuhause, welches ein guter, warmer und sicherer Ort ist. Aber nachts finde ich mich in einem dunklen Wald wieder, wo ich mich schlecht und ängstlich fühle, denn ich habe etwas Gutes, womit ich dies vergleichen kann. Hätte ich dagegen kein warmes, gutes Zuhause, würde ich nicht leiden. Ich würde mich einfach damit abfinden, dort im Wald zu leben. Er würde dann nicht dunkel und furchteinflößend auf mich wirken, sondern mein normales Leben sein. Auf die gleiche Weise haben wir uns an das Leben in dieser Welt gewöhnt – der schlimmsten aller Welten.

Dieses Verständnis soll uns helfen, uns durch die Vorstellungen, die im Buch Sohar beschrieben werden, nicht verwirren zu lassen. Wenn wir über die furchteinflößenden Charaktere lesen, müssen wir uns selbst sagen, „All das existiert in mir selbst“. Dies sind meine Verlangen, in welchen ich Genuss erhalten möchte. All diese Dämonen, Geister und die Hölle sind genau hier.

Wir müssen dies klar verstehen. Andernfalls werden wir uns bildlich alle Arten von Himmel und Hölle vorstellen, wie uns dies in der Religion erzählt wird: es ist verboten hierhin zu gehen, und erlaubt dorthin zu gehen. Darum schrieb Baal HaSulam seinen Kommentar zum Buch Sohar. Nur um uns dadurch zu helfen, all diese Vorstellungen los zu werden und all diese Dinge in uns selbst zu suchen.

Wir studieren den inneren Teil der Tora, welcher uns berichtet, dass sich alles im Menschen befindet und der Mensch selbst eine kleine Welt ist. All das bin ich und es gibt nichts außer mir, was existiert. Das Einzige, was in mir existiert, ist der Schöpfer (das Licht) oder die entgegengesetzte Wahrnehmung von Ihm. Es gibt nur Ihn und mich, und Er erzählt mir, wie ich Ihn aus Seiner eigenen Verhüllung enthüllen kann. Er ordnete alles auf diese Weise an, um als Ergebnis meiner Anstrengung und meiner Suche Ihn enthüllen zu können.

Durch die Korrektur meines Verlangens werde ich Ihn erkennen, den Einen, der mich auf diese Weise erschaffen hat. Durch die Erkenntnis des Schöpfers erkenne ich mich selbst – alle meine Eigenschaften und Fähigkeiten. Wie erreiche ich diese Korrektur? Ich bitte konstant um Seine Hilfe, durch das Erfassen und das Verständnis einiger Teile meiner Seele. Als Folge davon wird Er kommen und Sich mir enthüllen, und dann werden wir beginnen zusammen zu arbeiten und uns durch diese Arbeit zu vereinigen.

Dieses System, womit wir arbeiten, wird zu meiner Seele, in der Er und ich zusammen existieren. Und der Sohar erzählt uns über all das.

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Im Buch Sohar nach verborgenen Verbindungen suchen


Eine Frage, die ich erhielt: Sie haben erklärt, dass man während des Lesens des Buches Sohar die Kräfte in mir selbst entdecken muss, die darin beschrieben werden. Aber wie kann ich das tun, wenn ich nicht weiß, was „Jungfrau“, Herrin des Hauses“, „Frau“, „Mann“ und andere Worte im spirituellen Sinn bedeuten.

Meine Antwort: Wir fangen mit einfachen Bedeutungen der Worte an, die wir aus unserer körperlichen Welt kennen. Während uns das Buch Sohar versiegelt ist, kann es noch für jeden von uns zu einem spirituellen Lehrer werden. Jeder kann sich einfache materielle Bilder und Handlungen vorstellen, wenn er sein vorher vorhandenes Verständnis von diesen Konzepten nutzt. Währenddessen erhebt uns das Buch Sohar über die Körperlichkeit und versetzt uns in das spirituelle Reich.

Wir können die Verbindungen zwischen der Höheren Welt und unserer materiellen Ebene, die von den Autoren des Sohar – Rabbi Shimon und seinen Schülern – geschaffen wurden, nicht verstehen. Sie konnten eine Verbindung zwischen den zwei Welten schaffen und unsere Rolle ist es, die Höhere Welt durch Konzepte zu erkennen, die wir schon verstehen. Doch wir müssen uns sehr anstrengen, damit das geschieht, damit wir die spirituellen Kräfte hinter gebräuchlichen Worten, die zu dieser Welt gehören, erkennen.

Das ist es, was wir „Wunder“ (Sgula) nennen. Wir wissen nicht, wie das System arbeitet, um uns mit der Höheren Welt zu verbinden und wir verstehen die Verbindung zwischen dem, das wir uns vorstellen und der tatsächlichen spirituellen Bedeutung dessen, was wir lesen, nicht.

Frage fortgesetzt: Muss ich selbst diese Verbindung suchen?

Meine Antwort: Du solltest nach deinem wahren Existenzzustand suchen und mit aller Kraft versuchen, die Höhere Welt wahrzunehmen, wie ein Kind, das erwachsen wird. Spiele das Spiel nach den Regeln, die dir von den Kabbalisten gegeben wurden und du wirst Erfolg haben!

Obgleich wir uns die Bilder im Buch Sohar als materielle Dinge vorstellen und unfähig sind, uns selbst von diesen Vorstellungen zu befreien, sind wir ebenfalls unfähig zu verstehen, was diese Dinge in der spirituellen Welt bedeuten. Doch unser Bemühen zu verstehen wird uns schließlich dahin bringen, die Spiritualität wahrzunehmen.

Die Autoren des Buches Sohar schufen ein System, um sich mit uns auf einer materiellen Ebene zu verbinden und das unsere „kindlichen“ Bemühungen in den wahren Seinszustand transformiert. Das ist es, was das Buch Sohar so großartig und einzigartig macht.

(Aus dem TV Programm „Den Sohar öffnen“)

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Den dunklen Keller mit dem Licht einer Kerze durchschreiten


Aus dem Sohar: All die Wege des Schöpfers sind richtig und Seine Wege sind wahr. Deshalb „schreiten sie nur auf diesen“, da sie die Wege des Schöpfers kennen und sich mit der Tora beschäftigen, und jeder, der sich mit der Korrektur der Tora beschäftig, kennt die Wege der Tora und geht auf ihnen und irrt weder links noch rechts ab. Aber Frevler stolpern darin.

Dies spricht nicht über die materielle Welt, sondern nur über die Seele eines Menschen, welche mit allen möglichen Mitteln versucht, das Licht der Korrektur anzuziehen, um sich mit dem Schöpfer zu vereinen. Ein Mensch möchte den rechten Weg gehen, erlebt dabei aber manchmal Tag und manchmal Nacht.

Daher tauchen alle „Schurken“, die in der Tora beschrieben sind (Esau, Bilam, Balic, Ahasverisch, die Schlange, der Pharao) sowie die „Gerechten“ (Abraham, Isaak, Jakob, David) in einem Menschen auf. Er fällt in einen Zustand der Dunkelheit, Angst, Krieg, Unruhen und dann erwacht er, gewinnt und schreitet vorwärts. Danach geht er durch den gleichen Zyklus, wieder und wieder. Er sündigt unzählige Male auf dem spirituellen Weg, weil er sein gesamtes unkorrigiertes Verlangen enthüllen und die Gegensätzlichkeit gegenüber dem spirituellen Ziel verspüren muss. Erst danach kann er lernen, welche Art von Licht er benötigt, um sein Verlangen zu korrigieren und das Geben zu erwecken.

Wir haben kein anderes Mittel, um zu studieren, was der Schöpfer erschaffen hat und wie Er in uns handelt. Wir handeln nur entsprechend dem Verlangen zu empfangen, jene leeren, schlechten Schalen, die sich in uns enthüllen. Danach können wir das Schlechte zum Guten transformieren, durch die Hilfe des Lichtes, entsprechend der Erkenntnisstufe die wir erreicht haben. Ein Mensch muss zuerst sündigen, um zu erkennen, dass er sein Verlangen zu empfangen zum Schlechten verwendet – gegen jeden und gegen den Schöpfer. Dadurch erkennt er, dass er vollkommen egoistisch ist und dieser Egoismus ihn komplett beherrscht.

Während er diese Zustände durchwandert, die wir als „Bösewichte“ bezeichnen, und diese korrigiert, wird er zu einem „Gerechten“. Daher wollen wir hoffen, dass wir alle zu diesen „Schurken“ werden, von denen uns die Tora berichtet, da dies erhabene spirituelle Stufen sind.

Diese Zustände kommen zum Menschen, wenn dieser bereit ist, seinen bösen Trieb zu erkennen, sofern er sich diesem nicht unterwirft, sondern ihn fühlt und erkennt. Ein besonderes Licht scheint dann auf ihn, was ihm erlaubt, die Dunkelheit in sich zu erkennen. Genauso wie wir mit dem Licht einer Kerze auf der Suche nach Chametz (Gesäuertem) sind, bevor wir die Feiertage von Pessach begehen, sollte auch der Mensch in seinen dunklen Keller in sich hinabsteigen und mit Hilfe des Lichtes einer Kerze beginnen, zu überprüfen, wo sich Chametz befindet und wo das Essen ist, welches für Pessach geeignet ist (Ungesäuertes).

Nur die gebenden Kelim sind für Pessach geeignet, während der Rest verboten ist.
Wir brauchen zumindest ein kleines Kerzenlicht, um in den dunklen Keller hinabzusteigen und mit der Suche beginnen zu können. So bereiten wir uns für den Auszug aus Ägypten vor. Durch die Enthüllung und Wahrnehmung des Bösen in uns, schreitet der Mensch vorwärts und gelangt vom Exil zur Höheren Welt.

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Es gibt keine Heiligkeit in unserer Welt


Eine Frage, die ich erhielt: Warum müssen wir jedes Wort im Buch Sohar gemäß seiner spirituellen Bedeutung betrachten und nicht in seinem einfachen physischen Verständnis?

Meine Antwort: Wir sollten niemals die Worte aus dem Buch Sohar in seiner physischen Bedeutung interpretieren, denn dadurch würden wir die Tora auf die Stufe dieser Welt erniedrigen. Wir müssen von den Zweigen zu den Wurzeln aufsteigen, von dieser Welt hinauf zur spirituellen Welt. Und Sie fragen: Warum man nicht die spirituelle Welt nimmt und sie zu unserer Welt herabzieht?

Zuallererst unterliegt unsere Welt nicht den gleichen Gesetzen wie die spirituelle Welt. Die ganze Verwirrung in unserer Realität resultiert aus der Tatsache, dass sich die Menschen die spirituelle Welt vorstellen, ohne darin zu existieren. Dadurch kleiden sie das Spirituelle zwangsweise in das Materielle. So stellt man sich vor, dass die Kraft des Gebens in der rechten Hand wäre und die Kraft des Empfangens in der Linken, oder dass einige Teile des Körpers heiliger sind als andere, usw. All dies ist falsch und deshalb ist es uns verboten, das Spirituelle mit dem, was wir in dieser Welt begreifen, fühlen und tun, zu verbinden. Zwischen diesen zwei sollte keinerlei Verbindung bestehen.

In unserer Welt gibt es nichts Heiliges, einschließlich der unbelebten, pflanzlichen, tierischen und menschlichen Stufen. Somit existiert auch nichts Heiliges in allem, was Menschen in dieser Welt tun. Das Buch Sohar bezeichnet man als ein heiliges Buch, weil es uns dabei helfen kann, von dieser Welt, vom Egoismus, zur Heiligkeit, zum Geben und zur Nächstenliebe aufzusteigen.

Ich bin ein Punkt im Herzen, welcher zur spirituellen Welt gehört – der Welt der Heiligkeit. Dies ist der einzige Punkt in mir, der völlig unterschiedlich zu meiner ganzen Natur ist, und wenn ich etwas benutze, was als „heiliges Buch“ bezeichnet wird, kann ich mich zur Welt der Heiligkeit erheben – zum Geben. Es ist jedoch nicht das Papier mit den gedruckten Buchstaben darauf, das als heilig bezeichnet wird, und auch die Buchstaben in dem Buch sind nicht heilig. Heiligkeit ist die Verbindung zwischen dem Licht und dem Gefäß (Kli), welches durch die Buchstaben symbolisiert wird. Aber hier in unserer Welt existiert nichts Heiliges.

Unser ganzes Problem liegt darin, dass wir beginnen, einem Menschen oder seinen Handlungen Heiligkeit zuzuschreiben. All dies jedoch sind lediglich Symbole. Alles was der Einhaltung der Gebote zugeschrieben wird – der Tallit (Gebetsschal), Tefillin (Gebetsriemen), das Buch der Tora, Aron Kodesh (Schrein für die Aufbewahrung der Torarollen) – sind nur Symbole für die Interaktion des Lichtes mit den Kelim, die Beziehungen zwischen ihnen und die Zustände der Seele. Folglich sind es die Zustände der Seele, die eigentlich heilig sind, weil diese die Eigenschaft des Gebens enthalten.

Ein Buch der Tora, welches im „Aron Kodesh“ steht, ist nur ein Symbol für eine spirituelle Essenz, genannt Seir Anpin, welche Einfluss auf das Verlangen – Malchut (die Vereinigung aller Seelen) ausübt und diese durch das Licht der Heiligkeit zum Geben führt. Folglich korrigiert sie unsere Seelen und erhebt uns. In unserer Welt gibt es nichts als Symbole. Wir alle sind wie „sterbliche Tiere“.

Ein Mensch, welcher die Objekte und Handlungen dieser Welt einteilt, in jene die mehr oder weniger heilig sind, bringt sich damit selbst vom Weg der Korrektur ab. Solche Arten von Handlungen werden „Erev Rav“ genannt, weil sie den Menschen vom Fortschritt hin zur spirituellen Welt und der Korrektur der eigenen Seele abhalten.

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Buchstaben sind Verlangen

„Vorwort zum Buch Sohar„, Punkt 9: Wie im Buch Sohar bezüglich der Zweiten Einschränkung geschrieben steht, spricht der Sohar nicht von der Welt Azilut als solcher, weil diese als der weiße Hintergrund im Buch betrachtet wird. Untersucht wird vielmehr nur deren Leuchten in den drei Welten BYA, welche die Farben, die Buchstaben und deren Kombinationen im Buch darstellen, auf dem Hintergrund der Welt Azilut.

Alles geschieht innerhalb des Verlangens zu empfangen. Alle Buchstaben sind Gefäße der Wahrnehmung (Kelim), sie sind verschiedene Formen des Verlangens zu empfangen, die sie unter dem Einfluss des Lichts annehmen.

Wenn das Licht das Verlangen beeinflusst, führt es dieses durch alle Phasen der Entwicklung – Schoresch (O), Alef (1), Bet (2), Gimel (3) und Dalet (4). Das Ergebnis ist Malchut, das sogenannte „Kli“ – das Gefäß der Wahrnehmung.

Eine andere Möglichkeit dies auszudrücken ist, dass es Keter – Rosh (Kopf) gibt, und von dort „Taamim“ (Geschmäcker), „Nekudot“ (die Punkte bei den Buchstaben, welche für die Vokale stehen), „Tagin“ (die Kronen über den Buchstaben) und „Otiot“ (Buchstaben) sich nach unten ausbreiten. Die Buchstaben sind die letzten Reshimot (Erinnerungen) der Nekudot (des Verschwindens des Lichtes).

In jedem Fall sprechen wir ausschließlich über das Verlangen; dies ist das Einzige, wovon das Buch Sohar spricht. Wir müssen uns genau auf diese Art von Wahrnehmung ausrichten – darauf, dass alles, worüber wir sprechen, nur von unserem Verlangen handelt, und was darin geschieht.

Der Sohar spricht nicht darüber, wie das Licht sein Handeln plant, wie es zu uns herabsteigt, uns kontrolliert und im Hintergrund arbeitet. Dies ist nicht unsere Angelegenheit, denn wir können nicht die abstrakte Form und das Wesen begreifen. Wir befinden uns in einem Raum, genannt „das Verlangen zu empfangen“, in dem wir leben. Dieser gehört uns und wir gehören ihm.

Dies sollte uns dabei helfen, den richtigen Ansatz für das Studium der gesamten Wissenschaft der Kabbala zu finden, einschließlich des Buches Sohar. Die Kabbala spricht nie über etwas anderes, als über die Seele.

Das Einzige, wovon in der Kabbala gesprochen wird, ist, wie die Kabbalisten dieses Verlangen zu empfangen enthüllen, welches vom Schöpfer geschaffen wurde und als Seele bezeichnet wird und was in diesem Verlangen geschieht. Unser gesamtes Studium dient nur diesem Zweck: den Schöpfer in dem erschaffenen Geschöpf zu enthüllen, in der Seele.

Wenn ein Mensch jedoch die Tora oder die Kabbala aus irgendeinem anderen Grund außer der Enthüllung der Eigenschaft des Gebens im Verlangen zu empfangen studiert, ist dies kein wirkliches Studium der Tora. Mehr noch, er verwandelt es in einen „Todestrank“ und entfernt sich immer weiter von der Wahrheit.

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Geh nicht in Einsamkeit


Der Sohar: Es steht geschrieben über den Sünder Bilam: „Er ging in Einsamkeit…wie eine Viper auf dem Weg“, wie eine Schlange, die alleine kriecht, wie ein Rabe auf gewundenen Straßen. So ging Bilam in Einsamkeit, um seinen Geist in Unreinheit zu stärken. So ist es mit jedem Menschen, der alleine wandelt, auch an berühmter Stelle, auch in einer Stadt, an bekannten Orten, um seinen Geist der Unreinheit zu stärken.

So geht es jedem Menschen, der alleine wandert, denn selbst an bedeutenden Plätzen, Städten, bekannten Orten, zieht er den Geist der Unreinheit auf sich.

Daher steht geschrieben: „Lasst den Menschen nicht alleine wandeln auf den Wegen und in den Städten“ – sondern nur in Verbindung mit anderen, selbst dort wo Menschen gehen und verweilen.

Und außerdem: Lasst den Menschen nicht alleine gehen des Nachts“ – denn zu dieser Zeit gibt es keine Menschen.

All dies sagt dir: Vereinige dich mit deinen Freunden. Kabbalisten erklären, dass man den spirituellen Weg nicht alleine beschreiten kann. Wenn du dich auf den Weg machen willst, aber wegen der Dunkelheit des Weges nichts siehst, weil du kein Licht (keine Eigenschaft des Gebens hast, da du noch nicht mit dem spirituellen System verbunden bist, also mit den anderen Seelen), so darfst du dein „Haus“ nicht alleine verlassen. Du bist im Dunkeln, weil du alleine bist.

Du solltest nicht einen einzigen Schritt machen, da sich dieser nicht lohnen würde, weil du aufgrund deines Egoismus noch nicht in der Lage bist, dich mit anderen zu vereinigen. Du darfst somit keinen einzigen Schritt machen, da dieser Schritt nicht in die richtige Richtung – in Richtung des Gebens gemacht werden würde, hin zur Liebe, zum Schöpfer. Zuerst musst du dich mit anderen verbinden und dann nach draußen gehen. Und wenn du dich mit ihnen verbindest, so wirst du plötzlich erkennen, dass es draußen überhaupt nicht Nacht ist, sondern Tag.

Aber nachts solltest du den Weg nicht beschreiten, selbst wenn ihr zusammen seid, weil dies bedeutet, dass du noch nicht die erforderliche Stufe der Einheit erlangt hast. Wir lernen aus dem Buch Sohar, dass wir uns, wenn es Nacht wird, in einer „Höhle“ verstecken müssen (der Eigenschaft von Bina, dem Geben), wie Noach in seiner Arche.

Nun lasst uns einen Schritt zurück gehen und fragen: Was bedeutet dies alles?
Das Ziel des Sohar ist nicht, uns mit schaurigen Geschichten zu erschrecken. Vielmehr ist es ein heiliges Buch mit dem Verlangen, all diese Kräfte, alle Verlangen und Eigenschaften, über die wir lesen, in uns zu korrigieren. Sie sind alle in uns.

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Willst du die Kabbala als Todestrank oder Lebenselixier einsetzen?


Eine Frage, die ich erhielt: Sie haben gesagt, dass Kabbala Bücher wie medizinische Bücher sind. Jedes Lexikon der Medizin oder der Beipackzettel einer Arznei listet Fälle auf, in denen es verboten oder sogar gefährlich ist, eine Medizin einzunehmen. Gibt es in der Kabbala ähnliche Gegenanzeigen?

Meine Antwort: Sicher! Die „Einführung zu Talmud Esser HaSfirot“ sagt, dass die Tora (genau wie auch die Kabbala) ein „Lebenselixier“ oder ein „Todestrank“ sein kann. Es ist eine bekannte Tatsache, dass jede Medizin Gift ist, aber nicht jedes Gift ist Medizin. Jede Medizin wurde auf der Basis eines Gifts hergestellt. Andernfalls gäbe es keinen Heilungseffekt.

Wir können nur mit Hilfe eines Giftes geheilt oder korrigiert werden, indem wir das Gift zu einer Medizin machen oder indem wir bestimmte Portionen Gift nehmen, um dem Bösen in uns zu begegnen. Das Prinzip stammt von der Basis der Natur, der Regel folgend: „Der Engel des Todes wird zum Engel des Lebens“. Das gleiche Prinzip wird in der Medizin angewendet.

Deshalb ist die Schlange, die sich um ein Gefäß mit Medizin windet, ein Symbol für Heilung in der Medizin. Das stammt nicht aus der Vorstellung von irgendjemand, sondern von der Basis der gesamten Natur.

Die Kabbala sagt das Gleiche: Du musst die Bücher als „Beipackzettel“ benutzen, eine Lösung, die gegen deinen Egoismus arbeitet, denn das Licht, das enthalten ist, wird dich korrigieren und dich zur Quelle zurückführen. Doch wenn das Buch nicht als Mittel nutzt, um deinem Ego entgegenzutreten, damit du dich selbst zu korrigierst, dann blasen die Studien deinen Stolz, deine Selbstüberzeugung und deine Erwartung einer Belohnung in dieser Welt und in der kommenden Welt auf. Dadurch wird dein Studium zu einem „Todestrank“. Du wirst zu einem noch größeren Egoisten und wirst eine Bezahlung vom Schöpfer verlangen.

Baal HaSulam schreibt in Punkt 69-71 der „Einführung in das Buch Sohar“, dass die Quelle aller Probleme in der Welt in nichts anderem zu finden sind, als dem falschen Gebrauch der Tora und der Kabbala.

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