Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Integrale Bildung'

Erst die Eltern erziehen

Frage: Sie bringen oft das Beispiel ins Spiel, dass die integrale Gesellschaft ähnlich der idealen Familie ist. Jedem scheint klar zu sein, was eine ideale Familie ist. Aber während des Gesprächs wird deutlich, dass in den warmen, guten Familien etwa 20% der Menschen aufgewachsen sind und alle anderen nicht verstehen, was das ist. Wie baut man das Bild der perfekten Familie auf?

Meine Antwort: In jedem von uns ist im Unterbewusstsein so ein Bild abgespeichert: Eltern, Kinder, Großeltern. Die Natur hat in uns diesen Grundstein gelegt. Auch wenn es im Leben des Menschen so einen Zustand nicht gab, ist es möglich und auch angenehm, sich das vorzustellen.

Frage: Sollte man sich damit beschäftigen?

Meine Antwort: Ja natürlich, wir brauchen das dringend, weil sich heutzutage Ehepartner treffen, Kinder zur Welt bringen und nicht wissen, wie man mit ihnen umgeht. Wie kann das sein? Wenn es in ihrer Nähe Großmütter und Frauen gibt, die schon Kinder großgezogen haben, die ihre Erfahrungen gemacht haben, und anfangen, sich mit ihren Enkeln und sogar Urenkeln zu beschäftigen – ist das eine ganz andere Sache.

Früher, als wir in einer großen Familie lebten, in der Umgebung der Angehörigen, die all das schon hinter sich haben, hatten junge Leute keine unbegrenzte Macht über die Kinder, und deshalb waren die Beziehungen zu den Kindern wegen der älteren Generation ausgeglichen, durch die besondere Liebe der Großeltern zu ihren Enkelkindern.

Und heute, wenn die jungen Leute unter ständiger Spannung stehen, müssen sie die Kinder in den Kindergarten bringen, zur Arbeit hetzen, dann die Kinder abholen, schnell ins Bad und dann ins Bett „abschieben“ usw., am Ende erhalten wir eine schreckliche Gesellschaft – keine Erziehung, keine Wärme. Sehen Sie mal, was heute für Kinder geboren werden. Sie haben kein Gefühl für die Familie, für die Eltern, für niemanden, daher gehen sie aus dem Haus und sind leichter anderen Einflüssen ausgeliefert. Dies ist ein kompletter Zusammenbruch.

Also, zunächst einmal müssen wir uns mit der integralen Erziehung der Familie beschäftigen. Und es ist notwendig, mit der Erziehung der Eltern anzufangen, die die integrale Erziehung ihren Kindern übergeben. Nur dann kann man ihnen die Erlaubnis erteilen, Kinder zu bekommen. Es tut in der Seele weh, weil die Eltern absolut nicht wissen, wie man sich mit einem Neugeborenen verhalten soll. Früher waren um sie herum 20 Großmütter und Frauen mit Kindern, die ihnen alles erklärten und sie führten. Und heute – Nichts.

Auszug aus dem Gespräch über die integrale Erziehung, 29.02.2012

Ziehe dich nicht an den Haaren

Frage: Warum lässt uns der Schöpfer in nichts Erfolg haben, sondern zwingt uns, uns an Ihn zu wenden?

Meine Antwort: Er gibt dir diese ganze Welt, verpflichtet dich zu allen möglichen Handlungen und „stellt dir ein Bein“ – eben damit du dich an Ihn wendest. Wozu und worin sollst du sonst Erfolg haben? Denn die Anrufung des Schöpfers ist alles, was verlangt wird.

Wie kannst du dich sonst korrigieren und Ihm ähnlich werden? Du kannst dich nicht selbst aus dem Sumpf an den Haaren ziehen. Oder, wie die Weisen sagten, kann sich ein Gefangener nicht selbst aus dem Gefängnis befreien. Denn du stellst das pure Verlangen zu empfangen dar.

Und deshalb durchläufst du eine Reihe von Zuständen – genauso wie der Rest der Welt. Die Europäer versuchen z.B. verzweifelt ihre „Einheit“ aufrechtzuerhalten. Sie sehen wirklich wie Taube und Dumme aus – doch was soll man dagegen tun? Solange sie diesen Weg nicht zu Ende gegangen sind und die Arme nicht sinken haben lassen, wird nichts passieren. Ob vor dem Krieg oder danach – sie werden ihre Niederlage anerkennen müssen: „Das war es. Wir wissen nicht, was wir tun sollen“. Und dann werden sie auf uns hören.

Darum müssen wir im Vorhinein einen Brief mit Erklärungen vorbereiten und an sie schicken. Das ist unsere Pflicht. Es ist unwichtig, wer ihn entgegennimmt und liest. Es spielt keine Rolle, in welchem Mülleimer er landet, in welchem Ordner er „begraben“ wird. Wir müssen es tun.

Dasselbe betrifft jeden von uns – nur müssen wir uns im Unterschied zu den Europäern an den Schöpfer wenden, weil Er die Quelle der Kraft ist. Wer hilft dir sonst? Denn du brauchst das Licht, das zur Quelle zurückführt, du brauchst, dass die Kraft des Gebens über die Kraft des Empfangens herrscht und sie genau nach ihrem Ebenbild „formatiert“.

Unsere ganze Arbeit besteht darin, uns an den Schöpfer zu wenden. Unsere ganze Wahl besteht darin, wie wir das schnellstmöglich tun können, um den Leiden zuvorzukommen. Wozu soll ich Jahr für Jahr Zeuge eigener Misserfolge sein, um letztendlich doch „einzuknicken“ und mich an den Schöpfer zu wenden?

Es steht geschrieben: „Ein Weiser sieht das Neugeborene im Voraus“. Also will ich jetzt schon weise sein! Wozu soll ich mich jahrelang quälen? Was bringt es mir? Ein solches Vorankommen nennt sich „der Weg der Leiden“. Und der gute Weg bedeutet, dass ich unverzüglich, mit Hilfe der Gruppe und anderer Mittel, das Licht anziehe und sofort verstehe, was ich tun und wie ich die Stufen hochsteigen soll. Wozu soll ich immer tiefer in diesen Sumpf von Leiden, Krankheiten, Katastrophen, Depressionen und ewiger Bedrohung sinken?

Frage: Wie kann ich es wollen, wenn der Schöpfer über mein Verlangen herrscht?

Meine Antwort: Er herrscht über dein Verlangen und verleiht ihm einen treibenden Impuls von der nächsten Stufe. Im Moment erscheint dir diese Stufe als Finsternis. Wende dich an die Gruppe, bitte um das Licht, das zur Quelle zurückführt, und sie wird erstrahlen. Sie ist in der Finsternis versunken, weil du sie aus den entgegengesetzten Eigenschaften heraus betrachtest.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Exil und Erlösung“, 29.08.2012

Die Zukunft ist im Netz

Heute ist die Hauptrichtung in unserer Verbreitung das Internet. Wir veranstalten runde Tische und andere ähnliche Veranstaltungen, geben eine Zeitung heraus, unterrichten weiterhin die Menschen in den Kursen – und führen dabei eine konsequente, möglichst breite und massive Arbeit im Netz durch.

Wir müssen verstehen: Wir sind nicht in der Lage, die ganze Welt außerhalb des virtuellen Raumes zu umfassen. Unsere ganze Zukunft ist im Internet. Lasst uns für die Internetverbreitung verbinden. Wie haben einfach keine anderen Möglichkeiten. Alles andere wird davon begleitet. Lasst uns versuchen, im Internet eine Möglichkeit zu finden, jeden zu erreichen. Denn die Welt ist groß…

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel „Exil und Erlösung“, 29.08.2012


Das integrale Prinzip macht gesund

Frage: Wie wird die Medizin in der integrierten Gesellschaft sein?

Meine Antwort: Beim Übergang zur integralen Gesellschaft wird gerade der Medizin „die Luft ausgehen“. 90% der Medikamente erweisen sich als nutzlos oder sogar schädlich. Die Menschen werden auch ohne diese gesund, weil sie eine normale Menge an Nahrung zu sich nehmen werden, vor allem nützliche Nahrung verwenden.

Das bedeutet, dass nur eine minimale Anzahl an Gesundheitspersonal übrig bleiben wird. Wir werden zur Medizin, die nah an der Natur ist, übergehen, wobei dieser Übergang auf eine natürliche Art und Weise geschieht – und nur deswegen, weil der Mensch in dieser Hinsicht ausgewogener sein wird. Wir werden feststellen, dass plötzlich viele Krankheiten verschwinden werden, weil das integrale Prinzip gesund macht. Das ist eine enorme Kraft, die uns auch auf unserer physischen Ebene ins Gleichgewicht bringt.

Aus dem Gespräch über die integrale Erziehung, 29.02.2012

Willst du die Welt verbessern – verbessere zunächst dich selbst

Die Zeitung Baal HaSulam „Das Volk“: Wir müssen, mit Hilfe der breiten Propaganda, für uns selbst, eine besondere Erziehung organisieren. In Jedem von uns ist das Gefühl der Liebe zu der Menschheit eingepflanzt. Diese Arbeit geht der anderen Arbeit voraus, denn als Basis gibt sie allen Arten von Handlungen, welche wir in diesem Tätigkeitsbereich tun wollen, Erfolg.

Zunächst einmal wird die Erziehung benötigt. Wobei in unserer Zeit – in weitestem Sinne: Man muss dem jüdischen Volk erklären, was der menschliche Egoismus ist, wie die Entwicklung weitergeht, wie diese Nation entstanden ist und was sie somit vergegenwärtigt – weil hier nicht die Rede von einer Nation ist, sondern es geht um die Zugehörigkeit zu einer höheren Macht. Wir müssen erklären, was heute in unserer Welt geschieht, warum wir zu der weltweiten Krise gekommen sind und was in diesem Zusammenhang korrigiert werden muss.

Die Erziehung definieren wir als die verbindliche Voraussetzung der x-beliebigen Korrekturen. Wenn wir schon eine Idee des Gesamtbildes (der Endkorrektur) vor Augen haben, dann ist es jetzt notwendig, ihre Grundmerkmale zu erkennen – um rechtzeitig die Korrekturmaßnahmen einzuleiten.

Es ist wichtig, den Menschen zu sagen, dass wir durch die eigene Korrektur auf eine neue Ebene aufsteigen und die Ähnlichkeit mit dem Schöpfer erreichen. Der Mangel ist nicht irgendwo außerhalb, dieser ist in uns. Man sollte nicht etwas außerhalb korrigieren, sondern in sich selbst. Nicht die natürliche Umgebung oder die Wirtschaft ist verdorben, sondern wir selbst. Denn die äußerliche Wahrnehmung ist die illusorische Projektion unserer inneren Eigenschaften.

Es ist notwendig die Menschen zu der Erkenntnis zu bringen, dass sie ihre Anfangszustände ändern, anstatt die Welt zu korrigieren; dass sie sich auf die eigene Korrektur ausrichten. Und dann werden sie endlich glücklich – Jeder für sich und Alle zusammen.

Auszug aus dem Unterricht nach der Zeitung „Hauma“ („Das Volk“), 21.08.2012

Beziehung zu meiner zweiten Hälfte

Frage: Wie soll ich meine „zweite Hälfte“ ansehen, um in unserer Beziehung ein integrales Prinzip zu realisieren?

Meine Antwort: Sie sollen sich gemeinsam über den eigenen Egoismus erheben, bis ein gemeinsamer Annäherungspunkt gefunden wird, worin sie eine gemeinsame Einheit bilden können. Dieser Zustand wird „Adam“ genannt, aus welchem durch die Spaltung, der Mann und die Frau entstanden sind. Und überhaupt ist „der biblische“ Adam eine zentrale Struktur, welche das System „unisex“ beinhaltet: darin gibt es nämlich, weder den Mann noch die Frau. In der Vergangenheit zerbrach dieses System in zwei Teile, um einen vollständigen Satz an Gegensätzen zu enthüllen und zwar in ihrer höchstmöglichen Form.

Dieser maximale Gegensatz zeigt sich heute darin, dass wir miteinander in keiner Beziehung sein können. Das sieht man anhand der verschiedenen Arten des ungewöhnlichen, unnatürlichen Sex, sowie anhand der Unfähigkeit, zusammen zu existieren und anhand der Einfachheit und Bestechlichkeit der Verbindungen etc. Das heißt wir haben einen Zustand erreicht, worin es erforderlich ist damit zu beginnen, die Struktur von Adam aus seinem kompletten Gegenteil heraus wieder aufzubauen.

Das ist ein sehr guter Zustand, ähnlich dem, wenn einem Kind ein vollständig zerlegter Baukasten oder ein Puzzle gegeben wird, damit es alles wieder zusammenbaut. Gerade durch diesen Zusammenbau, verstehen wir uns selbst, die Natur, den Schöpfer und uns wird klarer sein, wer wir sind und wo wir existieren. Im Endeffekt begreifen wir den inneren Teil der Welt, seine versteckte Kraft, der Plan und der Verlauf können für uns selbst die sehr unterschiedlichen Ebenen des Universums, die Ewigkeit, und die Vollkommenheit entdecken. Das alles ist möglich. Davon spricht heute die Wissenschaft.

Auszug aus dem Gespräch über die integrale Erziehung, 07.08.2012

Bleibe stehen, der Augenblick!

Bei der Klärung der familiären Probleme mit dem Ehemann ist für uns wichtig, über diese Probleme klar und offen zu sprechen, um nicht für sich alleine stillschweigend zu leiden. Wir verschließen die Ohren nicht, sondern im Gegenteil, öffnen uns für den Dialog und „entkleiden“ uns vor dem Partner.

Jedoch schreiben wir dabei keine Liste der Mängel auf, da wir uns an das Schlechte überhaupt nicht erinnern wollen. Denn über diese Mängel ist gesagt, dass „Alle Verbrechen die Liebe überdecken wird“. Wir offenbaren sie im Gespräch, wenn jeder über sich und über den Partner spricht.

Folglich entsteht zwischen uns „ein Müllhaufen“, über welchen wir uns jetzt erheben müssen. Wenn wir einander anschauen würden, und dabei auf dieser Stufe stehen bleiben würden, dann würden wir nur den Müll und nicht den Partner sehen. Was können wir hier tun?

Die einzige Chance ist, sich über diesem Schmutz zu erheben. Dabei geben wir einander aber kein Gelübde für das ganze Leben ab. Außerdem sind wir fest davon überzeugt, dass beim folgenden Gespräch dieser Haufen noch größer sein wird. Natürlich wächst er mit jedem Tag, so ist eben das Leben. Und deshalb wird die kritische Klärung mehrmals benötigt.

Gerade deswegen gehen wir zur entgegengesetzten Übung über – zum Aufstieg über „die schmutzige Wäsche“. Ich will den Partner lieben, welcher sich über diesen Haufen erhebt und zwar dann, wenn ich ihn mit einem reinen Blick betrachte; mit einem von der Kritik gereinigtem Blick.

Deshalb „stehen wir auf“, und entfernen uns von diesem Müll. Jetzt betrachte ich meine Frau auf eine andere Art und Weise, ich schaue sie genauso an, wie zu jenem Augenblick, als ich mich entschloss, unser Schicksal zu verbinden. Ich habe den besten Augenblick vor Augen: Als sie für mich Vollkommen war, deshalb will ich diese Erinnerung jetzt anhalten – und mittels dieser Übung schreiten wir voran.

Jedoch steigen wir nicht nur einfach über den Schmutz auf. Wenn wir in solchem Herangehen sicher sein werden, dann können wir beginnen, miteinander darüber zu sprechen, inwiefern sie und ich vollkommen sind. Wir beginnen also, den Müll mit der Schokoladenglasur, mit den süßen Schichten, mit den Rosen, zu überzudecken, usw..

Die ganze Bitterkeit bleibt innen, und die Verbindung außen: Wir machen einander Komplimente, wir sprechen über die bemerkenswerten Qualitäten des Partners, über die einzigartigen Vorzüge seiner Persönlichkeit. Hier kann man über die geheimsten Sachen reden, wobei diese schon in idealer Form vorgestellt werden können. Es wird auf uns beide guten Einfluss haben und unsere gegenseitige Beziehung wird dadurch vollständig erneuert, einschließlich die sexuellen Beziehungen.

Somit führen wir die Arbeit auf dem psychologischen, verständnismäßigen Niveau durch – wir veranstalten „den Wettbewerb der Komplemente“, aber nicht scherzhaft, sondern tief und aufrichtig. Wir besingen in uns alle Eigenschaften, welche wir als das Gegenteil zur vorigen Kritik offenbaren wollen. Es ist nicht die kritische, sondern eher die positive Klärung. Dadurch werden wir in den guten Absichten unserer Beziehung gefestigt.

Und dann beginnt man die folgende Etappe – die praktische Umsetzung. Die Handlungen verstärken die Absichten, als ob diese dadurch beglaubigt werden. Deshalb gehen wir zum nächsten Stadium des Gespräches über: „Was hätte die Frau von mir, und ich – von ihr gewollt?“ Hier öffnet jeder dem anderen all seine Erwartungen: Angefangen mit den grundlegenden, prinzipiellen Sachen und endend mit den persönlichsten, intimsten Verlangen. Dabei bemühen wir uns, gegenüber den Wünschen des Partners, gegenüber seinen Erwartungen sensibler zu werden.

Folglich kommt die Zeit zu handeln, wonach wir ein Ganzes werden.

Und daraus ergibt sich eine Übung, über die wir später reden werden, da wir solche Beziehungen zu jedem Menschen in der Welt schaffen sollen …

Auszug aus dem 34. Gespräch über das neue Leben, 12.07.2012

Werft diese krumme Brille weg

Frage: Könnten Sie ein konkretes Beispiel für die korrigierten familiären Beziehungen vorführen? Bis jetzt war es für mich nicht ganz klar.

Meine Antwort: Zum Beispiel scheint es bei der Frau so zu sein, dass der Mann sie nicht unterstützt und sie sich deshalb einsam fühlt. Aber sie muss sich ihm gegenüber so verhalten, als ob sie seine hundertprozentige Unterstützung empfinden würde. Statt sich dadurch beleidigt zu fühlen, weil ihr Mann sie gar nicht unterstützt, bedankt sie sich dafür, dass seine Unterstützung ihr sehr hilft.

Was wird der Mann darauf antworten? Erstens wird er erstaunt sein, weil er doch auf die Auseinandersetzung, auf den Konflikt mit der Frau vorbereitet war. Er wird denken, dass sie ihn einfach verspottet. Aber diese Situation ist nicht nur verdreht, sondern sie ist das Gegenteil vom entgegengesetzten Gegenteil… Sie sieht deine Mängel, trägt sie auf sich über und spricht mit dir über deine Vorzüge, welche sie dann erkennen würde, wenn ihre Selbstsucht sie nicht daran hindern würde.

Frage: Es ist unverständlich, wie ich etwas sagen kann, wenn ich es doch nicht empfinde?!

Meine Antwort: Verstehen Sie, wir sehen nicht die Welt um uns herum, sondern nur uns selbst! Jeder Mensch besitzt einen „Filter“ vor den Augen, der ihn nur das erkennen lässt, was für ihn gut oder schlecht ist. Anhand dieses Filters kann ich mich entweder entfremden oder mich dem Nützlichen nähern. Auf diese Weise agiere ich eben in dieser Welt.

Ich erkenne die reale Welt nicht, die außerhalb von mir existiert, weil ich ständig die Augen zudrücke. Ich verstehe die Außenwelt nicht und kenne nichts darüber. Sie erscheint vor mir in Form des Bildes, welches mir mein egoistisches Verlangen zeichnet.

Wenn ich jedoch beginne, dieses egoistische Verlangen wie den Feind wahrzunehmen, weil ich die Welt als das Gute erkennen möchte, dann werde ich sofort diese egoistische, krumme Brille abnehmen wollen. Deshalb spreche ich positiv über alles, was mir als schlecht vorkommt. Dabei lüge ich nicht, weil ich mich dir gegenüber wie eine Mutter zu ihrem Kind verhalte und mir alle deine Eigenshaften gefallen.

Wenn ich also die egoistische Brille abnehmen werde, dann werde ich dich anders wahrnehmen, denn um mich herum existiert nur die vollkommene Welt .

Frage: Aber diese krumme, kritische Brille habe ich immer noch an?!

Meine Antwort: Du willst jedoch erkennen, was sich in Wirklichkeit dahinter verbirgt, dich über deinen Verstand erheben. In diesen Linsen ist doch deine natürliche Selbstsucht eingelötet. Und deshalb schaust du durch diese Linsen deine zweite Hälfte an und siehst in ihr nur die Mängel.

Wenn es die gewöhnliche Brille wäre, dann hättest du sie einfach abnehmen und wegwerfen können – aber diese Linsen sind in dir eingepflanzt Und deshalb sollst du alles Schlechte als das Gute erkennen, weil du dich daran erinnerst, dass du immer durch die krumme Brille schaust.

„Alle Verbrechen wird die Liebe überdecken“, was bedeutet, dass anstelle der Verbrechen nur die Liebe bleiben wird. Du magst alles, was in deinem Partner ist. Du bemerkst einfach keine Mängel, weil die Gewohnheit zur zweiten Natur wird. Bemühe dich ununterbrochen, bis deine neue Wahrnehmung zur Gewohnheit wird!

Lasst uns an der Stelle vereinbaren, dass wir uns von diesem Augenblick und weiter zu Hause so benehmen werden, als ob wir beide vollkommen wären und zwischen uns keinerlei Widersprüche entstehen würden. Als ob wir füreinander das Maximum an Gutem tun wollen, um folglich wie ein Körper zu sein. Nicht physisch, im Bett, sondern seelisch, innerlich. Nach einer Menge solcher Übungen werden Sie sehen, wie diese Beziehung sich plötzlich verwirklicht.

Aber natürlich ist hierfür der öffentliche Druck seitens der Umgebung nötig, als ob ihr dieses endlose Seminar niemals verlassen würdet. Ihr befindet euch ständig in der richtigen Absicht. Dann wirst du plötzlich erkennen, wie die Natur innerhalb und außerhalb von dir beginnt, sich zu verändern. Die Welt wird dir anders vorkommen, du selbst und alle Beziehungen werden sich verändern. Wie geschrieben steht: „Ich habe die andere Welt gesehen“.

Es scheint eine Art psychologischer Übung zu sein, aber darin gibt es eine sehr große Tiefe. Wir brauchen eine kollektive Kraft, die uns beeinflussen und helfen wird, solche Trainings zu beginnen. Aber hier gibt es eine sehr wichtige Bedingung: der Lehrer in solcher Gruppe soll aus „Bnei Baruch“ sein.

Auszug aus dem 33. Gespräch über das neue Leben, 12.07.2012

Unterschiede in der Familie überwinden

Integrale Familie – das ist in erster Linie eine Familie, in der beide verstehen, dass sie eine Einheit bilden müssen. Sie müssen sich über ihre natürlichen Unterschiede erheben.

Wir sind untereinander alle völlig unterschiedlich und können uns nicht einmal vorstellen inwiefern. Denn wenn unser Egoismus ausbricht und wir entweder im Affektzustand (Angst oder Reizung) sind oder in einem Zustand des Glücks und der Euphorie, dann kommen in uns solche Neigungen zum Vorschein, von welchen wir nicht einmal ahnen konnten, dass wir sie haben.

Das bedeutet, dass wir trotz unserer Unterschiede zu einer gewissen Art der integralen Zusammenarbeit kommen müssen. Was folgt daraus? Wir brechen den Menschen auf gar keinen Fall und versuchen nicht, ihn zu ändern. Wir treiben ihn zu einer Zusammenarbeit mit Anderen an, wie beim Puzzle, wo die Rundungen und Höhlungen der unterschiedlichen Teile des Bildes eine Verbindung zwischen ihnen erlauben, so dass ein Gesamtbild entsteht. Natürlich werden hier einige Grundlagen der Psychologie gebraucht, die Arbeit mit sich selbst, die Zusammenarbeit mit den Anderen, um gleichzeitig sich selbst und die Anderen zu verstehen. Wenn wir das alles dem Menschen geben, werden sie mit großer Sicherheit anders werden.

Auszug aus dem Gespräch über die integrale Erziehung, 08.07.2012

Um nicht beim zerbrochenen Trog zu landen

Frage: Wenn ich in der Familie zustimmen und einräumen soll, dann genügt es jedes Mal, einfach einen Kompromiss einzugehen?

Meine Antwort: Nein, der Kompromiss nützt nichts. Den Kompromiss erlangt man unter dem Druck der äußeren Kraft: Es bleibt ihnen nichts übrig, sie haben keine Wahl, weshalb sie schon notgedrungen diese Handlung ausführen. Diese falsche Lösung basiert auf der Existenz der egoistischen Zustände, die zwischen den Menschen entstehen.

Sie sollen darüber nach dem Prinzip „zeige mir alle deine Verlangen, und ich werde sie allmählich erfüllen“ hinaufsteigen. „Und wenn du willst, dann kann ich dir von meinen Wünschen erzählen“.

Frage: An der Stelle erinnere ich mich an das Märchen „Über den goldenen Fisch“ – an die Alte, die nur an die Erfüllung der eigenen egoistischen Verlangen gedacht hat.

Meine Antwort: Lasst uns in der Familie etwas anderes vereinbaren. Die Familie ist im Prinzip etwas sehr Nahes, Intimes, Geschlossenes, und nicht die riesige Gesellschaft, in der wir unter dem Druck der Natur die guten Beziehungen mit allen Übrigen schaffen sollen. Lasst uns wenigstens in der Familie diese Einstellung umzusetzen. Wir könnten einach die Gegenseitigkeit vorspielen: Ich fülle deine Verlangen aus, du füllst meine Wünsche aus, wir machen es so, dass jeder mit dem anderen zufrieden ist.

Sie werden erkennen, inwiefern dabei ihre gegenseitigen Forderungen sinken werden: Sie werden plötzlich fühlen, dass sie auf Vieles verzichten können, da es dafür keine Notwendigkeit gibt; sie werden sogar bereit sein, allem zuzustimmen, wobei es ihnen dennoch gut und komfortabel gehen wird.

Auszug aus dem Gespräch über die integrale Erziehung, 08.07.2012