Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Gab es die Durchquerung des Roten Meeres?

Frage: Gab es in der Geschichte wirklich ein solches Wunder, bei dem sich das Rote Meer teilte und das Volk Israel, das vor dem Pharao floh, hindurchließ?

Antwort: Die Tora berichtet nicht von Ereignissen unserer materiellen Welt. Sie spricht nur davon, was zwischen unseren Seelen geschieht. In diesem Sinne haben wir einen Zustand durchlaufen, der als Durchquerung des Roten Meeres bezeichnet wird.

Der Auszug aus Ägypten und die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei – das ist die Befreiung von der Macht des eigenen Egoismus, des „Engels des Todes“. Und auf dem Weg zu dieser Freiheit durchlaufen wir einen bestimmten Übergang, der als Durchquerung des Roten Meeres bezeichnet wird. Er bedeutet das Ende Ägyptens, das Ende unseres Egoismus, nach dem wir ein freies Volk werden können.

In der Natur verbirgt sich eine besondere Kraft der Einheit, die als Schöpfer bezeichnet wird. Und wenn wir uns bemühen, uns zu vereinen, uns gegen unseren Willen einander anzunähern, dann offenbaren wir in diesen Bemühungen eine höhere Kraft, die den Zustand der „Durchquerung des Roten Meeres“ bewirkt. Sie führt uns von der egoistischen Natur hin zur Natur des Gebens und der Liebe.

Aus der Sendung auf dem Rundfunkkanal 103FM

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Den Verstand auf Wahrheit und Lüge einstellen

Wahrheit und Lüge tauschen im Handumdrehen die Plätze. Wir hören eine bestimmte Meinung und halten sie für wahr. Und dann hören wir plötzlich etwas anderes und klammern uns daran, als wäre es wahr, während uns das, was vorher war, bereits als Lüge erscheint. Wahrheit und Lüge wechseln mit enormer Geschwindigkeit, und sogar das Gefühl von süß und bitter verändert sich, wenn auch nicht ganz so schnell.

Es stellt sich also heraus, dass es in der Realität nichts Absolutes gibt. Ich kann nie sagen, dass genau das hier süß ist, denn vielleicht schmeckt es mir morgen wegen meiner schlechten Laune schon bitter. Oder ich stelle plötzlich fest, dass Zucker mir sehr schadet, mich regelrecht umbringt, und ich kann ihn nicht einmal mehr ansehen. Er wird mir nicht süß, sondern bitter vorkommen, so sehr werde ich Angst haben, etwas Schädliches zu essen. Diese Angst wird meinen gesamten Geschmackssinn verändern.

Und wie sollen wir dann eine endgültige Entscheidung darüber treffen, was als süß oder bitter zu betrachten ist und was als Wahrheit oder Lüge? Wahrheit und Lüge klären sich im Verstand, während sich süß und bitter im Herzen, im Verlangen, entscheiden. Deshalb muss man am Herzen arbeiten, damit es nach Geben und nicht nach Empfangen strebt.

Das ist bereits eine Art Maßstab, ein Bewertungssystem, anhand dessen man sich selbst einschätzen kann. Derzeit bedeutet „Wahrheit“ für uns, so viel wie möglich für uns selbst zu gewinnen, zu verdienen. Und dort wo wir verlieren – das nennen wir Lüge. So betrachtet der gewöhnliche Mensch das Leben mit einem „korrupten“ Blick. Der Egoismus verschleiert ihm die Augen und lässt ihn nicht erkennen, wo die wirkliche Wahrheit liegt und wo die Lüge. Was ihm nützt, nennt er Wahrheit, und was ihm nicht nützt, nennt er Lüge.

Wir müssen jedoch ein objektives Maß nehmen, das außerhalb von uns liegt – nämlich das Maß des Gebens, an dem wir unsere Wahrheit und Lüge messen können, wenn wir unseren Verstand richtig ausrichten. Diese Möglichkeit bietet uns unsere Umgebung. Deshalb kam es zum Zerbrechen des Verlangens, das jeden von allen anderen getrennt und in seinem Egoismus gefangen zurückließ. Wenn ich mich hingegen gemäß den kabbalistischen Prinzipien mit der Gemeinschaft verbinde, wird dies für mich die Wahrheit sein.

Je mehr ich von mir selbst loslassen und mich mit meinen Mitmenschen verbinden kann, dann werde ich in ihnen diesen Maßstab, die Wahrheit, erkennen. Mich selbst hingegen werde ich im Hinblick auf diese Wahrheit in der Lüge erkennen. Das ist das Hauptziel unserer Arbeit in der Gruppe: uns richtig auf die Wahrheit einzustellen, uns in Bezug auf sie zu annullieren– so, dass Wahrheit und das Geben für uns zu einem einzigen Begriff werden. Das Geben ist meine Verbindung mit der Gruppe: Je mehr ich mich ihr hingebe, desto mehr nähere ich mich der Wahrheit, das heißt dem Geben.

Das ist das Allererste, was wir mit uns selbst tun müssen. Und dann werden wir sicher sein, dass wir aus Sicht des Verstandes den richtigen Kurs und die richtige Richtung einschlagen.

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Aus dem Unterricht nach einem Artikel aus dem Buch „Shamati“