Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Weisheiten'

In den Himmel kommt man durch die Hölle

Kommentar: Ein Samurai kam zu einem weisen Mann und fragte ihn, ob es wirklich eine Hölle und einen Himmel gibt.

“Wer bist du?“, fragte der Weise.

-”Ein Samurai“, antwortete der Krieger.

“Du lügst“, sprach der Weise, „du hast das Gesicht eines Bettlers.

Der Samurai zog sein Schwert.

“So öffnen sich die Tore der Hölle”, war die Antwort des Weisen.

Der Samurai verstand und verbeugte sich, um sein Schwert zu verstecken.

“Und so öffnen sich die Tore des Himmels“, sprach der Weise.

Frage: Meine Frage ist: Ist es möglich, das Schwert nicht zu ziehen wegen einer Beleidigung? Das heißt, nicht vor dem Himmel durch die Hölle zu gehen?

Antwort: Das ist sehr schwierig. Ich glaube, es ist fast unmöglich.

Kommentar: Der ganze Weg zum Himmel ist also durch die Hölle gepflastert, durch die man geht. Das ist eine ernste Sache.

Antwort: Nun, was soll man denn machen? So sind wir nun mal geschaffen. Das ist unser Egoismus.

Frage: Im Grunde verzeiht man niemandem, man reagiert sofort?

Antwort: Ja. Der erste Gedanke ist, das Schwert zu ergreifen!

Es gibt keine Möglichkeit, uns umzudrehen, damit wir uns vom Guten leiten lassen. Denn „Ich habe das Böse geschaffen“. Das sind die Worte des Schöpfers. „Und ich schuf die Tora, um es zu korrigieren.“ Aber am Anfang steht das Böse.

Frage: Warum wurde das Böse am Anfang erschaffen?

Antwort: Damit der Mensch seine Natur von Grund auf verwirklichen kann. Vom Bösen zum Guten. Vollständig, beide Erscheinungsformen und dann zum Guten hin tendieren. Dann wird er in der Tat vom Guten über das Böse geleitet. Aber es kann das eine nicht ohne das andere geben.

Frage: Also kommen wir auf die eine oder andere Weise durch die Hölle in den Himmel?

Antwort: Natürlich.

Frage: Was ist denn die Weisheit des Menschen? Wir sagen: „Der Mensch ist ein weiser Mensch“.

Antwort: Im Voraus zu erkennen, dass man die Dinge anders machen muss, ohne bei jedem Schritt durch die Hölle zu gehen. Aber dazu braucht man viele Versuche und Erfahrungen.

Frage: Die Erfahrung der ständigen Hölle führt also dazu, dass man weiser wird?

Antwort: Natürlich. Wie dieser japanische Weise.

Kommentar: Sie sagen oft, dass ein Mensch demütig sein soll. Sie haben sogar die Worte „Unterwerfung“, “ Annullierung“, „Aufhebung des Selbst“ verwendet.

Antwort: Das sind alles sehr schwierige Zustände, durch die man durch die Hölle gehen muss. Ich glaube nicht, dass ein Mensch ohne viel Erfahrung sich vorher überwinden kann. Das ist unmöglich.

Frage: Sie sprechen jetzt davon, sich über den Egoismus zu erheben. Was bedeutet “sich über den Egoismus erheben”?

Antwort: Das bedeutet, den Egoismus in all seinen möglichen Erscheinungsformen im Leben, sogar in der Natur, zu spüren und sich ständig über ihn zu erheben. Den Kopf zu senken, das heißt, den Egoismus zu vermindern, verringern, herabsetzen, unterdrücken.

Kommentar: Und wenn Sie ständig die Übung machen, Ihren Egoismus zu unterdrücken, sich selbst aufzuheben, wird das wirklich helfen?

Antwort: Ich glaube nicht, dass diese Übung allgemein möglich ist. Das wäre Philosophie. Sie ist nur möglich, wenn man sie allmählich, schrittweise, in einer geeigneten Gesellschaft trainiert. Es muss also ein Umfeld geben, in dem jeder es tun will. Man kann es nicht tun, aber man will es tun.

Frage: Haben Sie das Gefühl, dass Sie es nicht tun können?

Antwort: Ja, natürlich. Es muss ein Bewusstsein für das Böse geben. Und dann können alle zusammen, voreinander, gemeinsam, indem sie sich gegenseitig unterstützen, aus dieser stinkenden Grube herausklettern.

Frage: Sagen Sie mir bitte, wer trägt die Verantwortung dafür, dass wir da rauskommen? Liegt es allein an uns?

Antwort: An uns! Zu bitten, zu betteln, zu flehen, zu denken, zu reden, sich gegenseitig ein Beispiel zu geben und entsprechend zu handeln. Und jeder, der mehr Egoismus hat, steigt dann natürlich auch höher. Alles in allem ist das die Arbeit.

Frage: Wenn man diese Arbeit in der Gemeinschaft tut, aus dem Egoismus herauszukommen, hilft sie dann auch anderen?

Antwort: Sie helfen anderen nicht nur durch ihr Beispiel. Es spielt nicht einmal eine Rolle, ob sie es sehen oder nicht. Denn es ist die Naturgewalt, die zum Gesamtgleichgewicht der Natur beiträgt. Dabei überwiegt zuerst der Egoismus und dann entsprechend der Altruismus.

Frage: Sie sagen also, wenn diese Gruppe es schafft, sich selbst zu erheben, wird sie nach ihr auch alle anderen erheben?

Antwort: Ja, genau. Wir müssen handeln.

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Aus der Fernsehsendung „Nachrichten mit Michael Laitman, 29.05.2023

König Salomons Weisheit: Greife dem Hund nicht an die Ohren

Derjenige, der sich beim Vorbeigehen in den Streit eines anderen einmischt, greift dem Hund an die Ohren“.  (König Salomon)

Frage: Heißt das, dass man sein Schicksal herausfordert?

Antwort: Natürlich! Wenn du dich in den Streit anderer einmischst, verursachst du bei ihnen Ärger, wie auf der Stufe eines Hundes.

Wir wissen, dass man sich lieber nicht einmischen sollte. Es ist besser, keine Weisheiten oder Ratschläge zu geben und nicht zu zeigen, was mit den anderen los ist, sonst wird man für sie zum Feind.

Frage: Angenommen es gibt einen Streit, was sollte man tun?

Antwort: Wenn es sich um eine fremde Person handelt, dann sollte man nichts tun. Man sollte sie lassen und weggehen. Das ist möglicherweise die Angelegenheit für die Polizei o.ä., sie müssen die Situation lösen. Ein  Fremder hat kein Recht, sich einzumischen.

Frage: Weil er nicht weiß, wer schuldig oder wer unschuldig ist?

Antwort: Er hat kein Recht sich einzumischen, da sonst die Parteien keine Lösung finden werden.

Frage: König Salomon sagte, dass der Streit in einem selbst liegt. Welche Art von Streit gibt es in einem Mensch?

Antwort: Der Streit ist konstant, denn ein Mensch besteht aus zwei Wünschen: Egoistische und altruistische Wünsche. Ein wahrer Mensch ist derjenige, in dem es ständig einen inneren Kampf zwischen Gut und Böse gibt.

Das Böse in uns steigt ständig auf. Es will alles für sich selbst. Der Mensch, der sich selbst erzieht, entwickelt ständig das Gute in sich und befindet sich immer in diesem inneren Kampf.

Alle diese Gleichnisse beruhen auf der Offenbarung des Bösen in einem Menschen, aber nur in dem Maß, wie er versucht, das Gute in sich zu offenbaren.

Frage: Ist das Böse in mir, ist der Egoismus die ganze Zeit vorhanden – ist das meine Natur?

Antwort: Ja, du bittest den Schöpfer, dir die gute Natur zu geben – damit du diese beiden Naturen ausbalancieren kannst! Du kannst sagen: „Ich bitte den Schöpfer, die böse Natur aus mir herauszunehmen“. Nein! Das ist unvernünftig.

Ich bitte Ihn, mir die Kraft zu verleihen, dass beide Naturen in mir im Gleichgewicht sind. Keine von beiden sollte über die andere dominieren. Die Mittellinie ist ein wunderbarer Zustand! Ich bewahre die ganze Zeit dieses Gleichgewicht. Ich stehe über ihnen. Nur so kann ich das Minus und das Plus und die ganze Natur unter mir vollständig spüren.

Frage: Ist ein Mensch, der seine Natur und die Natur des Schöpfers mit einbezieht, ein harmonischer Mensch?

Antwort: Selbstverständlich! Dann wird er „Adam“ genannt – „dem Schöpfer ähnlich “, denn dann wird sein inneres Wesen, das dem Schöpfer entgegengesetzt ist, dem Schöpfer auch ähnlich.

Aus dem TV-Programm „Nachrichten mit Michael Laitman“, 16.12.2019.

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Die gekränkte Ehre

Frage: Manchmal kommt es im Leben vor, dass mich jemand beleidigt und ich mich sehr gekränkt und demütigt fühle. Wie ist die genaue Reihenfolge der Analyse einer solchen Situation?

Meine Antwort: In unserem jetzigen Zustand können wir keinen richtigen Bezug zu der Realität herstellen. Wir haben uns auf halbem Wege zwischen Himmel und Erde verirrt. Ich habe den Schöpfer noch nicht enthüllt, befinde mich aber nicht mehr in der vollkommenen Verhüllung. Alle möglichen Weisheiten – Zitate, Sprüche, Wissensfetzen – nehme ich als Enthüllung wahr, doch dem ist nicht so. Alles ist in mir durcheinander geraten.

Darum schreibt Baal HaSulam in der Einführung zu TES, dass der Mensch in diesen Jahren seine Entwicklung maximal vorantreiben muss. Denn es geht um die Zeit eines großen Durcheinanders, wenn ich die Wahrheit nicht begreifen kann, aber mit der Lüge nicht mehr einverstanden bin. Mich schleudert es einfach von einer Seite zur anderen.

Einerseits gibt es niemanden außer dem Schöpfer. Ich stehe vor Ihm. Wie soll ich die Realität wahrnehmen, wenn um mich herum nur Er ist? Und wo bin ich selbst? Wenn Er mich angeschrien hat, soll ich Ihn daraufhin ebenfalls anschreien? Aber das ist doch der Schöpfer. Also muss ich mich ständig zurückhalten? Vollkommene Ergebenheit demonstrieren, sogar unter Androhung des Todes? Auch solche Ansichten sind verbreitet.

In Wirklichkeit können wir in solchen Fällen nicht viel empfehlen. Denn der Mensch wird jede Sekunde Veränderungen unterzogen.

Aus diesem Grund schreiben uns die Kabbalisten einen bestimmten Handlungsablauf vor, der durch die Verhüllung bedingt ist. Warum geben sie uns diese Ratschläge? Weil wir dem Einfluss zweier Kräfte unterliegen. Der Schöpfer hat nicht den einfachsten Zustand erschaffen, in dem ich vor Ihm stehe und Ihn enthülle, ohne mich von irgendetwas ablenken zu lassen. Wer bin „ich“? Mein Ich sind die Kräfte der Absonderung und der Trennung vom Schöpfer. Dabei stellen sich diese Kräfte mir als ich selbst und als etwas außerhalb von mir dar, aber nicht als Schöpfer. Und der Schöpfer ist für mich ein Ideal, unsichtbar und ungreifbar.

Die trennenden Kräfte verhüllen Ihn vor mir, und ich muss sie zu einem Ganzen vereinen. Diese Kräfte trennen, entfernen mich vom Schöpfer, verdecken Ihn vor mir. Sie werden in zwei Welten unterteilt: die innere und die äußere. Im Grunde genommen gehören sie zur gleichen Natur der Trennung, des egoistischen Verlangens, doch mir kommen sie geteilt und gegensätzlich vor.

Ich muss sie also miteinander verbinden und gerade in diesen Kräften die Trennung erkennen. Während ich die Handlung, den Gedanken, das Verlangen und alles um mich herum betrachte, vereine ich das Innere und das Äußere – nur um die Einheit zu erreichen. Und in diesem Fall, wenn ich dazu in der Lage bin, mache ich keine Fehler.

Hier müssen wir nur ein einziges Prinzip anwenden: „Der Mensch urteilt entsprechend dem, was er sieht“. Ich versuche nicht, den Alleinigen, der vor mir verborgen ist, zu erreichen. Doch sobald ich alle Kräfte – meine und die der Anderen – zu einem Ganzen vereint habe, enthülle ich im Inneren den alleinigen Schöpfer.

Auszug aus dem Unterricht über einen Artikel von Rabash, 10.02.2011