Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'verantwortlich'

Wofür wir bürgen

Die Umsetzung der Bedingung „Glaube über dem Wissen“ muss in jedem von uns mithilfe einer Methode namens „gegenseitige Bürgschaft“ erfolgen.

Wir können uns nicht selbst erheben und korrigieren, aber wenn wir in einer Gruppe sind, kann jeder für den anderen bürgen.

Wir versprechen, dass wir unsere Freunde inspirieren, mit gutem Beispiel vorangehen und uns gegenseitig unterstützen werden, sodass jeder versteht, wie sehr er für andere verantwortlich ist, und sich dadurch auch selbst hilft.

Unsere Aufgabe ist zwar, uns selbst zu korrigieren, aber eigentlich führt das dazu, dass wir die ganze Welt korrigieren, und es gibt keinen Unterschied zwischen mir und der Welt, ich muss mich um alle kümmern.

Deshalb ist die gegenseitige Bürgschaft das Gesetz der Verbindung zwischen allen einzelnen Seelen zu einer einzigen Seele „Adam”.

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Aus Lektion Nr. 6 des Internationalen Kongresses „Wir erheben uns über uns selbst“

 

Der äußere und der innere Teil der Welt

Frage: Was ist das Innere und das Äußere in den Welten?

Antwort: Das Innere sind die Wünsche und das Äußere ist ihre Erfüllung. Es kann aber auch anders sein.

Frage: Wie kommt es dazu, dass die Völker der Welt als der äußere Teil der Welten bezeichnet werden und Israel als der innere?

Antwort: Der innere Teil ist immer wichtiger und der äußere Teil ist seine Folge. Daher wird Israel, das dafür verantwortlich ist, die Welt mit dem höchsten Licht zu erfüllen, der innere Teil genannt, und die Völker der Welt, die dieses Licht empfangen, werden der äußere Teil genannt.

Frage: Was bedeutet es, dass wir für die Erfüllung der Welt verantwortlich sind?

Antwort: Je nachdem, wie wir uns verhalten, welchen Wunsch wir zum Schöpfer erheben und ihn bitten, ihn zu erfüllen, erfüllt der Schöpfer dieses Verlangen.

Frage: Hat die Tatsache, dass ich einen Wunsch zum Schöpfer erhebe Auswirkungen auf die Welt und füllt sie?

Antwort: Natürlich und das sollte auch jeder Mensch auf der Welt tun. Es ist nur so, dass ihre Wünsche sehr klein sind.

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Aus dem Unterricht nach dem Artikel von Baal HaSulam „Eine Dienerin, die zur Erbin ihrer Herrin wird“, 05.11.2023.

Für die Verbindung zwischen uns bürgen

Frage: Die Menschen werden nicht in der Lage sein, die höhere Kraft zu offenbaren, wenn ich nicht für sie bürge. Was bedeutet es, dass ich für sie bürge?

Antwort: Sie nehmen als der Ältere, als der Erfahrenere, alle Zustände, alle Möglichkeiten auf sich, um sie zur Verbindung mit sich selbst und mit der ganzen Welt zu bringen.

Wir sind wechselseitig miteinander verbunden. Diese gegenseitige Bürgschaft ergibt sich aus dem integralen System, in dem wir uns befinden. Das heißt, der gesamte Zustand des Universums, der Welten, ist ein einziges, integrales System.

Jeder von uns handelt von dem Punkt aus, an dem er sich in diesem Netzwerk befindet- wie eine Spinne, die ein Netz spinnt. Jeder von uns ist eine kleine Spinne, von der das reibungslose Funktionieren des gesamten Netzwerks abhängt. Ich bin von meinem Standpunkt aus verantwortlich, du von deinem Standpunkt aus, er von seinem Standpunkt aus und so weiter. Wenn wir alle richtig zusammenarbeiten, erreicht das Netzwerk seinen maximalen, perfekten Zustand.

Frage: Kann man das mit unserem Körper vergleichen, in dem die verschiedenen Organe sozusagen füreinander bürgen?

Antwort: Ja. Das ist genau das gleiche Prinzip.

Frage: Im Körper funktioniert es unbewusst, einprogrammiert. Müssen wir das bewusst machen?

Antwort: Wir müssen dieses fehlerhafte System bewusst in den richtigen Zustand bringen, in welchem wir alle gegenseitig füreinander bürgen, uns gegenseitig ergänzen.

Frage: Was ist der Grund dafür, dass niemand diese wichtigen Informationen kennt? Warum ist das so programmiert?

Antwort: Wenn wir in diese Welt geboren werden, wissen wir nichts über sie. Wir haben Eltern, Erzieher und Lehrer, die uns unterrichten. Wir leben, existieren, entwickeln uns irgendwie und erst ab dem Alter von 15-20 Jahren, fangen wir an, kreativ zu sein, vielleicht setzen wir uns praktisch mit der Welt auseinander.

So ist es auch hier: wenn man im privaten, spirituellen Leben zur Kabbala kommt und sie zu studieren beginnt, ist es wie in der gesamten Menschheit, die eine Jahrtausend lange Entwicklung durchmacht.

Erst in unserer Zeit, ab dem 20. Jahrhundert, erreichen wir einen Zustand, in dem wir dieses System, die Gesetze, nach denen es existiert, bereits aufdecken können und zu verstehen beginnen, wie wir handeln können, um dieses System in ein vollständiges Gleichgewicht zu bringen. Davor waren wir aber wie Kinder – wir haben uns unbewusst entwickelt.

Frage: Könnte man also sagen, dass das Gesetz der Bürgschaft das Gesetz der Existenz eines lebenden Organismus ist?

Antwort: Ja.

Aus der Fernsehsendung, „spirituelle Zustände“, 17.12.2018

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Das zeichnet Empathie aus

In dieser Minute sind etwa 10.000 Menschen damit beschäftigt, die Welt vor einer weiteren Naturkatastrophe zu retten. Gleichzeitig berichtet Amnesty International, dass in den 28 Jahren zwischen 1989 und 2017 fast 2,5 Millionen Menschen in bewaffneten Konflikten ums Leben gekommen sind. 

Wenn wir uns auf persönliches Leid konzentrieren, wie z.B. ein Kind, das aus den Trümmern eines durch eine Bombe oder ein Erdbeben zerstörten Gebäudes gerettet wird, erschaudern unsere Herzen vor Mitgefühl. Tatsächlich muss es nicht unbedingt ein Mensch sein, der leidet. Es gibt viele herzzerreißende Videos in sozialen Medien, die Tiere zeigen, die verzweifelt versuchen, eine Straße zu überqueren oder sich gemeinsam gegen Raubtiere zu verteidigen, auch da haben wir tiefes Mitgefühl mit ihnen. Aber wenn Millionen durch Krieg, Hunger oder Krankheit sterben, wenn Zehnmillionen durch Sklaverei, Tyrannei und zahllose andere Formen der Ausbeutung missbraucht werden, sind wir meist gefühllos und apathisch.

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Die Abhängigkeit ist nicht erwünscht

Wir alle sind füreinander verantwortlich. Auch wenn wir diese gegenseitige Abhängigkeit nicht wollen, stellen wir fest, dass wir uns ihr nicht mehr entziehen können. Wenn ich nicht auf dich achte, infiziere ich dich mit Covid-19 und wenn ich dir nicht wichtig bin, infizierst du mich.

Doch wie kann ich mich vor anderen schützen? Wenn ich selbst oft verantwortungslos handle, wie kann ich also vertrauen, dass die anderen es sind? Habe ich überhaupt das Recht es von ihnen zu erwarten?

Auch wenn das Virus uns dazu brachte, diese gegenseitige Abhängigkeit anzuerkennen, wollen wir weiterhin ein sorgenfreies Leben führen ohne Rechenschaft für unsere Handlungen ablegen zu müssen. Wir wollen es einfach nicht. Doch die Natur hat einen anderen Plan. Jetzt müssen wir unser eigenes Selbstbild, unsere Gesellschaft und die Welt neu überdenken.

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Wenn nicht wir selbst, wer sonst ist für uns?

Mein Lehrer pflegte zu sagen „Wenn jemand neben einem schweren Rucksack steht und darum bittet, dass man ihm beim Hochheben auf die Schultern helfen möge, wird niemand ihm behilflich sein. Wenn er jedoch versucht, den Rucksack auf seine Schultern zu heben, und dieser dabei fast hinunterfällt, weil er ihn alleine nicht tragen kann, dann werden alle um ihn herum zur Hilfe eilen. Die Moral der Geschichte ist simpel: Bevor man um Hilfe bittet, sollte man sich bemühen, sich selbst zu helfen. Braucht man dann noch Hilfe, kommt diese mit Sicherheit.

Heute wird es mehr denn je deutlich, dass wir uns nur selbst helfen können. Wenn wir darauf warten, dass die Regierung unsere Arbeit für uns erledigt, können wir ewig warten. Durch gegenseitige Verantwortung jedoch gibt es keinerlei Grenzen dafür, was wir erreichen können.

Es gibt viele Lehren, die wir aus der Covid-19-Pandemie ziehen können, die wichtigste Erkenntnis ist meines Erachtens jedoch die Tatsache, dass wir ein einziges System sind und dass das Wohlergehen dieses Systems von der Qualität der Verbindungen zwischen seinen Teilen abhängt. Das Virus, mit dem man sich leicht anstecken kann, hat uns gelehrt, dass eine Infektion irgendwo gleichzeitig eine Infektion überall bedeutet. Es hat uns, gegen unseren Willen, für die Gesundheit aller verantwortlich gemacht, und uns dabei auf eine Wahrheit hingewiesen, die wir bereits kannten: Wir sind völlig voneinander abhängig.  

Die Einsicht, dass wir füreinander verantwortlich sind, kam jedoch nicht nur zwecks der Erkenntnis, dass wir uns gegenseitig nicht mit Krankheiten anstecken dürfen. Sie zeigt uns auch, dass, wenn wir auf diesem Planeten ein gutes Leben führen wollen, wir unsere Herzen miteinander verbinden müssen, da wir andernfalls nicht die Motivation dafür haben werden, das Erforderliche zu tun, um uns gegenseitig physisch zu helfen.

Anders gesagt, ist die Gesundheitskrise, die wir mit der Pandemie erleben, in erster Linie eine soziale Krise, ein Symptom des gesellschaftlichen Zerfalls. Würden wir nicht unter sozialer Ausgrenzung leiden, würde die Mehrheit der Krisen, die wir derzeit erleben, niemals auftreten. Ist die Welle von Waffengewalt in New York City und Chicago nicht ein Symptom sozialer Ausgrenzung? Die Abhängigkeitskrise von verschreibungspflichtigen und sogar rezeptfreien Medikamenten, die jedes Jahr Zehntausende von Amerikanern getötet hat, ist dies nicht auf die soziale Ausgrenzung zurückzuführen? Was ist mit häuslicher Gewalt, Polizeibrutalität, Rassismus, Fanatismus, sexuellem Missbrauch, verbalem und physischem Missbrauch, Depressionen, Fettleibigkeit, der Ausstiegskultur, sind das nicht alles Folgen des gesellschaftlichen Zerfalls?

Das eigentliche Heilmittel liegt heute eindeutig darin, füreinander zu sorgen oder zumindest füreinander verantwortlich zu sein. Es wird jedoch niemand soziale Verantwortung für uns aufbauen, wenn wir dies nicht selbst tun – Gemeinschaft um Gemeinschaft, Stadt um Stadt, Bundesland um Bundesland und flächendeckend im ganzen Land.

Covid-19 ist eine Herausforderung. Und sich der Herausforderung zu stellen, bedeutet, dass die Herausforderung uns auf eine höhere Stufe als bisher heben sollte. Warum wäre die Herausforderung sonst überhaupt gekommen? Im Fall des Coronavirus ist sie offensichtlich gekommen, um uns vom Tiefpunkt der Isolation auf den Höhepunkt der Verbindung zu bringen. Dies ist unser  gegenwärtiger Weg ins Glück.

Bild von mohamed Hassan auf Pixabay