Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Spirituelle Entwicklung kann man von Babys lernen

Frage: Wie kann ich die inneren Eigenschaften finden, welche der Sohar beschreibt, wenn ich nichts von alledem verstehe und mich nicht damit verbinden kann?

Antwort: Wir sind wie Babys, die nicht verstehen, in was für einer Welt sie leben, doch unter der liebenden Obhut ihrer Mutter und ihren Angehörigen sind, die ihnen alles für Wachstum geben, was sie benötigen. Ein Baby muss nur wachsen wollen und die Natur hilft ihm, indem sie ihm dieses Verlangen gibt.

In unserer Welt, das heißt auf der tierischen Stufe, existiert dieses Verlangen von Natur aus in einem Baby. Sogar auf der unbelebten und pflanzlichen Stufe, welche die physische Entwicklung eines Menschen in dieser Welt einschließt, gibt es ein natürliches Verlangen zu wachsen. Doch wenn wir auf der menschlichen Stufe wachsen wollen – in der Spiritualität, muss das Verlangen von uns kommen.

Die Entwicklung findet auf natürliche Weise auf der unbelebten, pflanzlichen und tierischen Stufe der Natur statt. Bis jetzt haben wir – die Menschen dieser Welt – uns auf allen diesen Stufen entwickelt und unser Verlangen hat sich ebenfalls auf allen diesen Stufen die gesamte Geschichte hindurch entwickelt. Jetzt jedoch müssen wir zur „sprechenden“ oder „menschlichen“ Stufe aufsteigen. Die menschliche Stufe bedeutet, dass wir uns entwickeln und das Ziel alleine erreichen müssen. Auf unsere körperlichen Verlangen (nach Nahrung, Sex und Familie) und unsere sozialen Verlangen (nach Wohlstand, Ruhm, Macht und Wissen) gegründet, müssen wir unser eigenes Streben nach Spiritualität entwickeln. Wir fangen mit dem Punkt im Herzen an, doch dann müssen wir ihn beständig zur Entwicklung antreiben, indem wir unsere Umgebung zur Hilfe nehmen.

Um dies zu tun, brauchen wir die Gruppe, weil nur sie uns das Verlangen geben kann, den Punkt in unserem Herzen zu entwickeln. Mit diesem Verlangen ausgerüstet beginnen wir, zusammen mit der Gruppe das Buch Sohar zu lesen. Während des Lesens müssen wir ein Verlangen nach Entwicklung haben, wobei „Entwicklung“ bedeutet, unseren künftigen Zustand oder Empfindung in dem Buch Sohar zu erkennen. Das ist das Einzige, worauf wir jetzt achten müssen.

Außer diesem brauchen alle nur zu warten. Deshalb verlange nur danach, zu wachsen, wie ein Baby, das auf natürliche Weise erwachsen werden will. Schau, ob du es beruhigen kannst, es dazu bringen kannst, nicht zu wachsen oder es dazu bringen kannst, nicht wachsen zu wollen und es zu fordern. Du wirst sehen, dass es unmöglich ist, es zu stoppen, denn die Natur treibt es mit einer unüberwindbaren Macht an, sich zu entwickeln. Deshalb müssen wir unermüdlich in der Spiritualität arbeiten. Immer müssen wir in unserm Innern suchen und wir dürfen niemals ruhen und aufhören, uns zu verändern. Dann werden wir ganz bestimmt wachsen. Dies ist die einzige Bedingung, die von uns gefordert wird.

Das System existiert, doch wir müssen es mit unserem Verlangen, mit unserem inneren Streben, in Bewegung setzen. Wenn dieser innere Druck nicht von uns kommt, wird dieses System nicht auf uns einwirken. Das heißt, es wird durch Leiden auf uns einwirken, um uns zu erwecken, doch wir werden auf diese Weise durch das Mittel des Leidens, das uns von Oben gesandt wird, nicht einen Zentimeter vorankommen. Nur durch das Mittel unseres eigenen Verlangens, das von unten kommt, von uns selbst, können wir vorwärts kommen.

Wir werden wiederholt Probleme und Schwierigkeiten bekommen, jedoch am selben Platz steckenbleiben, weil diese Probleme für uns nicht ausreichen, damit wir uns mit der richtigen Gruppe verbinden und ein Verlangen nach Vereinigung erwerben wollen. Trotz der Schwierigkeiten werden wir am selben Platz stehen bleiben. Doch an und für sich selbst sind die Schwierigkeiten kein Zeichen für Entwicklung. Sie sind im Gegenteil ein Zeichen dafür, dass wir nicht einen einzigen Schritt vorwärts gemacht haben.

Kabbala Akademie

Wie man die Empfindung, einzigartig zu sein, für das Wohl der ganzen Welt nutzt

Um den Zweck der Schöpfung zu erreichen, benötigen wir eine besondere Kraft – eine externe, außerhalb von uns existierende. Ohne ihre Hilfe werden alle unsere Anstrengungen, zur Höheren Welt zu gelangen (mit anderen Worten, Handlungen der Liebe und des Gebens zu vollziehen), vergeblich sein. Das ist so, weil unsere ganze Natur aus dem Willen zu empfangen besteht. Demzufolge geschieht jede Handlung, die wir vollziehen, um uns selbst zu erfüllen. Selbst wenn wir die Bedürfnisse der anderen als wichtig erachten, tun wir es aus Furcht oder weil die Person, der wir geben, uns so nahe steht, dass wir sie als einen Teil von uns empfinden.

Der Antrieb aller unserer Handlungen ist Selbstliebe. Folglich können wir nicht wirklich für andere sorgen und ihnen geben. Wir haben das Verlangen, uns selbst auf Kosten anderer zu erfüllen, was man „Egoismus“ nennt. Durch dieses Verlangen unterscheidet sich die menschliche Ebene von der tierischen.

Wenn man unkorrigiert ist, ist man schlimmer als ein Tier, jedoch wenn man Korrektur erlangt, wird man dem Schöpfer gleich. Jede Person in der Welt fühlt sich einzigartig und außergewöhnlich, jedoch wenn dieses Empfinden mit dem Egoismus gekoppelt ist, wird es zur schlimmsten, destruktivsten Kraft der Natur.

Aber auch das hat einen Zweck. Wir müssen die äußerste Niedrigkeit dieses Zustands entdecken, um die verdorbene Art des Gefühls, einzigartig, exklusiv und außergewöhnlich zu sein, aussondern zu können. Dann werden wir in der Lage sein, wirklich zum Schöpfer zu flehen, die Art zu ändern, wie wir diese Empfindung nutzen. Dies wird sich dann in Gutherzigkeit und Liebe zu allen umwandeln, wo jedermanns Liebe für jeden einzigartig und besonders sein wird.

Kabbala Grundkurs

Die Natur herrscht über alles mit Ausgewogenheit

Frage: Sie sprechen von der Korrektur der Menschheit. Aber was geschieht mit der Korrektur auf den pflanzlichen und tierischen Stufen der Natur? Wie können sie zur Einheit mit dem Schöpfer gebracht werden?

Antwort: Der Egoismus der Menschen ist die alleinige Ursache des ganzen Übels. Die richtige Wechselwirkung des Menschen mit der Natur bedeutet, nur soviel zu nehmen, wie gemäß seiner Gewohnheit für seine Existenz notwendig ist – aber nicht mehr. Alles was darüber liegt, was für eine normale Existenz gebraucht wird, gehört allen.

Dieser Grundsatz ist der Verbindung unter den Teilen eines lebenden Organismus ähnlich: Das Herz, die Lungen, die Leber, die Nieren, und alle anderen Teile des Körpers erhalten Energie für ihre Lebenserhaltung. Und keiner beansprucht mehr, als für die Existenz und Aufrechterhaltung der Funktion des Organismus zum Wohle des Ganzen notwendig ist.

Auf diese Weise sollten wir uns in der Gesellschaft – unserem Organismus – verhalten. Wenn eine Person mehr verbraucht als notwendig, ist das für ihn sowie für jeden anderen schädlich. Mehr zu verbrauchen als erforderlich, wird als Ego bezeichnet.

Wir müssen von der leblosen, pflanzlichen und tierischen Stufe der Natur lernen, wie wir auf der Stufe des „Menschen“ in Harmonie mit der Natur sein können.

Eine Person braucht eine Familie, ein Haus, Arbeit, Einkommen, Urlaub, Altersvorsorge, und Versicherungen. Jedoch mehr zu beanspruchen als notwendig, zerstört die Welt, da es die Natur aus der Balance bringt. Jedenfalls wird die Natur uns zwingen, in Gleichgewicht mit ihr zu kommen.

Kabbala Akademie

Einfach über Liebe

Eine Frage: Was ist die wahre Liebe und gibt es sie überhaupt?

Die Antwort: Wir sind so kompliziert Geschaffen, dass wir den Mann, die Frau, die Eltern, die Kinder, uns umgebende Menschen, die Menschheit, den Schöpfer nicht lieben können, wenn sich nicht alles vereint!

Wir entwickeln uns so, dass unsere Natur uns nicht erlaubt nur einen bestimmten Menschen zu lieben. Es scheint dem Menschen, dass er seine Kinder, seine Frau, irgendwelche Freunde liebt, aber das stimmt nicht. Es wird ihm bewusst, dass seine Liebe nicht vollkommen ist, sie zerbricht, obwohl er lieben möchte! Warum nur?!

Hier eröffnet uns die Kabbala das Geheimnis, sie sagt, dass es nur absolute gemeinsame Liebe geben kann! Wenn du nicht alle Menschen liebst, dann wirst du keine Liebe zu jemandem empfinden können.

Es bedeutet alles existierende zu lieben: den Schöpfer, die Menschheit, die Welt, Bekannte und Fremde,wie ein Ganzes, nur so kann die Liebe erlangt werden. Anders geht es nicht, es tut mir leid, aber es ist so.

Darüber hinaus denken wir, dass Liebe etwas höheres, auf den Wolken existierendes ist. In Wirklichkeit ist die Liebe tierisch, sehr einfach, die körperliche Vereinigung. Wenn wir aber über die „tierische Liebe“ hinaus wachsen wollen, müssen wir ihr ein Futter geben, das „gegenseitig nachgeben“ heißt.

Ich gebe dir nach, und damit füttere ich unsere Liebe, bis sie dicker wird. Dann gibst du mir nach, und so wächst unsere Liebe. Denn solange wir Egoisten sind, ist es unsere einzige Handlung, die uns in dem Wachstum unserer Liebe helfen kann.

Wir sollen lernen nachzugeben! Es gibt immer zwei Prinzipien der Liebe: erstens – die Liebe lernen nachzugeben, zweitens – es gibt nur eine gemeinsame Liebe, dann kann man auch jemand Bestimmten lieben…

Aus dem Gespräch mit Arkadi Duchin 22.12.10

Vorbereitungen für die Arbeit von David

Frage : Wie zeigt sich die Geschichte von David und Bat – Sheva in der Gruppenarbeit.

Antwort : Eine berechtigte Frage. Wir arbeiten ja nicht an einem privaten Wunsch des Menschen, sondern an dem Wunsch,der in uns allen besteht. Gerade wurde er zerbrochen und nun müssen wir ihn korrigieren.

Jeder befindet sich im gemeinsamen Wunsch der Genüsse, in privater Selbstsucht, die überhaupt nicht berechnet wird.

In mir existieren Wünsche des tierischen, des pflanzlichen und des leblosen Niveaus, die der direkten Korrektur nicht nachgeben.
Sie werden, je nach dem Grad meiner Arbeit, auf der menschlichen Stufe korrigiert.

Wir müssen unsere Beziehungen korrigieren, die roten Fäden innerhalb unserer Verbindung. Unser gemeinsame Wunsch bringt jedoch auch die Darstellung des Bösen mit sich – unsere Absicht zu empfangen.

Alles andere lass in Ruhe – beschäftige dich nur mit dem Menschen in dir, mit Adam, der dem Schöpfer ähnlich (dome) sein soll.
Und alle übrigen Wünsche werden ihm automatisch folgen.

Aus diesem Grund liegt unsere ganze Arbeit in der Gruppe.
Malchut, Bat – Sheva sind ein gemeinsames, zerbrochenes Kli, das wir korrigieren und vereinen sollen.

Es kommt das Licht von AB – SAG und nimmt uns einen Teil des Lichtes weg – so geht Urija weg – d.h. das Licht Jud – Kej,
und es bleibt nur Waw – Kej, mit welchem man arbeiten kann.

Dann nimmt David den Teil des Seir Anpin, der für die Korrektur von Malchut vorbestimmt ist, und arbeitet damit.

Er stellt den Massach mit der Absicht zu geben dar, und korrigiert Bat – Sheva. Dadurch kommt er zum richtigen Sivug,
zur Einheit mit ihr, um dem Schöpfer Genuss zu bereiten.

Aus dem Unterricht nach dem Buch Sohar, Vorwort, 18.11.2010

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Der Schöpfer enthüllt sich jedem

Eine Frage, die ich erhielt: Gibt es einen Unterschied zwischen dem Studium des Buches Sohar auf dem Kongress, zusammen mit sehr vielen Menschen und dem Sohar-Studium in unserer Gruppe während der Morgenunterrichte? Was ist wichtiger – Quantität oder Qualität?

Meine Antwort: Die Quantität wertet die Qualität nicht ab. Innerhalb einer großen Anzahl von Menschen gibt es immer welche, die in der Lage sind, sich mehr oder auch weniger zu verbinden, es gibt aber auch welche, die sich überhaupt nicht verbinden können oder es vergessen.

Auf jeden Fall hat die Quantität ebenfalls ihren Vorteil, wie geschrieben steht: „Ich wohne unter Meinem Volk“. Was bedeutet „unter dem Volk“? Die Rede ist hier nicht von einer besonderen Gruppe von Menschen, die auffallen, zielstrebig sind, sich mit der inneren Arbeit beschäftigen können und gut vorbereitet sind.

Der Schöpfer wohnt unter einem ganzen Volk, und nicht innerhalb jener kleinen Gruppe von besonderen Persönlichkeiten, die Er selbst vorangetrieben und zu einer Pyramidenspitze vereint hat. Und doch sagt Er, dass Er sich gerade unter einer großen Menschenmenge befindet.

Die Höhere Lenkung kümmert sich am meisten um die unbelebte Stufe (innerhalb der Menschheit), weniger um die pflanzliche, noch weniger um die tierische und menschliche.

Je schwächer ein Geschöpf, je geringer sein freier Wille, je weniger es in der Lage ist, selbständig für die Korrektur der Schöpfung zu arbeiten, ausgehend vom Schöpfungsgedanken und dem Gesamtsystem, desto mehr kleidet sich die Höhere Lenkung in dieses Geschöpf – und das ist ein Anzeichen für die Enthüllung des Schöpfers (Elokut).

Das heißt, die Rede ist nicht von der Enthüllung des Schöpfers in so hohen Seelen wie Rashbi und allen anderen großen Kabbalisten. Die Enthüllung des Schöpfers wird an der Gemeinschaft und nicht an einzelnen Individuen gemessen.

Aus diesem Grund dürfen wir die große Anzahl nicht nur nicht verachten, sondern müssen sie sogar achten. Die Masse ist durch ihre Anzahl stark und nicht durch einzelne Individuen, die über persönliche Erkenntnis verfügen und persönliche spirituelle Arbeit leisten.

Das Wichtigste ist gerade die gemeinsame Arbeit, denn dadurch lassen wir das Licht sich enthüllen und erlangen die Enthüllung des Schöpfers.

Und persönliche, besondere Arbeit von einzelnen Menschen, unserer Gruppe oder einiger Gruppen ist nur dazu nötig, um uns in diese ganze riesige Masse (in einige Millionen, Milliarden Menschen) einzuordnen und über uns den Lebensgeist an sie weiterzugeben.

Darum ist die Richtung, die Absicht und das Ziel gerade die Gesellschaft, das Volk. Genau aus diesem Grund ist die Verbreitung der Wissenschaft der Kabbala in den Massen notwendig.

Aus dem Sohar-Unterricht vom 21.10.2010

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Wie man des „Schutzes von oben“ würdig wird

Die gesamte Natur wird in unbelebte, pflanzliche, tierische und menschliche Stufe unterteilt.

In der Menschheit gibt es die gleichen Stufen, die gleiche Unterteilung, in jedem von uns – vier Entwicklungsstufen unseres Verlangens zu genießen.

Durch diese Stufen werden wir von Neid, Begierde und Ehrgeiz geführt: von dem Verlangen nach Reichtum zum Verlangen nach Macht, von Macht zu Wissen – und von Stufe zu Stufe weiterentwickelt.

Und je weiter der Mensch aufsteigt, je mehr Möglichkeiten er von seiten der Natur bekommt, desto größer sind seine Chancen, einen Fehler zu machen und von der Wahrheit abzukommen.

Denn je weiter er sich entwickelt, desto mehr Eigenschaften schließt er in sich ein und desto beeinflussbarer wird er.

Das einfache Volk interessiert sich nur für sein Wohlergehen, die Reichen für Geld, die nach Macht gierenden Helden hängen bereits von der öffentlichen Meinung ab und die nach Wissen strebenden Weisen sind voller Zweifel und befinden sich ständig auf der Suche und in innerer Unzufriedenheit.

Je weiter ein Mensch entwickelt ist, desto größer ist die Chance, dass er sich von einer fremden Idee verleiten lässt, anstatt den geraden und kürzesten Weg zum Ziel, zur Verschmelzung mit dem Schöpfer, zu gehen.

Baal haSulam schreibt im „Vorwort zu Panim Meirot“, dass das ungeteilte Verlangen von entwickelten Menschen zerbricht – sie streben nach Geld, Macht, Ruhm und vergessen das Hauptziel – und damit endet der „Mensch“.

Hier können nur das Glück und der „Schutz von oben“ helfen. Wir sehen, dass auch Menschen, die ein wahres Verlangen besaßen, allmählich erloschen sind und sich unter den Rechnungen unserer Welt durchgebogen haben.

Aus diesem Grund solltest du eine strenge Abrechnung mit dir selbst durchführen: ist für dich wirklich nur das Ziel wichtig, als ob es außer diesem Ziel nichts anderes mehr gibt?

Der Schöpfer unterstützt den Menschen auf diesem Wege nur, wenn in ihm diese ständige innere Angst und Ehrfurcht existieren, von dem Weg abzukommen – durch diese Angst zieht er die Hilfe von oben an.

Denn dann begreift er, dass seine Seele vollkommen in den Händen des Schöpfers liegt…

Aus dem Unterricht nach dem Artikel „Vorwort zu Panim Meirot“ vom 29.07.2010

Jemand, der aufsteigt, verbindet alle Welten in seinem Innern

Eine Frage, die ich erhielt: Warum schrieb Rabbi Shimon das Buch Sohar allegorisch und verbarg dabei die Tatsache, dass es nur über die Verbindung zwischen dem Licht und dem Verlangen spricht?

Meine Antwort: Hat er wirklich etwas verborgen? Denken Sie daran, wie das Buch „Baum des Lebens“ von ARI beginnt: „Wisse, dass, bevor die Welten entstanden und die Geschöpfe geschaffen wurden, ein Höheres Einfaches Licht die gesamte Wirklichkeit ausfüllte“. Und dann erschien ein Punkt des Verlangens und entwickelte sich weiter, bis die Welten und alles, was sie bewohnt, aus diesem Punkt entstanden.

Es gibt dort nichts anderes als den Willen, Licht zu empfangen, und das Licht. Alles andere ist eine Entwicklung der Verbindung zwischen ihnen, wo das Licht unveränderlich bleibt und das Verlangen sich in der Angleichung zum Licht verändert. Diese Verbindung ist der Gegenstand, welcher in der Wissenschaft der Kabbala und insbesondere im Buch Sohar beschrieben wird.

Wenn ein Mensch sich auf einer spirituellen Stufe befindet, dann sieht er die Verbindungen zwischen unserem Bild der Welt und seiner spirituellen Stufe. Er sieht, wie Kräfte und Eigenschaften von der Höheren Stufe auf die niedere hinabsteigen, die wir alle wahrnehmen. Alle Namen der Eigenschaften und Kräfte auf allen 125 Stufen oberhalb unserer Welt bleiben gleich, wie die Bezeichnungen in unserer Welt, jedoch wenn er jeden Namen liest, erkennt er dessen Wurzel anstelle der materiellen Objekte.

Wenn jemand einen Schirm erlangt und in die spirituelle Welt eintritt, indem er den Machsom überquert, beginnt er die Quelle von allem, was in dieser Welt geschieht, zu enthüllen. Man erkennt das Bild dieser Welt und wie es im eigenen Innern von einer höheren Ebene aus projiziert wird, ebenso wie es sich in Ebenen unterteilt: unbelebt, pflanzlich, tierisch und menschlich.

Diese Sichtweise ermöglicht es ihm, automatisch alle Kräfte und Eigenschaften der Höheren Welt zu benennen, indem er die Bezeichnungen der materiellen Objekte verwendet, da sie die Materialisation der Höheren Kräfte sind, die in diese Welt herabkommen.

Wenn man alle Verbindungen zwischen dieser Welt und seiner spirituellen Stufe findet, steigt man zur nächsten, höheren Ebene auf. Unterdessen verbleibt diese Welt unverändert und behält die gleiche Form bei. Auf der neuen Stufe fährt man fort, die Verbindungen zwischen den Wurzeln (Eigenschaften auf der spirituellen Stufe) und ihren Projektionen in dieser Welt zu suchen. Die Suche kommt herab, um die eigenen Eigenschaften zu korrigieren und in dem Maße, in dem man sie korrigiert, sieht man ein klareres Bild der Höheren Stufe. Sobald man alle Kräfte, Eigenschaften und Verbindungen wahrnimmt, vollendet man diese spirituelle Stufe und steigt zur nächsten auf.

Obwohl dieser Prozess monoton klingen mag, ist er tatsächlich spannend, wie eine außergewöhnliche Entdeckung. Das Bild dieser Welt bleibt gleich, bis man die vollständige Korrektur (Gmar Tikun) erreicht hat, wo man zu einem Zustand aufsteigt, in dem sich alles zu Einem vereinigt. Alle Kräfte, Lichter und Verlangen vereinigen sich in ein einziges Ganzes und man ist vollkommen mit dem Schöpfer vereint.

Wenn ein Mensch die Verbindung zwischen dieser Welt und der letzten, höchsten Stufe erkennt, verbindet er zwei gegensätzliche Achsen: Sich selbst unten und den Schöpfer oben. Auf diese Weise erreicht er den Zustand der Anheftung an den Schöpfer und die totale Gleichheit mit Ihm. Anders gesagt, man erreicht die Welt der Unendlichkeit.

All die Verlangen – die unkorrigierten Verlangen unserer Welt oder die am meisten korrigierten, ebenso wie all die Bilder und Abbildungen, werden sich in eine vereinte Wirklichkeit verwandeln, genannt „Der Schöpfer und Sein Name sind Eins“. Dort wird nur ein einziges Verlangen sein: HaWaYaH.

„Lasset die Erde Gras hervorbringen“

Der Sohar, Abschnitt „Bo„, Punkt 66: Und Gott sprach: „Lasst die Erde Gras hervorbringen“. Die Erde ist Malchut (im Hebräischen ist das Wort für Erde „Eretz„, welches vom Wort „Ratzon„, Verlangen, abstammt.) Und die „Kräuter hervorbringenden Samen“ sind das Licht, das aus der Saat des verborgenen Lichts heranwächst.

Wie kann etwas aus einem Verlangen wachsen? Wachstum ist nur möglich, wenn die Kraft des Gebens darin gegenwärtig ist. Wenn ein unbelebtes Verlangen die Absicht zu geben empfängt und nach dem Licht strebt, dann transformiert es sich zu einem pflanzlichen Verlangen.

Anfangs gab es nur ein unbelebtes Verlangen. Aber wenn du den Teil des unbelebten Verlangens nimmst, welcher wie das Licht werden kann, kann es sich zu einer Pflanze entwickeln. In anderen Worten, die Pflanze ist das gleiche unbelebte Verlangen mit einem zusätzlichen Licht, welches darin wirkt und es entwickelt.

Im Zuge der Transformation einer Pflanze zu einem Tier ist ein zusätzlicher Teil des Lichtes notwendig, um dieses Verlangen zu beeinflussen und zu einer höheren Stufe zu verändern. Das Gleiche geschieht bei der „menschlichen“ Stufe.

Alles erwächst aus einem einfachen Verlangen („Staub der Erde“) aufgrund des Einflusses des Lichts darauf. Das Licht, welches das Verlangen zu empfangen beeinflusst, „Yesh Mi Ain“ (Existenz aus Abwesenheit), erzeugte die Stufen des Verlangens von Oben nach unten. Diese Stufen sind: unbelebt, pflanzlich, tierisch und menschlich.

Das Gleiche gilt für den Aufstieg von unten nach Oben. Das Licht wirkt und bildet eine Pflanze aus dem unbelebten Verlangen durch das Einbringen seiner eigenen Eigenschaft darin. Dann nimmt es die Pflanze, gibt ihm noch mehr von der Eigenschaft des Lichtes – der Eigenschaft zu geben, und erschafft dadurch ein Tier. Dann nimmt es das Tier, fügt wieder etwas mehr der Eigenschaft des Gebens dazu und macht daraus ein menschliches Wesen. Aber alles stammt von der unbelebten Stufe ab.

Wie in Bereshit (Genesis/1.Buch Mose) berichtet wird, nahm der Schöpfer etwas Erde und Wasser, um daraus den Menschen zu machen, was bedeutet, dass Er die unbelebte Materie mit Seiner Kraft des Gebens beeinflusste. Dann nahm Er etwas vom unbelebten Verlangen und transformierte es zu einer Pflanze, und dann nahm er etwas von der Pflanze, fügte wieder Sein Verlangen zu geben hinzu und erschuf daraus ein Tier.

In jedem Fall entwickelt nur der Einfluss des Lichtes das Verlangen und erschafft daraus die unbelebte, pflanzliche, tierische und menschliche Stufe. Dies ist der primäre Schöpfungsakt (Bereshit).

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Kontrolliert dich dein Tier oder deine Seele?

Man beginnt mit seiner Entwicklung auf der „tierischen“ Stufe, wo ein Mensch sich mit seinen Verlangen nach den Dingen dieser Welt identifiziert. Diese Entwicklungsstufe des Egoismus wird „tierisch“ genannt, denn unsere ganze Aufmerksamkeit und Kraft ist auf die Sorge für unseren Körper gerichtet – und der Körper ist ein Tier!

Auf dieser Stufe ist klar, was ein Mensch tut. Jeder fördert seine Bemühungen, für sich selbst zu sorgen, für seine Familie und Angehörigen, um das angenehmste Leben zu haben, das möglich ist.

Doch wie können wir unsere Körper überzeugen – die Verlangen dieser Welt – beiseite zu treten und uns auch für unsere spirituelle Entwicklung sorgen zu lassen, nach dem Geben, anstatt nach dem Empfangen, zu streben? Das kann nur geschehen, wenn der „Punkt im Herzen“ eines Menschen erwacht. Sobald er erscheint, muss sich ein Mensch mit diesem Punkt identifizieren. Dann wird er von diesem Blickwinkel aus auf seine physischen oder tierischen Verlangen schauen und diese Verlangen als tierische Verlangen behandeln.

Du musst prüfen, wer dein Verhalten lenkt und bestimmt: Ist es dein tierischer Körper, der dich herunterzieht oder deine Seele, die aufwärts strebt? Wirst du von der Größe des Schöpfers (Keter) und der Erkenntnis deiner eigenen Bedeutungslosigkeit (Malchut) angetrieben oder von deinem Stolz und deinem Verlangen nach Macht und Ruhm? Du musst dich selbst vom Blickwinkel deines Körpers und vom Blockwinkel deiner Seele aus betrachten und beobachten, wer die Entscheidungen trifft: dein Egoismus oder deine Seele.

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