Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'süß'

Den Verstand auf Wahrheit und Lüge einstellen

Wahrheit und Lüge tauschen im Handumdrehen die Plätze. Wir hören eine bestimmte Meinung und halten sie für wahr. Und dann hören wir plötzlich etwas anderes und klammern uns daran, als wäre es wahr, während uns das, was vorher war, bereits als Lüge erscheint. Wahrheit und Lüge wechseln mit enormer Geschwindigkeit, und sogar das Gefühl von süß und bitter verändert sich, wenn auch nicht ganz so schnell.

Es stellt sich also heraus, dass es in der Realität nichts Absolutes gibt. Ich kann nie sagen, dass genau das hier süß ist, denn vielleicht schmeckt es mir morgen wegen meiner schlechten Laune schon bitter. Oder ich stelle plötzlich fest, dass Zucker mir sehr schadet, mich regelrecht umbringt, und ich kann ihn nicht einmal mehr ansehen. Er wird mir nicht süß, sondern bitter vorkommen, so sehr werde ich Angst haben, etwas Schädliches zu essen. Diese Angst wird meinen gesamten Geschmackssinn verändern.

Und wie sollen wir dann eine endgültige Entscheidung darüber treffen, was als süß oder bitter zu betrachten ist und was als Wahrheit oder Lüge? Wahrheit und Lüge klären sich im Verstand, während sich süß und bitter im Herzen, im Verlangen, entscheiden. Deshalb muss man am Herzen arbeiten, damit es nach Geben und nicht nach Empfangen strebt.

Das ist bereits eine Art Maßstab, ein Bewertungssystem, anhand dessen man sich selbst einschätzen kann. Derzeit bedeutet „Wahrheit“ für uns, so viel wie möglich für uns selbst zu gewinnen, zu verdienen. Und dort wo wir verlieren – das nennen wir Lüge. So betrachtet der gewöhnliche Mensch das Leben mit einem „korrupten“ Blick. Der Egoismus verschleiert ihm die Augen und lässt ihn nicht erkennen, wo die wirkliche Wahrheit liegt und wo die Lüge. Was ihm nützt, nennt er Wahrheit, und was ihm nicht nützt, nennt er Lüge.

Wir müssen jedoch ein objektives Maß nehmen, das außerhalb von uns liegt – nämlich das Maß des Gebens, an dem wir unsere Wahrheit und Lüge messen können, wenn wir unseren Verstand richtig ausrichten. Diese Möglichkeit bietet uns unsere Umgebung. Deshalb kam es zum Zerbrechen des Verlangens, das jeden von allen anderen getrennt und in seinem Egoismus gefangen zurückließ. Wenn ich mich hingegen gemäß den kabbalistischen Prinzipien mit der Gemeinschaft verbinde, wird dies für mich die Wahrheit sein.

Je mehr ich von mir selbst loslassen und mich mit meinen Mitmenschen verbinden kann, dann werde ich in ihnen diesen Maßstab, die Wahrheit, erkennen. Mich selbst hingegen werde ich im Hinblick auf diese Wahrheit in der Lüge erkennen. Das ist das Hauptziel unserer Arbeit in der Gruppe: uns richtig auf die Wahrheit einzustellen, uns in Bezug auf sie zu annullieren– so, dass Wahrheit und das Geben für uns zu einem einzigen Begriff werden. Das Geben ist meine Verbindung mit der Gruppe: Je mehr ich mich ihr hingebe, desto mehr nähere ich mich der Wahrheit, das heißt dem Geben.

Das ist das Allererste, was wir mit uns selbst tun müssen. Und dann werden wir sicher sein, dass wir aus Sicht des Verstandes den richtigen Kurs und die richtige Richtung einschlagen.

[113469]

Aus dem Unterricht nach einem Artikel aus dem Buch „Shamati“

 

In der Absicht leben

Der Schöpfer schickt uns Unglück und Probleme, alle möglichen unangenehmen Dinge – und wir müssen in ihnen eine gute Absicht und Vaterliebe erkennen. Denn der Schöpfer ist gut und tut sowohl Guten als auch Schlechten Gutes.

Mit anderen Worten: Er teilt uns nicht in Gute und Schlechte auf, denn so hat er uns erschaffen, jeder von uns nimmt aber die Haltung des Schöpfers, d.h. sein eigenes Leben, auf seine Art und Weise wahr.

Mit jeder beliebigen Erscheinung in unserem Leben müssen wir unsererseits eine Haltung Ihm gegenüber aufbauen: „Alles kommt vom Guten, der Gutes tut“, vom „Es gibt niemanden außer Ihm“. Hier muss der Mensch sich über die Empfindung „süß-bitter“ zur Bewertung „Wahrheit-Lüge“ erheben.

Die Wahrheit besteht darin, dass alles, „Süße und Bittere“, von einer Kraft und nur zu meinem Wohl, der Wahrheit wegen, ausgeht. Und süße und bittere Empfindungen werden hinterher gegeben, damit ich mich über der Bitterkeit zur Wahrheit ausrichte.

So lernen wir nach der Höheren Kraft zu streben, sie zu verstehen, sie in den eigenen Eigenschaften ausfindig zu machen: wie verhält sie sich uns gegenüber, was bringt sie uns, wonach verlangt sie.

Sie verlangt nach dem Glauben über dem Verstand, nach der Ergebenheit, nach dem Geben über all dem Empfangen, über allen Empfindungen. Letztendlich verlangt sie von uns, uns über die Empfindung „süß-bitter“ zur Absicht „Wahrheit-Lüge“ zu erheben.

Dadurch erkennen wir ihr Ziel und beginnen, es zu verstehen: sie will, dass wir uns allem gegenüber, was es in der Realität gibt, nur entsprechend der Absicht und nicht der Empfindung verhalten.

Dann enthüllt sich uns ein neues Sinnesorgan – das reflektierte Licht, Chassadim, der Glaube über dem Wissen. Genau in diesem Sinnesorgan beginnen wir, den Schöpfer zu erkennen, der uns alle Gefühle und Situationen schickt, über die wir uns erheben müssen, indem wir die Haltung Ihm gegenüber über jeglichen Empfindungen aufbauen.

Uns wird klar, dass die gesamte Arbeit über dem Egoismus, über den Empfindungen, die der Schöpfer in unserem egoistischen Verlangen erschafft, stattfindet.

All das ist nur dazu da, damit wir immer mehr die Absicht zum Geben – die „Wahrheit“ – entwickeln. In ihr werden wir leben und in ihr werden wir genießen, indem wir alles aus uns heraus auf das Geben an den Nächsten und den Schöpfer ausrichten.

Aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash vom 14.10.2010

Es ist schwer, ein Mensch zu sein

Ein Mensch muss zwischen Wahrheit und Lüge wählen. Zwischen süß und bitter gibt es nichts zu wählen – es ist klar, dass ich immer Gutes, Süßes, und nicht Böses, Bitteres, für mich aussuchen werde. Ich bin nicht in der Lage, einen schlechten Zustand einem guten vorzuziehen.

Doch wenn ich gegenüber süß/bitter – Wahrheit/Lüge stehe, werde ich wahrscheinlich die bittere Wahrheit, eine schlechte Empfindung, wählen, weil die Wahrheit für mich wichtiger ist.

Das sind zwei unterschiedliche Ebenen: die Stufe „Tier“ – die Analyse „süß/bitter“ – und die Stufe „Mensch“ – die Analyse „Wahrheit/Lüge“-, auf der im „Glauben über dem Verstand“ gearbeitet wird.

Wenn du bis zur einzigen Berechnung „Wahrheit“ aufgestiegen bist, in der alle anderen Kräfte und Möglichkeiten enthalten sind, bedeutet das, dass du die Verschmelzung mit dem Schöpfer erreicht hast.

Doch wenn du nur „süß/bitter“ bewertest, ist es eine tierische Analyse (Wahl). Und das „Tier“ irrt sich auf seiner Stufe niemals, es wählt immer das, was gut für das Tier ist! Doch auf der Stufe „Mensch“ gibt es kein Vorankommen.
Die Natur erlaubt es aber nicht, nur auf der Stufe „Tier“ zu bleiben, sie zwingt einen, sich zu entwickeln.

Auf der unbelebten, pflanzlichen und tierischen Stufe der Natur läuft die Verhaltensanalyse nur auf die Analyse „süß/bitter“ hinaus, mit Vorzug für das Süße.

Während es für den Menschen einen Unterschied zwischen zwei Stufen gibt: der Stufe „Tier“ in ihm, mit der Analyse „süß/bitter“, und der Stufe „Mensch“ in ihm, mit der Analyse „Wahrheit/Lüge“.

Aus diesem Grund befindet sich der Mensch in einem ständigen Hin und Her zwischen dem Tier und dem Menschen in sich, auf der Suche nach „was soll ich wählen“ und sucht nach Kompromissen – denn er will das Süße, sieht jedoch, dass die Wahrheit von Vorteil ist.

Aus dem Unterricht nach dem Artikel „Vorwort zu Panim Meirot“ vom 17.08.2010