Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Stelle'

Unser Schatz ist die Einheit

Frage: In den Programmen des Bildungsministeriums gibt es eine Menge Gerede über die Werte, welche wir Kindern einimpfen (beibringen) sollten. Wie definieren wir unsererseits diese Werte?

Meine Antwort: Die Werte müssen so beschaffen sein, dass wir auf ihrer Grundlage die Menschen zu einer Einheit bringen können. Die Werte sind die Basis, mit der ein Mensch geboren wurde, das Prinzip der Nächstenliebe.

Zu seiner Zeit versammelte Abraham die Babylonier, die bereit waren, zur Umsetzung dieses Prinzips in die Wüste zu ziehen, sich vom Glanz Babylons loszulösen und sich auf den Weg in das unbekannte Land Kanaan zu machen. Sie waren bereit, es zu tun, um nun ihre Liebe zueinander, das gegenseitige Geben und die Einheit zu verwirklichen. Sie entschieden, ein Volk zu begründen, welches nach diesen Gesetzen leben würde.

Dies sind die so genannten Werte des jüdischen Volkes. Heute sind wir in der gleichen Situation: es wäre besser, wenn wir einfach nicht existiert hätten. Der Druck von Außen und der Hass erlauben uns nicht, den anderen Menschen näher zu kommen. Das ist ein absichtlicher Zustand. Baal HaSulam und Rabash schreiben, dass der Hass um den Menschen herum sein Schutz ist. Dank ihm kann der Mensch sich mit niemandem vereinigen, und ist daher mit seiner eigenen Korrektur beschäftigt, ohne dem fremde Gedanken, Wünsche und Einflüsse beizumischen.

Es ist für uns notwendig, im Volk eine Einheit zu bilden, wobei wir alle anderen Werte, mit denen wir aufgewachsen sind – seien es sozialistische oder kapitalistische Illusionen – hinter uns lassen müssen . Unser Ziel heute ist die gegenseitige Verbindung, die Bürgschaft.

Heute verlangen die Menschen die soziale Gerechtigkeit und die Umverteilung des staatlichen Budgets. Ich bin nicht dagegen, jedoch ist es nicht wichtig, wie viel des Staatsetats verteilt wird. Baal HaSulam schreibt in der Zeitung „Das Volk“: „Wir müssen für uns eine besondere Erziehung durch eine breit angelegte Aufklärungsarbeit organisieren, jedem von uns ein Gefühl der Liebe zum Volk vermitteln, vom Individuum zum Individuum, vom Einzelnen zur Gesellschaft, um für uns wieder die Menschenliebe zu offenbaren, die einst in unserer Umgebung verwurzelt war, als wir in unserem Land lebten, als eines der Völker der Welt. Diese Arbeit ist eine Vorarbeit und die Basis, welche die Höhe und den Erfolg aller weiteren Aktivitäten vorherbestimmt, die wir an dieser Stelle vollziehen wollen “

Im Grunde genommen wird die Verteilung der Mittel nicht helfen. Selbst wenn man Milliarden verteilen würde, würde man sehen, dass die Situation nur noch schlimmer würde. Jegliche Nachträge und Subventionen schaden allen, wenn sie nicht von einer neuen, altruistischen Erziehung begleitet werden.

Auszug aus dem Unterricht nach der Zeitung „Das Volk“, 31.08.2011

Batterie für meine Puppe

Frage: Warum werde ich plötzlich wollen, in ein neues System einzugehen?

Meine Antwort: Du hast keine Wahl. Wir sind nämlich die Sklaven unserer Natur.

Entweder bekomme ich den Wunsch, in das System einzugehen, welches mich subtil beeinflussen wird und in mir die Fragen: „Wofür lebe ich? Worin besteht der Sinn meines Lebens?“ aufkommen lässt. Oder ich frage: „Wofür brauche ich ein solches Leben mit so vielen Leiden?“ Oder vielleicht sterbe ich infolge des Neids, dass beim Nachbarn das Gras grüner ist.

Egal um welche Leiden es sich handelt, sie bringen den Menschen vorwärts. So sind wir erschaffen worden. Wenn in uns keine Wünsche erwachen würden, welche die Erfüllung fordern, dann würden wir uns nicht weiter entwickeln können. Die Freiheit der Wahl besteht aber nicht in der Auswahl der Wünsche, sondern darin, wie wir sie anwenden. Wenn wir uns unter dem Einfluss zwei Kräfte befinden, der Kraft zu empfangen und der Kraft zu geben, dann können wir sie auf unterschiedliche Weise benutzen. Aber das Verlangen an sich, kann ich nicht wählen.

Ohne Verlangen wären wir nur leblose Roboter und würden uns nicht von der Stelle rühren. Ohne Wunsch wäre ich also wie eine tote Puppe ohne einer Batterie.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel aus dem Buch „Shamati“, 04.10.2011

Die echte Arbeit

Frage: Warum wird uns das Netz unserer zerrissenen Wechselbeziehung nicht offenbart? Warum wird uns der Grund des ganzen Übels nicht gezeigt, damit wir begreifen, an welcher Stelle man sich bemühen muss?

Meine Antwort: Weil wir uns dann wegen der Auswegslosigkeit korrigieren würden. Unsere Bemühungen wären dann einfach die gewöhnliche egoistische Arbeit. Als ob man das Geld für die Ernährung verdienen würde. Im Spirituellen wird diese Arbeit nicht angenommen, weil ich mich einfach aus der Angst vom Hunger bemüht hätte.

In Wirklichkeit soll ich mich uneigennützig für das Ziel bemühen wollen. Dabei kann ich nicht das geringste Bedürfnis für dieses Ziel verspüren. Meine Natur verpflichtet mich dazu ganz und gar nicht, deshalb kann ich in mir den ganzen freien unabhängigen Wunsch entwickeln. Das Geben bedeutet für mich nichts, ich brauche es nicht, da ich unabhängig bin, wie der Gott, Der über alles herrscht.

Und dann offenbare ich die Abhängigkeit von den anderen und will ihnen etwas geben, ich will ihnen dienen, will mich als der Unbedeutendste, als der Niedrigste unter ihnen aufhalten.

Anderenfalls wird die Arbeit nicht von mir, sondern vom Schöpfer gemacht. In meiner spirituellen Arbeit gibt es einen Punkt, den Punkt der Freiheit. Diesen Punkt muss man ständig vergrößern. Denn dieser Punkt ist uns in dieser Welt nicht bekannt. An diesem Punkt kann ich unabhängig sein und nichts machen. Die ganze Welt liegt mir zu Füßen ohne jegliche Bemühung meinerseits. Hier entsteht die Möglichkeit für die echte spirituelle Arbeit.

Um diesen Punkt zu erreichen, bekomme ich die Schläge und Probleme, aus denen ich lernen kann. Aber später, wenn ich die spirituelle Welt wirklich kennenlernen werde, wird meine Arbeit in das Gegenteil umgewandelt. „Nimm alles!“ – wird mir gesagt. Und ich werde auf dieses Geschenk verzichten.

Auszug aus dem Unterricht nach der Zeitung „Die Nation“, 20.09.2011

Wer von uns befindet sich also in einem Abstieg?

Frage: Wie kann ich einen Freund rechtfertigen, der sich in einem Abstieg befindet und die richtige Absicht verloren hat?

Meine Antwort: Die Frage sollte anders gestellt werden: Wie kann ich mich selbst rechtfertigen, wenn ich glaube, dass mein Freund die Absicht verloren hat?

Man sollte sich auf zweierlei Art demgegenüber verhalten. In den äußeren, praktischen Handlungen muss ich ihm helfen. Und in meinem Inneren muss ich ihn rechtfertigen und glauben, dass ich an seiner Stelle noch tiefer gefallen wäre.

Und noch tiefer in meinem Inneren sage ich mir, dass ich ihn absteigen sehe, nur weil der Schöpfer mich ihn so sehen lässt. Und das alles geschieht nur, damit ich mich über diesen Gedanken erheben und glauben kann, dass er sich bereits in der Endkorrektur befindet und ich derjenige bin, der unkorrigiert ist, wenn ich ihn absteigen sehe. Wie geschrieben steht: „Jeder urteilt aus den eigenen Mängeln heraus“.

Das Wichtigste ist, zu verstehen, dass wir uns in einer Art Kristallgitter, in einem Kraftfeld des Schöpfers befinden, der unsere ganzen Zustände steuert. Und deshalb solltest du den Freund als einen Vertreter des Schöpfers betrachten, der eine Seiner Einstellungen dir gegenüber zeigt. Genauso muss du die ganze Gruppe und sogar die ganze Welt und dich selbst sehen.

Du hast einen Platz bekommen, den du permanent in Ordnung halten und den du zum korrigierten Endzustand bringen sollst. Du musst deine Sichtweise so korrigieren, dass du die gesamte Welt am Ende der Korrektur (Gmar Tikun) sehen kannst – dadurch wirst du auch deine eigene Endkorrektur erreichen.

Denn in der Spiritualität finden keine Veränderungen statt, du befindest dich auch jetzt in einem absolut vollkommenen Zustand. Warum siehst du denn dessen direktes Gegenteil – diese verdorbene Welt und alle in einem unkorrigierten Zustand?

Doch wenn du die Korrekturmethode in der Welt verbreitest und dich danach sehnst, die Korrektur zusammen mit allen anderen, soweit es nur möglich ist, zu erreichen, wirst du dadurch dich selbst korrigieren und diese Teile, die dir als äußerlich erscheinen, in die inneren verwandeln können.

Wenn du beten wirst, wirst du über dich selbst urteilen und dich verändern wollen. Und letztendlich kommst du zu einem Zustand, in dem sich alles zu einem Ganzen vereint, und in diesen vereinten Teilen wird sich das Höhere Licht enthüllen. Und dann wird das Äußere dem Inneren gleich sein.

Auszug aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash, 17.07.2011

Die Absicht – ist der vollendete Handlungsplan

Frage: Was bedeutet die „Absicht“?

Meine Antwort: Angenommen, der Wunsch befindet sich in einem Zustand, strebt aber einen anderen Zustand an. Hierfür muss er die Handlung hervorrufen, die ihn aus dem Anfangszustand in den neuen Zustand hineinführen wird.

Der ganze Plan dieser Handlung besteht darin: genau zu erkennen, wo ich mich momentan befinde, und wo ich mich später sehen will, sowie mit Hilfe welcher Handlungen und Kräfte, ich aus einem Zustand in den andern Zustand übergehen kann – genau dieses Programm heißt „die Absicht“ oder das Vorhaben.

Somit ist „das Schöpfungsvorhaben“ das vollkommene Programm, welches bestimmt, wie man beginnt und wo man endet, was für Schritte man auf dem Wege machen muss, welche Materialien, Kräfte und Mitteln zu verwenden sind, um das Anfangsvorhaben zu verwirklichen. Wie es gesagt ist: „Das Ergebnis der Handlung liegt im ursprünglichen Vorhaben“.

Das alles existiert in der Absicht im Potential, und realisiert sich später in der Praxis.

Das heißt, die Absicht ist nur dann vorhanden, wenn ich meinen laufenden Zustand gut erkenne und genau weiß, was ich folglich erreichen will. Die übliche Fragen sind: „Welche Absichten hast du? Was willst du erreichen? Wie gehst du vor?“

Die Absicht ist somit ein Ausdruck unseres Bedürfnisses der Veränderung, die wir schon einplanen, verstehen, empfinden, verwirklichen, und vollenden.

Die Handlung selbst wird mittels der Kraft des Lichtes vollbracht, und hat deshalb mit der Schöpfung nichts Gemeinsames. Die Schöpfung hat dagegen die Absicht: ob sie sich gut erforscht hat, ob sie den Schöpfer enthüllt hat, wie sie den Schöpfer zwingt, eine beliebige Handlung zu machen. Der Mensch muss also möglichst viel wissen.

Jedes Mal, wenn ich erwachsen werde, und die Stufen der Treppe erklimme, steigen gleichzeitig meine Ansprüche gegenüber dem Schöpfer an, wodurch alle Details Seiner Handlungen bestimmt werden. Ich weiß schon, wie Er handeln und auch mich beeinflussen wird. Ich erkenne in allen Details und Einzelheiten, welches Programm in meinem Inneren, in meinem „Körper“ (in den Wünschen) geschehen wird. Aus eigener Erfahrung begreife ich Ihn und Seine Handlungen.

Im Endeffekt erkenne ich solche Einzelheiten, dass ich Sein Programm an Seiner Stelle verwalten kann – ich verstehe dieses Programm, jedes seiner Elemente, alle Mittel, bis zu den winzigsten Details. Wenn ich das Ende der Korrektur (Gmar Tikun) erreiche, dann erkenne ich Seinen Plan vom Anfang und bis zum Ende, kenne alle Schritte – sowohl von Seiner Seite, als auch meinerseits. Das bedeutet, dass ich die vollendete Absicht erworben habe.

Das Licht wirkt immer ein. Aber wie wirkt Es ein, und wie kann ich Es dazu bringen, mich zu verändern – das alles ist schon die Arbeit des Menschen, welcher den Schöpfer, die Beziehung zwischen dem Licht und dem Wunsch erkennen muss.

Auszug aus dem Unterricht über „die Lehre der Zehn Sfirot“ „, 03.05.2011

Mein Geliebter verbirgt sich vor mir

Der Schöpfer spielt ein Spiel mit uns, indem Er Sich verbirgt und enthüllt und wieder verbirgt – all dies um uns zu erwecken. Zuerst sind es materielle Empfindungen, wenn wir entweder gut oder böse verspüren, da all diese Veränderungen uns dabei behilflich sind, erwachsen zu werden.

Unterdessen wächst unser Verlangen zu empfangen nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ und durchlebt vier Entwicklungsstadien, die unbelebte, pflanzliche, tierische und sprechende Ebene. Letztendlich wird es sich selbst bewusst und versteht die Gründe, warum es sich gut oder böse anfühlt, woher und warum diese Veränderungen stammen.

An dieser Stelle lernen wir nicht nur gute und böse Zustände zu unterscheiden, sondern auch Wahrheit und Lüge, Ursache und Zweck der auftretenden Veränderungen. Wer sendet diese, und wie lässt sich all dieses zusammen miteinander verbinden, was bedeutet, es in vollkommener Form zu realisieren? So schreiten wir in unserer Entwicklung fort.

Kabbala hilft uns die Ursachen und Gründe der Zustände zu verstehen, die wir zu erfahren haben, und dann beginnen wir ein anderes Bild für uns zu schaffen. Es ist nicht der Schöpfer, der verändert, verhüllt und auftauchen lässt, um mit uns zu spielen, sondern vielmehr erscheinen diese Transformationen in uns, in unserem Verlangen zu empfangen, entgegen der ewigen Unveränderlichkeit des höheren Lichtes, dem Schöpfer, der in vollkommener Ruhe verharrt und mitteilt: „Ich habe mein HaWaYaH nicht verändert.“

Alle Änderungen erscheinen im geschaffenen Sein, in dem, der empfängt. Es ist das geschaffene Sein, das verschiedene innere Zustände durchlebt, gut und böse, und deshalb denkt es, dass der Geliebte sich von ihm abwendet und Sich ständig zeigt oder verhüllt.

An dieser Stelle beginnen wir alles mehr in einem wahrhafterem Licht zu erkennen und fangen an zu verstehen, dass wir gegenüber der konstanten, ewigen und vollkommenen höheren Macht stehen. Alle Änderungen erscheinen nur in uns und diese sind das, wofür wir Segen erbitten sollten, damit wir sie richtig nutzen. Zuallererst sollten wir lernen, nicht von diesen Änderungen abhängig zu sein und diese dann zu gebrauchen, um zu schenken, wie es die höhere Macht tut.

Auf diese Weise erreichen wir den Zustand, der folgendermaßen beschrieben wird: „Ich bin für meinen Geliebten und mein Geliebter ist für mich“, wenn die Verhüllung des Schöpfers als ein Segen betrachtet wird, als eine Annäherung an Ihn und eine Verschmelzung mit Ihm. Es hängt lediglich von uns ab, von unserem Verständnis der Wirklichkeit.

Wir sind nicht mehr auf das Glück angewiesen, sondern beginnen eher Ursache und Wirkung zu erkennen, die Logik hinter den Veränderungen. Zuerst lernen wir, dass alle diese Verwandlungen in uns erscheinen, und alles von unserer Korrektur abhängt. Später stellen wir fest, dass diese Korrekturen notwendig sind, nicht um uns gut zu fühlen, sondern um zur Wahrheit zu gelangen.

Und das alles endet mit dem Zustand, wenn das geschaffene Wesen dem ewigen und vollkommenen, unveränderlichen Schöpfer gegenüber steht und eine größere Empfindsamkeit in sich selbst wachruft, um allmählich die Form des Schöpfers, die ewige und vollkommene Form des Schenkens zu erreichen.

Aus dem 1.Teil des Täglichen Kabbala Unterrichtes vom 03/03/2011 Schriften von Rabash

Freiheit stammt aus der Liebe

Frage: Was stellt das mittlere Drittel von Sefira Tiferet dar? Warum heißt sie „freie Sefira“?

Meine Antwort: Sie existiert nicht an und für sich. Wie Baal HaSulam sagt, existiert sie nur in Form eines Raums, um welchen Klipa und die Heiligkeit kämpfen.

An dieser Stelle empfindet der Mensch seine Unabhängigkeit, darin hält er sich im inneren Kampf, in den Zweifeln auf: womit er sich folglich vergleichen soll – mit dem Höheren oder mit dem Unteren. Es heißt eben das mittlere Drittel von Tiferet, der Punkt des freien Willens.

Frage: Woraus besteht dieser Teil? Warum gibt es gerade dort die Freiheit der Wahl? Er befindet sich doch entweder unter dem Einfluss des Höheren, oder unter dem Einfluss des Unteren – je nach dem, wem er sich vergleichen möchte. Woran sieht man hier seine Unabhängigkeit?

Meine Antwort: Von oben organisiert man auf diese Weise den Freiheitsraum. Es ist weder die Verworrenheit, noch die Unklarheit, wie es sie in unserer Welt gibt, wo die Freiheit die Abwesenheit des genauen Wissens bedeutet.

Im mittleren Drittel von Tiferet ist mir absolut klar, was die Höhere Eigenschaft des Gebens und die Untere Eigenschaft des Erhaltens darstellen. Ich befinde mich in der Mitte, und diese Mitte – bin ich. Das heißt meine ganze Realität ist der mittlere Teil von Tiferet.

Wenn ich mich unter dem Einfluss des Höheren oder des Unteren befinde, dann empfinde ich gleichzeitig ihre Einflüsse, ihr Wesen, wobei ich mich damit nicht vergleichen kann.

Im mittleren Drittel von Tiferet offenbare ich die vollständige HaWaYaH, mich selbst. In diesem Teil gibt es die zehn vollen Sefirot, den Verstand des gesamten Parzufs.

Wenn ich das Höhere offenbaren will, dann steige ich zum oberen Teil hinauf, wenn ich dagegen das Untere enthüllen will, dann steige ich herunter. Aber wer bin ich? Ich bin der mittlere Teil von Tiferet, eine Art feiner Schicht zwischen dem Höheren und dem Unteren. Aber in Wirklichkeit ist diese Schicht gar nicht so fein.

Das mittlere Drittel von Tiferet entsteht infolge der Entscheidung von Bina, welche in vier Stufen der Verbreitung des direkten Lichtes, nichts „für sich“ empfangen möchte, und sich nur dem Höheren angleichen möchte, um die Eigenschaft des Gebens zu erreichen.

Aber sie kann das Geben nicht erreichen, weil sich ihr Material, der Wunsch, zu genießen, nicht verändert. Um den Wunsch zu verändern, soll sie „für das Geben“ empfangen. Das heißt, sie verwendet hierfür die Kraft der Liebe des Gebenden.

Denn ohne Kraft der Liebe des Gebenden kann ich das Empfangen niemals in das Geben umwandeln. Aber wenn ich genau weiß, dass Er mich liebt, und ich folglich im Begriff  bin, von Ihm nur aus diesem Grund zu empfangen, dann verwende ich die Kraft Seiner Liebe. Zuerst soll ich Seine Liebe offenbaren, um folglich darin das eigene Empfangen zu enthüllen, und von Ihm nur mit der Absicht des Gebens und der Liebe zu empfangen.

Das mittlere Drittel von Tiferet, worin das Geschöpf seine freie Wahl empfindet, stammt also aus dem selben Gebiet, in dem die zweite Stufe (Bina) ihre Entscheidung trifft (aus vier Stufen der Verbreitung des direkten Lichtes)

Auszug aus dem Unterricht über das Buch Sohar. Das Vorwort, 02.03.2011

Offenbare dein Verlangen

Wir enthüllen niemals die wahre Realität, denn alles geschieht in unseren Verlangen. Der Schöpfer hat das Verlangen erschaffen, das eigentlich das gesamte Material der Schöpfung ist. Was darin geschieht wird von uns empfunden.

Die Empfindung im Verlangen wird in innere und äußere unterteilt. Mit anderen Worten, die Empfindung des Einzelnen und der Umgebung. Diese Segmente der Wahrnehmung werden ihrerseits noch in Schichten, Stufen, Teile und Formen geteilt.

Es geschieht jedoch innerhalb des Verlangens, der vom Schöpfer erschaffen wurde. Wir können uns dies, was außerhalb des Wunsches existiert, nicht einmal hypothetisch vorstellen. Es gibt keine andere „Stelle“ irgendwo außerhalb. Der ganze „Raum“ ist im Verlangen eingeschlossen.

Deshalb hängt unsere Empfindung von den Veränderungen im Verlangen ab. Die gesamte Wissenschaft der Kabbala spricht über die Natur des erschaffenen Verlangens, über die Veränderungen, die es erwerben kann, und darüber, was es im Einklang mit den Veränderungen empfinden kann. Die Formel ist einfach: du fügst die Veränderungen zum Anfangsverlangen hinzu und in Folge dessen entsteht die Empfindung.

Das allgemeine Spektrum besteht aus einer Menge von Schattierungen. In einem Verlangen können gleichzeitig verschiedene Neigungen enthüllt werden, in jedem einzelnen Verlangen empfinden wir verschiedene Ereignisse, verschiedene Handlungen. Das Verlangen des Menschen wird in 613 Teile geteilt, in denen es die verschiedensten Eindrücke und die Reaktionen erprobt. Und sie alle bilden sein Weltbild.

Die Teile des empfangenen Verlangens, die sich zum unbelebten, pflanzlichen, tierischen und menschlichen Niveau beziehen, bilden für uns die Konturen der Realität. Wir können das Verlangen noch mehr offenbaren, darin weitere neue Teile enthüllen, dann wird auch unsere gemeinsame Welt ausgedehnt.

Auszug aus dem Unterricht über den Artikel von Rabash, 17.02.2011

Ein Ansporn, möglichst schnell geboren zu werden

Frage: Baal HaSulam schreibt, dass man, bevor man überhaupt mit dem Studium der Kabbala beginnt, verstehen muss, was das ist. Wie kann aber jeder ihre Sprache erlernen, wenn sie so schwierig ist?

Meine Antwort: Zu verstehen, was die Wissenschaft der Kabbala ist, bedeutet, einen Schirm zu erhalten, um über den eigenen Egoismus steigen und spirituelle Handlungen erkennen zu können. Dann wirst du deinen Lehrer, den Kabbalisten, verstehen und von ihm lernen, was weiterhin zu tun ist. Alles, was er dir sagen wird, wirst du verstehen und praktisch belegen können, hier, an Ort und Stelle, wie das normale Schüler in dieser Welt auch tun.

Doch wenn du in der Spiritualität noch nicht geboren wurdest, wie kann dir dann irgendetwas erklärt werden? Es wäre das Gleiche, wie einem Ungeborenen, welches sich noch im Mutterleib befindet, von unserer Welt zu erzählen.

Genauso sprechen auch Kabbalisten aus einer anderen Welt zu uns. Wir befinden uns in dieser Welt, im Inneren deren Sphäre, wie in einer Blase, und uns wird erzählt, was außerhalb von ihr geschieht.

Deshalb wirken kabbalistische Texte nur wie ein „Wundermittel“ (Segula) auf uns. Die Artikel sind noch für Anfänger bestimmt, doch die „Lehre von den Zehn Sefirot“ ist für denjenigen geschrieben, der bereits zu einem spirituellen Neugeborenen geworden ist, dem man etwas von der spirituellen Welt erzählen kann – dadurch wird er vorankommen, er wird die neue Welt, in der er geboren wurde, kennenlernen.

Für dich aber, der sich noch im Mutterleib befindet, ist es nur ein Reiz, ein Ansporn, möglichst schnell geboren zu werden.

Auszug aus dem Unterricht über den Artikel „Das Wesen der Wissenschaft Kabbala“, 14.02.2011

Für die anderen zum Schöpfer zu werden

Auszug aus der Lektion №1, in Moskau, 14.01.2011

Frage: Angenommen, ich habe das vollkommene Geben und die Harmonie mit dem Schöpfer erreicht. Wie kann man diesen Zustand fortzusetzen, um von einem Plus zum noch größeren Plus zu gelangen?

Meine Antwort: Wenn du fühlst, dass du neutral bist und mit dem Schöpfer im vollkommenem Tandem arbeitest, dann beginne sofort zu suchen: „Wo sind noch fremde Wünsche zu finden, um zusammen mit ihnen für den Schöpfer zu arbeiten? Ich will, dass Er mir zeigt, wie ich mich gegenüber den anderen verhalten soll!“. Und du beginnst sofort, zu sehen, wie Er sie alle ausfüllt.

Plötzlich werden deine Augen geöffnet, und du siehst: alle befinden sich in der Welt der Unendlichkeit, alle sind vollständig ausgefüllt. In Wirklichkeit, sind sie unglücklich und schreien, dass sie nichts haben, und verfluchen alles. Und du siehst, dass sie absolut ausgefüllt, absolut spirituell sind.

Das heißt, auf der folgenden Etappe beginnst du, wie der Schöpfer auch, im selben System zu arbeiten, wobei du Ihn überholst, und dir wünschst, an Seiner Stelle zu handeln. Du wirst zu Seinem Partner. Du machst es. Du nimmst Seine Hand und ziehst sie, wie das Kleinkind den Erwachsenen bittet, damit Er es tut. Du fügst deine Wünsche hinzu. Du leidest mit, und zwingst Ihn, die anderen auszufüllen.

Auszug aus einem Unterricht über den Artikel „Das Vorwort zum Buch Sohar“, 14.01.2011