Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Die Waagschale: Belohnung und Bestrafung

Eine Frage, die ich erhielt: Wenn es in dieser Welt keine Belohnung und keine Bestrafung gibt, wo existieren sie dann?

Meine Antwort: In unserer Welt gibt es Belohnung und Bestrafung, gute und schlechte Menschen, es gibt hier alles, was ihr seht und versteht.

Es steht geschrieben: „Die Welt verhält sich nach unabänderlichen Gesetzen“. Im Rahmen unserer Welt existieren in jeder Gesellschaft, in jedem Land und in jeder Zivilisation eigene Gesetze.

Wenn du in den Kindergarten, in die Schule, in eine Einrichtung für Erwachsene kommst, gibt es überall eigene Verhaltensregeln sowie Belohnung und Bestrafung für ihre Einhaltung. Und so, wo auch immer du hinkommst, gibt es an jedem Ort eine Sammlung von Gesetzen für eine Gruppe von Menschen, für eine Gesellschaft oder für ein Volk.

Doch wenn man von Gewinnen oder Verlusten eines Menschen in Bezug auf die spirituelle Welt spricht, dann haben seine irdischen Taten nichts mit der spirituellen Ebene zu tun.

Sie haben Einfluss auf die darauffolgenden Inkarnationen, jedoch nicht auf die Enthüllung des Schöpfers den Geschöpfen, auf die Enthüllung der spirituellen Welt, „deine Welt wirst du zu deinen Lebzeiten sehen“. Also hat der Mensch in dieser Hinsicht nichts bewirkt, wie die Tora erklärt.

Wir lernen, dass die einzige freie Handlung des Menschen in dieser Welt seine Anstrengung in Richtung Vereinigung in der Gruppe ist, alle anderen Handlungen gehören ihm nicht.

Abgerechnet wird mit uns nur gemäß dem, dass wir jedes Mal eine noch bessere Umgebung wählen, um das Schöpfungsziel zu erreichen.

Aus der 2. Kongresslektion vom 09.11.2010

Den Sohar verstehen


Der Sohar berichtet uns, was in der spirituellen Welt geschieht. Er beschreibt die Handlungen des Gebens durch das Geschöpf. Weil wir zu solchen Handlungen jedoch noch unfähig sind, sind wir nicht in der Lage, sie zu verstehen. Wir existieren in unserem egoistischen Verlangen. Wir kennen nur das Empfangen von Vergnügen und Befriedigung sowie die Handlungen, die uns dahin führen.

Demzufolge erscheinen uns die Handlungen, die im Sohar beschrieben werden, wie in einer fremden Sprache geschrieben, wie ein geheimer Code. Er scheint über etwas völlig Irreales zu sprechen. Es spielt keine Rolle, ob in der Sprache der Kabbala über Sefirot, Parzufim und Welten geschrieben wird oder in märchenähnlichen Allegorien über die Sonne, den Mond, Berge, Menschen, Tiere und so weiter. Wir verstehen oder fühlen nichts von dem, weil wir nicht in der Eigenschaft (Bedeutung, Natur) des Gebens existieren, sondern in der Eigenschaft des Empfangens.

Wenn unsere körperlichen egoistischen Eigenschaften von Oben durch Eigenschaften der Liebe und des Gebens ersetzt würden, könnten wir unmittelbar verstehen, was der Sohar uns berichtet. Wenn wir ihn lesen, würden wir die Höhere Welt enthüllen. Sie würde nicht nur in unserer Vorstellung enthüllt werden, etwa so als würden wir ein Abenteuerbuch lesen, sondern in der Wirklichkeit.

Obwohl wir diese spirituellen Eigenschaften noch nicht besitzen und der Text unwirklich für uns bleibt, wird das Lesen des Buches Sohar als Segula bezeichnet, als ein besonderes Heilmittel. Selbst wenn wir ihn nicht verstehen, lesen wir ihn und versuchen, die Kräfte von dieser anderen Welt auf uns herab zu ziehen, die in diesem Buch beschrieben sind. Indem wir uns Veränderung und das Empfinden des Textes wünschen, „scheint“ es auf uns mit dem „Licht, das erneuert“, (Or Makif – das Umgebende Licht).

Diese Kraft beeinflusst uns und enthüllt neue Eigenschaften des Gebens in unserem Innern, welche im Sohar beschrieben werden. Er wurde aus der Natur des Gebens heraus geschrieben, nicht des Empfangens, und daher kann er nur verstanden werden, wenn wir uns an die Natur des Gebens halten.

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Bestiehl dich nicht selbst


Der Sohar: Wenn ein Mensch mit Vollkommenheit erfüllt ist, dann wird er als jemand betrachtet, der im „Haus“ wohnt. Das Wort „Haus“ steht für Nukwa von Seir Anpin, welche das Licht von Mochin de GAR ausströmt, wie geschrieben steht: „Die Weisheit erbaut das Haus“. Darum ist jeder, der von Nukwa empfängt, ein Hausbewohner. Wenn jedoch jemand aufgrund seiner Unvollkommenheit Korrektur benötigt, dann fordert er Schutz von jenen außerhalb, die sich an ihn heften und zur Sünde führen können.

Wenn jemand einen mit Licht von Chochma gefüllten Zustand erreicht, dann braucht er Schutz und erhebliche Korrektur. Das Licht von Chochma versorgt uns mit riesengroßem Genuss und veranlasst größere Korrekturen, indem es alle menschlichen Verlangen erweckt und den Durst nach Erfüllung durch das Licht vergrößert. Darum muss der Mensch vor seinen eigenen egoistischen Verlangen geschützt werden, damit er nicht das Licht von sich selbst stiehlt und er die spirituelle Stufe bewahren kann, die er bereits erreicht hat. Aber wie kann er sich schützen?

Es folgt, dass er das Haus verlassen muss (den mit Licht von Chochma erfüllten Zustand), da es ihm nicht erlaubt ist, dieses erhabene Licht zu empfangen, aus Angst, dass äußere (egoistische) Verlangen sich an ihn klammern könnte.

Hier sprechen wir über jemanden, der sich mit der Eigenschaft des Gebens identifiziert. Die Eigenschaft des Gebens (das Licht von Chassadim) ist mit dem Licht von Chochma gefüllt, welches das Verlangen zu geben erfüllt. Aber außer dem Verlangen zu geben besitzt der Mensch auch das Verlangen zu empfangen und hat Angst, dass dieses Verlangen erwachen und sich an das Licht von Chochma (den Genuss, den man durch das Verlangen zu geben fühlt) innerhalb des Lichtes von Chassadim anheften wird. Darum muss er diesen Zustand verlassen und „aus dem Haus herausgehen“.

Durch das Verlassen des Hause bleibt er auf der gleichen spirituellen Stufe, doch diesmal auf der Seite von Chassadim. Wenn seine unkorrigierten, egoistischen Verlangen, denen die Absicht des Gebens fehlt, das Licht von Chochma von oben nach unten anziehen, dann wird er von seiner spirituellen Stufe fallen und wie alle anderen Sünder werden. Die Flutwellen werden steigen und ihn ertränken.

Indem er das Haus verläßt, korrigiert er sich erheblich. Er wird stärker und erwirbt einen zusätzlichen „Schirm“, welchen er benutzen kann, wenn er sich später Eintritt zum Haus verschafft und dort bleibt. Die Folge dieser Austritte aus dem Haus (eine spirituelle Handlung) ist, dass der Mensch einen Schirm erwirbt. Auf diese Weise zieht er die Kraft der Überwindung an, die er das nächste Mal verwenden kann, wenn er das mit dem Licht von Chochma erfüllte Haus betritt und dort bleibt.

Warum haben wir nichts aus der Krise gelernt?


Eine Frage, die ich erhielt: Die gegenwärtige globale Krise hat viele Menschen getroffen. Als die Schläge jedoch vorbei waren, hörten die Menschen nicht auf die Wissenschaft der Kabbala. Stattdessen entschieden sie, dass die schlechten Zeiten nun vorbei seien und nun wieder gute Zeiten beginnen, wodurch alles wieder in Ordnung kommt.

Meine Antwort: Dies ist verständlich. Die Krise wird immer schlimmer, aber da noch keiner die Lösung gefunden hat, ignorieren die Menschen sie einfach. Es ist überall so.

Wir empfangen viele Schläge für unsere unredlichen Handlungen, aber wir können nicht damit aufhören. Was bedeutet, dass die Schläge noch nicht stark genug waren, um uns das richtige Verhalten zu lehren.

Warum lernen wir nicht aus unseren Fehlern? Man sollte denken, es wäre so einfach wie das Einmaleins. Wenn bloß schwächere Schläge uns sofort zur Korrektur führen könnten! Unser Egoismus jedoch entwickelt sich immer weiter und wird größer. Und da wir immer egoistischer werden, können auch die vorherigen Schläge uns nicht dazu bringen, korrekt zu handeln.

Nehmen wir an, ich stehle 10$ und werde bestraft. Wenn ich jetzt 10$ sehe, dann denke ich an die Strafe und das hält mich zurück. Was mache ich aber, wenn ich plötzlich 100$ vor mir sehe? Ich wurde noch nie wegen 100$ bestraft, und daher besteht in meinem Verstand für 100$ keine Verbindung zur Strafe. Somit klaue ich sie und werde bestraft.

Was passiert nun aber bei 1000$? Es ist das Gleiche, so sind wir eben gemacht – wie die Tiere, die nur Dinge kennen, die sie gefühlt haben. Darum steht geschrieben: „Ein Mensch kann kein Gebot ausführen (eine Handlung des Gebens und Liebe für den Nächsten) es sei denn, er bricht es zuerst (findet die gegensätzliche Handlung in ihm).“
Erst muss man stolpern und fallen, man muss „stehlen“, und dann bereuen und berichtigen, was man gemacht hat. Das geschieht nur, wenn man Schläge erhalten hat, und ohne solche kann sich ein Mensch nicht verändern.

Die Wissenschaft der Kabbala erklärt, dass jedes Verlangen sich in vier Phasen entwickelt, von dem Zeitpunkt seiner Entstehung bis zu seiner endgültigen Form. Wir bestehen aus einem Verlangen und einer Absicht. Daher gibt es vier mögliche Kombinationen des Verlangens und der Absicht, weil es im Ganzen vier Kombinationen aus zwei Größen gibt: „Man begehrt etwas und beabsichtigt es, man begehrt nichts und hat keine Absicht dafür“ usw. (siehe „Innere Reflexion“ im Talmud Esser HaSfirot).

Man muss vier Phasen von Schlägen und Klärungen durchlaufen, um die letzte Stufe zu erreichen, wo man den Egoismus nur des selbstlosen Gebens und der Liebe willen verwendet. Darum kann man nicht von einem kleinen Schlag lernen, da zwischen dem Verlangen und dem Licht ein Gesetz herrscht.

Das Licht schafft ein Verlangen und das Verlangen handelt genau nach dem Programm, welches in ihm vom Licht eingebracht wird. Wenn es das Verlangen nach Freude ist, dann will es nur Genuss empfangen. Damit es ihm das Geben beibringen kann, muss das Licht das Verlangen durch vier Phasen beinflussen.

Erst in der letzten Phase merkt das Verlangen, dass es empfängt. Als Resultat fühlt es Scham und schränkt sich ein. Dies geschieht mit jeder spirituellen Handlung.

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