Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Selbstständigkeit'

Vertiefung der Verbindung mit dem Schöpfer

Frage: In der Vergangenheit studierten die Menschen die kabbalistischen Texte meist alleine. In unserer Zeit gibt es die Möglichkeit, die ganze Zeit im Unterricht, im Zoom mit Freunden, mit dem Lehrer zusammen zu sein, so dass wenig Zeit für das eigenständige Studieren bleibt. Vielleicht liegt der Grund für unsere langsame spirituelle Entwicklung darin, dass wir nicht genug selbstständig arbeiten?

Antwort: Ich glaube nicht, dass das der Grund ist. Mir scheint, dass wir uns nicht tief genug mit unserem Verstand und unseren Gefühlen in unsere Verbindung mit dem Schöpfer vertiefen.

Frage: In unserer Zeit werden uns alle Bedingungen für den Fortschritt gegeben, gleichzeitig fügt der Schöpfer Egoismus hinzu und die äußeren Bedingungen in der Welt verschlechtern sich. Wo ist der Punkt des Gleichgewichts zu finden?

Antwort: Ich denke das der Schöpfer uns absolut alles gibt, aber wir erfüllen seine Anforderungen nicht gewissenhaft genug aus,darum wird uns die höhere Welt nicht offenbart.

Wir müssen mehr miteinander verbunden sein, wie ein Mensch mit einem Herzen und versuchen, aus unserer Vereinigung die Verbindung mit dem Schöpfer anzustreben. Dann werden wir spüren, wie lange Er darauf gewartet hat und mit welcher Freude Er uns empfängt.

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Aus dem Unterricht am Gedenktag von Baal HaSulam, 13.10.2024

Die spirituelle Entwicklung: vom Embryo bis zum Menschen

Die Lehre der zehn Sfirot, Band 3, Teil 8, Frage 27: Die Zeit und der Ort in der Spiritualität – bedeuten die Erneuerung der Form.
Und der Parzuf entwickelt sich nur infolge einer Menge von  Verschmelzungen („Siwugim“) und unterschiedlichen Lichter, die ihn gemeinsam aufbauen und als „Monate der vorgeburtlichen Entwicklung“ oder als die „Perioden der Entwicklung des Embryos“ bezeichnet werden, die 7, 9 oder 12 Monate dauern können – je nach der Anzahl der Portionen des Lichtes, die für seine Bildung notwendig sind.
Schließlich, erforschen wir die Veränderungen, denen sich der Wunsch zu genießen unterzieht, und berechnen die Anzahl dieser Veränderungen, Erneuerungen, die „die Monate“ heißen („Chodesch“ / der Monat – kommt vom Wort „Chidusch“ / die Erneuerung).
In der Spiritualität gibt es keine Zeit. Die Zeit klärt sich dort mit der Anzahl der Veränderungen, die wir durchleben, und nicht durch die Bewegung des Uhrzeigers oder durch die Veränderungen eines äußerlichen Faktors. Wie stark ich mich verändert habe – soviel Zeit ist eben vergangen. Auf diese Weise klärt sich die Zeit in der Spiritualität.
Deshalb bedeutet die Periode der Entwicklung des Embryos, dass ich einen Zustand hinter dem anderem durchgehe (durchgehe /“Ower“ kommt vom Wort Embryo / „Ibur“). Ich soll eine bestimmte Anzahl an Veränderungen begehen, um von der vorgeburtlichen Entwicklung innerhalb des Höheren zur Entwicklung außerhalb von ihm überzugehen.
Jetzt halte ich mich auch im Höheren auf, und er entwickelt mich. Dabei beeinflusse ich die Veränderungen nicht, denen ich mich im Laufe der Entwicklung unterziehe. Die Instinkte und die Kräfte, die ich als Leiden empfinde, zwingen mich, mich zu verändern, so dass ich diese Veränderungen notgedrungen durchgehe.
Dann tritt eine andere Etappe ein: ich beginne zu empfinden, dass es darin irgendwelchen Grund gibt, ein höheres Bedürfnis, und dass es den Höheren gibt, der über mich diese Veränderungen begeht und sich wünscht, dass ich die Existenz eines Lenkungssystems, die Ursache- Wirkungsbeziehung der Entwicklung, den Anfang und das Ziel des ganzen Weges erkenne. Somit beginnt heute, die ganze Welt aufzuwachen.
Später kommen wir zum Begreifen, dass wir die Veränderungen selbst hervorrufen sollen. Ab einem gewissen Moment und weiter gibt es keine Zeit, die uns der Höhere aufzwingt, um sich zu entwickeln.
Ab sofort wird uns nur das Licht ergänzt, das wir folglich als das Böse empfinden, aber davon entwickeln wir uns nicht, sondern kommen nur zum Begreifen, das wir verpflichtet sind, vom Höheren die Entwicklung zu fordern. Das heißt wir sollen schon an der Entwicklung selbst teilnehmen.
Der Höhere zwingt mich nicht zur Handlung, sondern nur zur Bitte, diese Handlung zu erfüllen. In der Mitte soll also meine Bitte sein. Und diese Bitte, dieser Schrei kommt davon, dass es mir schlecht geht.
Dann entwickle ich mich weiter und erlange das Begreifen des Guten, wenn ich verstehe, dass das alles zu meinem Wohl ist. Und obwohl meine Empfindungen immer noch schlecht sind, ist es mir klar, dass sie für meine Entwicklung gut sind, da ich verpflichtet bin, auf die nächste Stufe hinaufzusteigen. Dann fordert der Höhere von mir nicht den Schrei, sondern die selbständige Anteilnahme an der Entwicklung. Man spricht schon über die Partnerschaft.
Dann kommen wir zum Zustand, wenn der Höhere mich gar nicht erweckt, und ich soll an dieser Stelle meine Umgebung benutzen. Ich soll den Höheren erwecken, damit er mich erweckt, und dann auch noch mit seiner Handlung einverstanden zu sein. Als ob ich für mich die wünschenswerteste Form der Handlung wählen würde – die der Höhere dann begehen wird.
Im Endeffekt erreichen wir einen solchen Zustand, dass wir dem Höheren alles vorschreiben. Am Anfang des Weges erzeugte er alle meine Handlungen, vom Anfang bis zum Ende, ohne mein Verständnis hierfür. Ich wusste nicht, was ich machen soll und wo ich mich befinde. Und am Ende des Weges bestimme ich schon alles vom Anfang und bis zum Ende – und verwende nur die Kraft des Höheren.
Somit besteht unser ganzer Weg darin, die immer größere Unabhängigkeit und die Selbstständigkeit zu erwerben, um dann dem Höheren immer mehr gleich werden.
Aus dem Unterricht nach „Der Lehre der Zehn Sfirot“ „, 16.12.2010

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Sich selbst Aufbauen

Das Schöpfungsziel ist, den Geschöpfen Gutes zu tun. Denn der Schöpfer ist eine gute und das Gute bringende Kraft, weshalb Er uns die Möglichkeit gegeben hat, den Höheren Zustand zu erreichen – Ihm ähnlich zu werden. Wir werden dem Schöpfer in zwei Hauptelementen gleich.

1. In der Selbstständigkeit. Denn der Schöpfer ist das Urwesen, und der Mensch soll demzufolge auch seine Handlungen ausführen. Anderenfalls ist er nicht selbständig.

2. Im Geben. Der Mensch findet die Form des Gebens, die er in seiner Natur aufnehmen muß, welche dem Schöpfer entgegengesetzt ist. Somit ist der Mensch in seinem Inneren dem Schöpfer entgegengesetzt und von Außen dem Schöpfer ähnlich.

Indem der Mensch in sich zwei entgegengesetzte Eigenschaften kombiniert, baut er seine Unabhängigkeit, erschafft er sich neu. Er ist nicht auf diese Weise vom Schöpfer geschaffen, sondern er wächst selbständig.

Die Bedingung für die Erreichung der Unabhängigkeit heißt „Bündnis“. Das Bündnis bedeutet, dass ich mich verpflichte, in meinem Inneren den Menschen aufzubauen. Dabei gewährleistet der Schöpfer alles Notwendige: die grundlegende Vorbereitung, den Brennstoff, den Wunsch nach Genüssen, die Kraft der Korrektur und die Kraft der Füllung.

Und ich verwende diese Mittel. In mir entstehen die entgegengesetzten Bedingungen, der Kontrast zwischen dem egoistischen Wunsch und der Form des Gebens, die man auf ihn einkleiden muss, – und das alles lässt mir zu, mich neu zu erschaffen.

Der Mensch, der diese Bedingungen annimmt und sich direkt zum Schöpfer hin ausrichtet, heißt „Israel“. Er verpflichtet sich, die Verschmelzung zu erreichen und ist bereit, durch alle Zustände und Stufen voranzuschreiten.

Dabei versteht er, dass er immer den Glauben über den Verstand wählen soll – denn anderenfalls wäre es unmöglich, hinaufzusteigen, sich dem Schöpfer zu nähern.

Aus dem Unterricht nach dem Artikel von Rabasch, 26.10.2010

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Sich zu entfremden, um sich zu nähern

Eine Frage, die ich erhielt: Die Kabbalisten sprechen über die Stufen. Auf welcher Stufe werden wir zu den selbständigen Herren des eigenen Schicksals? Wann übergibt uns der Schöpfer die Zügel der Regierung?
Meine Antwort: Der Aufstieg entlang der geistigen Stufen verwirklicht sich etappenweise. Vergleichbar mit unserem Leben, wo die Kinder mit jedem Jahr immer selbständiger werden, sie lernen selbständig zu gehen, zu essen, sich zu bekleiden, einzukaufen, in die Schule zu gehen, zu arbeiten, zu heiraten, zu gebären – sie werden zum selbständigen Menschen.

Rabasch hat einmal ein solches Beispiel vorgeführt. Die Kinder spielen im Hof, und plötzlich geht ein Junge weg. „Wohin gehst du?“ – fragt man ihn. „Nach Hause, um etwas zu essen“, – sagt er.

Zu Hause öffnet er den Kühlschrank, findet das gewünschte Essen nicht und beginnt, die Mutter zu befragen: „Warum hast du nicht das gekauft, um was ich bat!?“ Er fühlt seine „Zugehörigkeit“ zu den Eltern, wodurch nicht die Selbständigkeit, sondern die Abhängigkeit geäußert wird.

Es vergehen einige Jahre, und in den Hof kommt der junge Mann. „Wie geht es dir? – fragen seine Freunde. – Wohin gehst du?“ „Wir gehen mit meiner Frau zu den Eltern, sie haben uns heute zum Abendessen eingeladen.“ Es ist schon die Selbständigkeit: der Mensch fühlt sich nicht wie der Gastgeber, aber gleichzeitig ist er unabhängig.

Somit spielen zwei Faktoren eine Rolle: die Fähigkeit zu den selbständigen Handlungen und die Absonderung. Einerseits entfremdest du dich ständig, und andererlungen, seits wirst du dem Schöpfer ähnlich, nah zu Ihm.

Aus dem Unterricht nach einem Artikel aus dem Buch „Schamati“, 01.10.2010

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Der Sündenfall ist geplant

Wie kommt es zum Zerbrechen der Welten? Der Untere (Malchut, die sich nicht füllen kann, ohne die jedoch das Ende der Korrektur nicht erreicht werden kann) bittet den Höheren (die Mutter, Ima) um das Licht, damit er es um des Gebens willen empfangen kann.Das ganze System der höheren Welten ist bereit, dem Unteren dieses Licht zu geben – nun hängt alles von dem Unteren ab, der versteht, dass alles bereits für das Mahl vorbereitet ist und er es ohne jegliche Scham bekommen kann, doch nur um des Gebens willen! Und er möchte wirklich geben! Und von oben wird ihm gesagt: „Nimm, es wird dir alles gelingen!“ Nichts deutet auf ein Scheitern hin…

Irgendwo dort, in der Ersten Einschränkung, Zimzum Alef, ist der Schlangenbiss verborgen, doch von hier ist es unmöglich, ihn zu sehen, noch hat er sich nie blicken lassen. Das ist der verborgene Punkt der Unabhängigkeit der Schöpfung, der noch nie zum Vorschein gekommen ist. Die Schöpfung hat sich immer dem Schöpfer, dem Licht, das sie erschaffen hat, untergeordnet, und es war unmöglich, zu verstehen, dass irgendetwas sie dabei hindern könnte, im vollkommenen Geben zu sein. Doch andererseits musste ein solcher Punkt existieren, sonst kann die Schöpfung nicht selbständig werden.

Wenn ich alles machen kann, was der Schöpfer mir sagt, dann existiere ich selbst quasi nicht! Meine Persönlichkeit existiert nicht! Mein Ich kommt genau dann zum Vorschein, wenn ich unbedingt dem Schöpfer ähnlich werden will, aber irgendetwas in mir lässt mich nicht. Genau diese Eigenschaft, die mich trotz meines ganzen Verlangens nicht dem Schöpfer ähnlich werden lässt, macht mich auch unabhängig. Die Wurzel des Zerbrechens liegt darin, dass die Unabhängigkeit der Schöpfung, die gegenüber dem Schöpfer steht, enthüllt wird.

Würden jetzt ihre ganzen Verlangen erfüllt werden – das Licht von oben, die Erweckung von unten – und würde sie die Handlung des Gebens vollziehen, wäre das eine Maschine!

Gerade das Zerbrechen aber holt aus ihr den Punkt heraus, der es ihr ermöglicht, sich von dem Höheren, dem Schöpfer, zu trennen, und entwickelt ihn. Vor dem Zerbrechen ist es einfach eine Maschine, während des Zerbrechens offenbart sich der Punkt ihrer Selbständigkeit, und nach dem Zerbrechen wird ein System zur Korrektur dieses Punktes erschaffen – es gibt eine Möglichkeit, selbständig zu handeln. Die Korrektur der Schöpfung besteht darin, dass sie nach dem Zerbrechen alle Entscheidungen aus dem Punkt ihrer Unabhängigkeit heraus trifft, deshalb steigt sie allmählich hoch, von unten nach oben, dem Schöpfer entgegen – und erschafft sich selbst.

Aus dem Unterricht nach dem “ Talmud Esser HaSefirot“ vom 14.07.2010

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Wo findet man den Punkt seiner Freiheit?

Eine Frage, die ich erhielt: Warum hat der Schöpfer die Welt so gemacht, warum verbirgt er sich vor unseren Verstand und unserer Wahrnehmung? Warum hat er uns Sich und dem Endziel entgegengesetzt erschaffen?

Meine Antwort: Weil Er uns Freiheit geben wollte! Damit wir nach unserer freien Wahl Ihn enthüllen und so gebend wie Er werden wollen. Wenn wir von Anfang an den Schöpfer spüren und so wie Er ist akzeptieren würden, wer von uns beiden würde sich wehren?
So wie jetzt, wehrt sich keiner von uns gegen den uns beherrschenden Egoismus. Wir sind nur Roboter, die auf Egoismus vorprogrammiert wurden. Wenn der Schöpfer in uns ein Programm des Gebens eingelegt hätte, hätten wir dies genauso ausführen müssen. Solche Geschöpfe nennt man Engel, unwillkürliche / mechanische Naturkräfte. Weder erstere noch letztere sind frei.

Die Freiheit liegt allein in der Mitte, zwischen Unreinheit und Heiligkeit. Dieser Zustand heißt Klipat Noga, das mittlere Drittel der Eigenschaft Tiferet.

Deshalb ist es notwendig, uns an solchen Punkt im unstabilen Gleichgewicht einzusetzen, wo wir nicht wüssten, in welche Richtung wir uns wenden sollen – wo befindet sich das Gute und wo das Böse, was sollen wir vorziehen und wonach sollen wir streben?

Genau hier befindet sich der Punkt unserer freien Wahl, und nur aus solchen Punkten setzen wir eine Linie zusammen, entlang welcher wir vom jetzigen Moment bis zur Endkorrektur gehen. Unsere Aufgabe besteht nur darin, das Maß und die Formen der Verhüllung, ihren Grund und ihre Notwendigkeit zu verstehen, um uns selbst als eine unabhängige Persönlichkeit zu bauen. Der Schöpfer hat hier kein anderes Ziel außer unsere Selbstständigkeit. Er braucht eine selbständige Schöpfung, wem sonst kann Er Genuss bereiten? Einer Machine, die Er selbst geschaffen hat und die ganz von Ihm angetrieben wird?

Aber nur in dem Maße, in welcher die Schöpfung selbständig wird, genießt der Schöpfer, indem er ihr Genuss bereitet. Es gibt bereits jemand, dem man Genuss bereiten kann! Es gibt jemand, der wirklich existiert! Deshalb konnte Er uns nicht gleich vollkommen erschaffen und uns die ganze Welt der Unendlichkeit gleich schenken, und somit das Ganze abschließen. Er musste uns Sich entgegengesetzt schaffen und zwischen zwei Welten einpflanzen.

Denn gerade hier in der Mitte, auf dem Riß zwischen zwei dieser Welten, wo weder die Macht des Schöpfers, noch die Macht der Schöpfung wirkt, in diesem neutralen Punkt, der weder zur einen noch zur anderen gehört, nur hier gibt es Freiheit!

Aus einem Unterricht über dem Artikel „Einführung zur TES“, 03.06.2010

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