Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Noten'

Von der Wahrheit lernen

Eine Frage, die ich erhielt: Wie soll man den Kindern das Gesetz „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ erklären?

Meine Antwort: Die Bildung für Kinder und Erwachsene muss in gleicher Weise gestaltet werden. Nur enthüllst du dem Kind alles in einem kleineren Maße, du verwendest für das Kind verständliche, bis zu seiner Stufe „verkleinerte“, jedoch keine märchenhaften Beispiele. Es muss aber bei allem die Wahrheit erzählt werden!

Wir müssen nur dafür sorgen, dass es uns richtig, entsprechend seiner Stufe, versteht. Genauso wie wir die Sprache von Kabbalisten anpassen, um sie einem modernen Menschen näher zubringen und für jeden verständlich zu machen.

Um einem Kind einen Teil davon zu erklären, was Erwachsene während des Unterrichts lernen, braucht man sehr viele Unterrichte.

Ich überprüfe, ob alle vergangenen Lektionen gründlich durchgearbeitet wurden und enthülle ein neues Problem, damit es in der Kindergruppe gelöst wird, als ob ich „einen halben Löffel“ zum „Probieren“ geben würde.

Doch danach soll das Kind anfangen, selbst Fragen zu stellen, weil es nicht versteht und Zweifel hat, es soll versuchen, während einer gemeinsamen Diskussion mit Freunden zu verstehen, was in Wirklichkeit geschieht, was das Problem und dessen Lösung ist.

Der Lehrer schließt sich dieser Diskussion im gleichen Maße an und lenkt sie nur aus einer gewissen Entfernung in die richtige Richtung.

Zuerst klären wir vollständig das Problem selbst, dann versuchen wir eine Lösung zu finden. Und anhand dieses Prozesses bewertet der Lehrer, wie die Kinder vorankommen – jede vorherige Stufe schließt sich mit ihrem unteren Teil in die nächste Stufe mit ein.

Es werden keine Noten vergeben, alle sind gleichgestellt, bewertet wird nur die gemeinsame Lösung eines beliebigen Problems.

Aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Liebe zum Schöpfer und die Liebe zu den Geschöpfen“ vom 04.10.2010

Kabbala Akademie

 

Ausdruck spiritueller Errungenschaft durch Musik, Tanz und Theater

Eine Frage die ich erhielt: Wieso schrieben so viele Kabbalisten Musik?

Meine Antwort: Musik, Theater und Tanz sind alles Hilfsmittel um spirituelle Errungenschaft auszudrücken. Es ist kein Zufall, dass Musik und Tanz zwei von sieben Wissenschaften waren, die man beherrschen musste bevor man sich dem Studium der Kabbala nähern konnte. Sie wurden als Wissenschaften betrachtet, da die Menschen, die höhere Errungenschaft durch den Klang der Musik, Tanzbewegungen und durch das Singen ausdrücken mussten.

Worte sind auch Musik. Ich kann mein Empfinden durch Worte oder auch durch Noten ausdrücken. Jede Musikkomposition erzählt nach den Gesetzen von Ursache und Wirkung. Musik ist eine Sprache.

Das TaNTA (das volle Kli Taamim, Nekudot, Tagin und Otiyot), das in der geschriebenen Sprache gebraucht wird, wird auch in der Musik und im Tanz angewendet. Es spielt keine Rolle, in welcher Form du die Verbindung zwischen dem Kli und dem Licht ausdrückst, es wird immer aus TaNTA bestehen.

Derselbe Satz kann durch Worte, Musik und Tanz ausgedrückt werden. Die Kabbala drückt es jedoch dadurch aus, dass sie die Beziehung zwischen den Gefäßen und dem füllenden Licht aufzeichnet, was eine einfache und universale Sprache ist.

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Bildung durch Dialog und Diskussion


Eine Frage, die ich erhielt: Wie können wir die neue Bildungsmethode mit dem Streben nach guten Noten seitens der Studenten in Einklang bringen, damit sie ihre Ausbildung an der Universität weiterführen können? Immerhin basiert unsere gesamte Gesellschaft auf Wettbewerb.

Meine Antwort: Um im Leben erfolgreich zu sein, muss sich ein Mensch auf eine wirklich freie Art und Weise entwickeln können.
Wir erleben gerade eine Krise in Wissenschaft, Ausbildung und Kultur, weil wir den Menschen nicht richtig formen.

Heutige Menschen machen keine Entdeckungen mehr in der Natur; sie können nichts mehr aufdecken, weil wir sie eingeengt haben, indem wir ihnen zu enge Grenzen gesetzt haben. Wir haben jeden Menschen zu einer einzelnen Schraube gemacht und nichts anderem. Er weiß nun, welchen Beruf er ergreifen soll, damit er mehr Geld verdienen kann, welche Studienfächer er aussuchen soll, damit er das umsetzten kann, und das ist sein einziges Ziel. Das macht ihn jedoch nicht glücklich, sondern nur wohlhabend.

Das größte Problem ist, dass wir dem Kind keine Möglichkeit bieten, sich eigenständig zu entwickeln: von ihm wird nicht verlangt, irgendetwas Neues zu erfinden oder sich auszudenken. Es wird schnell mit verschiedenem Wissen vollgepfropft, um gute Noten zu bekommen und seine Ausbildung fortzusetzen. Dabei zerstört man die Kreativität eines Kindes und das wird dann zu einem Problem – die Menschen werden zu Marionetten.

Wir meinen, dass ein Kind in separaten Bereichen und auf strikte Art und Weise ausgebildet werden muss: Klassen, Examen, Formeln usw. Das Problem ist nur, dass unsere Natur diese Art nicht ausstehen kann. Und wenn wir dieses verkehrte Ausbildungssystem nicht berichtigen, werden unsere Kinder es selbst zurückweisen. Man sieht doch, wie jede Generation immer mehr dieses System verachtet, je mehr wir unkorrigiert weitermachen und nicht mehr in der Lage sind, uns selbst zu finden.

Es ist möglich, Geographie, Geschichte, Mathematik und jedes andere Fach auf eine andere Art zu studieren – auf eine kreative Weise. Die Herangehensweise muss auf einer gesellschaftlichen Basis geschehen. Immerhin sagen wir, dass die Welt „rund“ ist, und so muss auch das Klassenzimmer „rund“ werden und alles enthalten. Und Kinder sollten sich selbst in Form von Diskussionen, Fragen und Antworten ausbilden. Der Job des Ausbilders ist, sie beim Übergang von einem Thema zum anderen zu unterstützen.

Eben durch die Ausbildung via Dialogen, Diskussionen und Argumenten wird die Entwicklung eines Menschen gefördert. Dies wird durch Tausenden von Jahren an Erfahrung bewiesen, die nicht nur aus der Wissenschaft der Kabbala herrühren, sondern auch aus vielen uralten Kulturen.

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Spielen Sie Ihr Stück

Folgenden Text habe ich von Maxim Matushevsky, einem Moskauer Mitglied von Bnei Baruch erhalten:

Erinnern Sie sich an ihre ersten Schritte, als Sie begannen Musik zu lernen? Sie saßen auf einem unbequemen Hocker, die Füße berührten kaum den Boden. Vor Ihnen die widerspenstige und steife Tastatur, darüber ein Notenheft voller Kritzel, unleserlicher Zeichen und italienischen Notizen. Neben Ihnen der Lehrer.

Mit großer Mühe versuchten sie, die Zeichen im Notenheft zu entschlüsseln. Bei dem Versuch sie in der richtigen Reihenfolge mit dem richtigen Druck, auf die richtigen Tasten zu platzieren, brachen Sie sich beinahe die Finger. Ihr Lehrer war nicht erfreut. Sie betrachteten sich als einen Stümper und Versager.

Sie hassten den Komponisten. Es musste sich um einen Perversen handeln: „wie kann jemand so etwas komponieren?“

Er muss fünf Hände gehabt haben. Sie waren böse auf ihren Lehrer, auf ihre Eltern, Sie selbst und dieses dumme Instrument. Derweil schien draußen die Sonne. Die Jungs spielten Fußball und lachten.

„Nein! Ich werde das niemals spielen! Lasst mich gehen!“.

Die Tage vergingen. Ihre Finger haben sich daran gewöhnt, die richtigen Tasten zu schlagen. Sie können sogar Bruchstücke einer Melodie erkennen…Wow!- das klingt nicht schlecht!, denken sie sich.

Die Wochen vergingen. Sie schauen nicht mehr auf die Noten. Ihre Finger führen sie die Tastatur entlang. Sie ertappen sich dabei, wie sie diese schöne, vielschichtige und polyphone Melodie genießen! Sie sind stolz auf sich selbst, sie erleben ein Meer von Emotionen. Das ist es also, was der Komponist durchlebte als er diese schöne Musik schuf! Vielleicht sollte ich an dieser Stelle einen Akzent setzen? Sobald Sie es getan haben, weckt der neue Klang neue Emotionen.

Diese Musik ist wunderbar und grenzenlos! Sie fühlen eine Affinität mit dem Komponisten. Sie sind ihm dankbar, solche Erregung erleben zu dürfen. Sie sind ihrem Lehrer dankbar, der Sie nicht geschont hat und Sie veranlasst hat diese Musik lesen zu lernen.

Wo ist also die Freiheit? Die rigiden Harmoniegesetze beachtend, spielen Sie streng nach einer Vorlage, die jemand komponiert hat. Sie können jedoch ihren winzigen Beitrag durch die Ausführung und Interpretation der Komposition beitragen, ohne den Plan und die Unversehrtheit des Stückes zu korrumpieren. Es ist Ihr Instrument, Ihre Musik und sie wurde dazu komponiert, dass Sie sie spielen!

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