Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Um uns herum sind nur die Engel

Frage: Wie geht man mit der Abneigung und mit dem Hass gegenüber den Menschen außerhalb der Gruppe um?

Meine Antwort: Warum sollte ich plötzlich die fremden Menschen hassen, wenn sie keinen Zusammenhang mit meinem spirituellen Weg haben? Ich betrachte sie wie die Engel, die keinen freien Willen haben.

Wenn sie sich nicht in der Gruppe befinden, dann haben sie auch keine Freiheit des Willens. Wie kann ich sie dann beschuldigen? Sie handeln wie die Marionetten und gehorchen den Befehlen von Oben. Es bedeutet nicht, dass ich sie vernachlässigen kann, sondern ich verstehe einfach, dass sie nicht frei und unabhängig handeln können. In allem, was mit ihnen geschieht, sehe ich die Hand des Schöpfers. Und dementsprechend soll ich „dafür“ oder „dagegen“ handeln.

In den äußerlichen Handlungen muss man sich zu den Menschen in der korrigierten Form verhalten und sich bemühen, dass sie alles Notwendige haben. Oder man kann schon beginnen, mit ihnen zu arbeiten und das Wissen der Kabbala an sie verbreiten.

Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel aus dem Buch „Shamati“, 31.07.2011

Die wahre und die eingebildete Freiheit

Wir verfügen über eine einzige freie Handlung in unserem Leben in dieser Welt, alles Andere ereignet sich mit einer absoluten Unvermeidbarkeit und auf Befehl von oben.

Es ist jedoch nicht einfach, diese uns überlassene Freiheit zu finden, denn wir werden hart durch Schmerz und Genuss von oben regiert, gefesselt von Tausenden von Fäden.

Wir sind gehorsame Marionetten, die von oben an diesen Fäden gezogen werden, wobei unsere Verlangen, Gedanken und Körper, Worte und Taten gesteuert werden.

Wir sind absolute Sklaven unserer Natur, angefangen von einer Embryozelle im Mutterleib bis hin zum Alter, in dem der Mensch glaubt, dass er bereits selbständig handelt und existiert.

Er wird von den Naturkräften gesteuert. Woher kann auch etwas Neues in ihm entstehen, wenn alles Natur ist? Daher gibt es hier auch keine Freiheit der Wahl, und der Mensch wählt immer das Angenehmste für sich und flüchtet vor den Leiden, wie auch jedes andere Geschöpf, ob Pflanze oder Tier.

Und obwohl diese Illusion der Freiheit im Menschen existiert – denn ich mache doch, was ich will! – ist es doch eine Illusion, und die wahre Freiheit verbirgt sich im Ausbruch über die Natur, d.h. im Ausbruch über den Egoismus.

In der Tora steht geschrieben, dass es die „Freiheit vom Todesengel“ bedeutet. Diese Worte können niemanden gleichgültig lassen! Die Freiheit vom Tod setzt nicht voraus, dass unser tierischer Körper die Unsterblichkeit erlangt, um endlos dieses irdische Dasein voller Leiden und mit wenig Freude zu fristen.

Die Freiheit vom Todesengel tauscht dieses Leben gegen die Erlangung eines vollkommenen und bestmöglichen Daseins ein: sowohl eines ewigen als auch eines vollkommenen zugleich! Und das kann durch diesen Begriff, genannt „Freiheit des Willens“, erreicht werden.

Eine solche Freiheit ist wirklich anlockend und erwünscht, denn in unserem normalen Leben brauchen wir für gewöhnlich auch keine Freiheit, und es passt uns viel besser, wenn unser Leben wie eine gut funktionierende Uhr geregelt ist: Zuhause, Familie, Arbeit.

Je weniger Freiheit, desto weniger Kopfschmerzen. Doch wenn man Ewigkeit und Vollkommenheit erlangen kann, indem man sich vom Todesengel befreit, was kann es besseres geben?

Man muss außerdem verstehen, dass der Todesengel unser eigenes Ego ist, das uns unser Grab schaufelt. Es gibt uns dieses schreckliche Gefühl, dass wir uns niemals erfüllen können, und wir nehmen dieses Leben als beengend und vergänglich wahr.

Die Freiheit vom Todesengel bedeutet die Erlangung des Gebens, dessen unendlicher Erfüllung und des Einschlusses in den ewigen Strom des Lebens.

Ausgehend davon wollen wir versuchen, aus den Werken von Kabbalisten zu klären, wie man eine solche Freiheit erlangen kann.

Aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Freiheit des Willens“ vom 15.10.2010

Wer sind wir? – Freie Menschen oder Rädchen im Getriebe der Schöpfung?

Der freie Wille ist das wichtigste Thema, weil es uns das Hauptproblem unseres Lebens vor Augen führt: sind wir wie jedes andere Teil der Natur vollkommen von oben steuerbar?

Denn wir sehen, dass alles sich nach der Lenkung von oben – nach der Lenkung der Natur, sprich des Schöpfers, bewegt.

Es gibt nichts, was über die Grenzen der Natur hinausgehen würde. Es gibt Handlungen, an denen wir sehen, wie sie geregelt werden, und es gibt Handlungen, wo die lenkende Kraft vor uns verborgen ist.

In unseren jungen Jahren denken wir, dass wir über unser Leben verfügen können, doch während unseres Erwachsen werden gewinnen wir an Lebenserfahrung und begreifen, dass das Leben uns beherrscht und nicht wir es.

In der Tat, wo ist der freie Wille möglich, wenn wir feststellen, wie auf allen Ebenen der Natur strenge und unabänderliche Gesetze gelten: physische, chemische, biologische?

Und wenn wir an irgendeiner Stelle kein Gesetz erkennen können, dann bedeutet das lediglich, dass wir es noch nicht entdeckt haben und nicht dass es dort nicht mit absoluter Bestimmtheit gilt.

Wie kann es einen Teil der Natur geben, der nicht steuerbar ist, der von keinem Gesetz kontrolliert wird? Das ist einfach unmöglich! Überall, wo wir die Natur enthüllen, entdecken wir eine klare Gesetzmäßigkeit.

Und was ist der freie Wille? Die Möglichkeit, so zu handeln, wie es mir passt, ohne mich einem determinierten Naturgesetz zu unterwerfen?!

Woher sollen wir den freien Willen hernehmen? Kann es etwa in der Natur einen weißen Fleck geben, der sich ihr nicht unterwirft?

Also stellt sich heraus, dass unsere ganze scheinbare Freiheit lediglich die Illusion eines kleinen Kindes ist, dass unter einer scharfen Beobachtung alleine beim Spielen in seinem Zimmer gelassen wurde, aber denkt, dass es frei ist. Das heißt, sie wird gänzlich durch unser Unwissen erklärt. Und das nennt sich Freiheit?!

Und was ist dann der Mensch? Ein weiterer Teil der Natur, der ganz und gar von oben gesteuert wird und es noch nicht einmal selbst weiß? Wenn wir jedoch einfache Marionetten sind, dann bedeutet das, dass wir weder Gutes noch Böses tun – wenn ich entsprechend einem Gesetz handle, was kann dann von mir verlangt werden?

Alles, wozu ich plötzlich Lust bekomme, ist ein natürlicher Instinkt, der mich von innen und von außen steuert.

Es kann weder eine Belohnung noch eine Bestrafung geben, wenn wir nur gewöhnliche Rädchen im Getriebe der Schöpfung sind. Doch worin besteht dann deren ganzer Sinn, wenn das alles ein abgekartetes Spiel ist?

Also müssen wir als erstes feststellen, ob wir dennoch über irgendeinen freien Willen verfügen und worin er besteht. Denn wenn es sich wirklich um einen freien Willen handelt, kann man hier entweder sehr viel gewinnen oder im Gegenteil alles verlieren…

Aus diesem Grund ist dies das wichtigste Thema in der Kabbala, denn damit beginnt der nächste Schritt: sind wir frei oder nicht, und wenn ja, wie kann ich diese Freiheit zum maximalem Vorteil nutzen?

Aus dem Unterricht nach dem Artikel „Die Freiheit des Willens“ vom 08.10.2010

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