Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Haman'

Wer steckt hinter dem Bild des Königs?

In der Purim-Geschichte gibt es so eine Figur – König Achaschwerosch, der manchmal mit einer positiven Kraft (Mordechai) und manchmal mit einer negativen Kraft (Haman) interagiert. Man weiß nicht, auf welcher Seite er steht, weil der Schöpfer, den der König repräsentiert, hier in doppelter Gestalt dargestellt wird.

Einerseits ist die ganze Schöpfung egoistisch, und wer mehr Macht hat, der regiert die Welt. Deshalb können wir nicht sagen, dass der Schöpfer gut ist und Gutes tut. Inwiefern ist Er gut? Inwiefern tut Er Gutes?! Es wäre besser, wenn es Ihn nicht gäbe, denn dann gäbe es auch kein Böses. Das ist Achaschwerosch.

Andererseits ist Er doch der Schöpfer, weil Er heimlich, hinter dem Rücken des Königs, sozusagen hinter seinem Rücken, die ganze Menschheit zu einem guten Ziel führt.

Das Problem ist, dass der Schöpfer eine absolut gute Kraft ist, die an und für sich selbst existiert. Sie braucht keine weitere Kraft, keine Grundlage für ihre Existenz.

Die Geschöpfe sind negativ und dem Schöpfer entgegengesetzt. Sie wurden erschaffen, um sich von Ihm zu unterscheiden und nicht in Ihm zu zergehen, denn dann hätten sie keine eigene Identität.

Es stellt sich heraus, dass es unmöglich ist, Geschöpfe zu erschaffen, die sich nicht vom Schöpfer unterscheiden. Und wenn der Schöpfer absolut gut ist, dann muss das Geschöpf anders sein, bis hin zum absolut Bösen.

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Aus der TV-Sendung „Spirituelle Zustände. Purim – die innere Bedeutung des Festes“

 

Das Purimfest im Licht der spirituellen Korrektur

Das Purimfest symbolisiert die zukünftige vollständige Heilung der gesamten Menschheit.

Vor zweieinhalbtausend Jahren hatte bereits eine teilweise Korrektur in den spirituellen Wurzeln stattgefunden, aber das war nur eine Vorbereitung, denn alles, was bei der Korrektur der menschlichen Gemeinschaft geschieht, muss zwei Stufen durchlaufen.

Die erste Stufe wurde von einer kleinen Gruppe Menschen verwirklicht, die Abraham aus Babylon heraus führte und bis zum Einsturz des ersten Tempels leitete. Diese Gruppe durchlief fast alle Stufen der Korrektur, und eine davon war der so genannte „Purim“-Zustand. Purim bedeutet „Los“ („pur“). Und heute müssen wir das Gleiche mit uns und mit der ganzen Welt wiederholen.

Die Purimgeschichte erzählt, dass König Ahaschwerosch von Babylon ein großes Fest abhielt, bei dem er erfuhr, dass zwei seiner Gefolgsleute ein Komplott schmiedeten, um ihn zu entthronen. 

Diese Verschwörung wurde von Mordechai offenbart, einem Kabbalisten, der sich auf der Ebene von Chassadim oder Bina befand, wo der Mensch nichts um seiner selbst willen braucht. Nur bis zu dieser Stufe kann er sich selbst korrigieren, und weiter aufsteigen kann er nur, indem er andere anzieht und ihnen durch sich selbst das Licht von Chochma übermittelt, d.h. indem er die Funktion von Bina erfüllt.

Bina ist in zwei Teile geteilt: der obere Teil, GAR de Bina oder Galgalta we Ejnaim de Bina, der nur zum Geben arbeitet und nichts um seiner selbst willen will, und der untere Teil, SAT de Bina, der das Licht von oben, von Chochma, empfängt, um es an die unteren weiterzugeben, wenn sie es brauchen.

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Purim kabbalistisch betrachtet

Purim ist ein großartiges Fest: es steht für die große Furcht vor der Vernichtung und die Riesenfreude über die Erlösung danach. 

Traditionell wird dieses Fest groß gefeiert, vor allem, weil es zu diesem Feiertag gehört, uneingeschränkten Alkohol zu konsumieren, damit man „nicht mehr zwischen dem bösen Haman und dem gerechten Mordechai unterscheiden“ kann.

Die Hauptbotschaft der Erzählung,  die zu Purim gelesen wird, Magliat Esther (Buch Esther 1.1-10.3) liegt darin, dass Mordechai, der Inbegriff des Guten, dem schlimmsten Übel, symbolisiert durch Haman, hilflos gegenübersteht. Einzig und allein die Einheit zwischen ihnen kann das Böse überwinden.

Die Charaktere in der Erzählung beschreiben die verborgenen Kräfte, die in uns als Individuen und zwischen uns Menschen wirken. Sie sind immer vorhanden und steuern unsere spirituelle Entwicklung. Mordechai steht für die Eigenschaft von Barmherzigkeit. Er stellt die reine Güte dar und will nichts für sich selbst. Uns dagegen zeigen sich heute immer wieder neue „Hamans“, und zwar in uns und in der physischen Welt um uns. Das Gegenmittel gegen dieses Übel bleibt die Vereinigung. Sobald wir Menschen uns vereinen, sind wir gerettet; schaffen wir dies nicht, droht uns irgendwann die Vernichtung.

Der Plan der Schöpfung, die Eigenschaft der Barmherzigkeit als Herrscher der Welt einzusetzen, ist ein wichtiges Element, auf das die Erzählung hinweist. Würde die Welt von der Barmherzigkeit, von Mordechai, regiert, wären alle Menschen glücklich. Bei uns jedoch regiert Haman, die Bosheit. Weil die Eigenschaft „Mordechai“ nichts für sich selbst will, hat sie nicht den Wunsch zu regieren und bleibt uns deshalb verborgen.

Die Höhere Kraft muss „Mordechai“ als Eigenschaft der Barmherzigkeit zwingen, die Herrschaft anzunehmen. Darum setzt sie eine Bedrohung ein, die groß genug ist, um „Mordechai“ zum Handeln zu bewegen. Es ist dies die drohende Vernichtung, die nicht nur Mordechai, sondern auch das gesamte Volk Israel betreffen würde. Diese Bedrohung personifiziert Haman, der das Gegenteil von Barmherzigkeit darstellt – der rücksichtslose Wunsch, zu verbrauchen, zu besitzen und ohne Rücksicht auf andere zu genießen. Kurz gesagt, Haman symbolisiert den reinen Egoismus.

Auch die Kostüme, die an Purim getragen werden, sind symbolisch zu betrachten. Purim ist nicht die jüdische Version von „Halloween“. Die Verkleidungen stehen für die Verborgenheit der Kräfte, die dieses Szenario der großen Furcht vor der Vernichtung, und die Riesenfreude über die Erlösung innerhalb eines jeden Menschen auslösen.

Die Hamantaschen sind ein süßes, dreieckiges Gebäck, das an Purim zubereitet wird. Sie stellen die Korrektur der egoistischen Wünsche dar. Diese findet statt, sobald sich alle Menschen vereint haben. Aus diesem Grund sind diese Taschen süß gefüllt. DIe Süße symbolisiert die Freude der Einheit.

Wenn alle Menschen vereint sind, muss man nicht mehr auf der Hut sein oder einander misstrauen, da dann alle Menschen wie Eins sind. In diesem Zustand wird es überflüssig, zwischen Haman und Mordechai zu unterscheiden – das Betrunkensein symbolisiert diesen berauschenden Zustand der Einheit

Der Feiertag Purim lehrt uns, dass alles Leid als Folge unseres Getrenntseins entsteht. Wenn Menschen sich spirituell vereinen, werden sie zum Licht für die Völker der Welt, indem sie das Licht der Vereinigung verbreiten.

Durch unsere Anstrengungen, die Verbindung zu „einem Ganzen“ zu erreichen, werden wir korrigiert und an diesem Feiertag auch etwas beschwipst. Deshalb: vereinigt euch in Freude!

Geschrieben/bearbeitet von Student*innen des Kabbalisten Michael Laitman.

Das Purimfest: Die Entstehung einer erneuerten Welt

Jeder neue Zustand wird nur unter der Bedingung geboren, dass sich der vorherige Zustand vollständig erschöpft. Der Feiertag Purim symbolisiert den Wendepunkt, in dem sich die Welt durch die Pandemie befindet. Daher hat das Fest eine besondere Bedeutung, nicht nur für das jüdische Volk, sondern für die gesamte Menschheit.

Die in der Purim-Geschichte beschriebenen Ereignisse sind Hinweise auf die Korrekturen, die die Welt durchlaufen muss. Der globale Virusausbruch hat eine tiefe Veränderung auf allen Ebenen unseres Lebens bewirk. Er macht deutlich, wie sehr wir voneinander abhängig sind und wie dringend notwendig es ist, unsere egoistische Einstellung zu ändern und uns anderen gegenüber rücksichtsvoller zu verhalten, d.h. einen Wechsel von unserer egoistischen Einstellung zu einer altruistischeren Haltung. Das wird uns helfen, die Lücken zwischen uns zu schließen und ein positives gemeinsames Feld freizusetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, kann das Volk Israel eine zentrale Rolle spielen.

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Das lichtvolle Fest Purim

Wir befinden uns innerhalb eines Schirms, auf dem unsere Eigenschaften dargestellt werden. Und wenn sie egoistisch sind, werden dementsprechend auch unsere Verlangen zu genießen auf den Stufen (in den Größen 0-1-2-3-4) unbelebt, pflanzlich, tierisch und „menschlich“ vor uns dargestellt – und so sehen wir sie als unsere uns umgebende Welt.

Also ist die sichtbare und von mir wahrgenommene Realität, in der ich lebe, ein Abdruck, ein Spiegelbild dessen (der Verlangen und der Gedanken), was sich in meinem Inneren befindet.

Und wenn ich zusätzlich zu meiner allgemeinen Natur – der Eigenschaft des Verlangens – die spirituelle Natur – die Eigenschaft des Gebens – erlange, dann eröffnet sich mir wie auf einem Computerbildschirm ein weiteres Fenster, in dem ich die höhere Welt – die Kräfte meiner Seele – sehen kann. Und nun erkenne ich, dass das, was ich im ersten Fenster sehe, eine Projektion meiner empfangenden Kräfte ist, und im zweiten Fenster zeichne ich die Form meiner Verbindung mit den anderen Menschen um des Gebens willen.

In dem gleichen Maße, in dem ich fähig bin, mich mit den anderen zu verbinden, selbst wenn es auf der Stufe „füge einem anderen nicht zu, was du nicht willst, dass man dir zufüge“ ist, kann ich die spirituelle Welt erkennen.

Und mein vollkommener spiritueller Zustand ist „Purim“, von „Pur“/Los, in diesem Zustand sind meine Verlangen korrigiert, ich habe mich mit allen Seelen vereint und habe meine Seele mit dem höheren Licht entsprechend dem Gesetz der Ähnlichkeit der Eigenschaften erfüllt.

Purim ist das Fest der Endkorrektur. Und während wir dieses Fest feiern, ziehen wir quasi aus jenem korrigierten Zustand, in den wir uns einordnen wollen, die Kraft an, die uns korrigiert und verbindet.

Der Brauch, an diesem Tag Masken aufzusetzen und sich zu verkleiden, ist entstanden, weil Haman (das egoistische Verlangen) sich in die Kleider von Mordechai (des altruistischen Verlangens) kleidet – und wir können in große Verlangen von Haman das Licht in die Eigenschaft von Mordechai empfangen.

Deshalb existiert ein Brauch, am Purim-Fest dreieckige Gebäckstücke, genannt „Haman-Taschen“, zu essen, weil die Tasche das Verlangen zu empfangen symbolisiert.

Wir müssen diese Verlangen von Haman erhalten und sie mit Hilfe von Mordechai durch das Licht Chassadim, die Eigenschaft des Gebens, mit der Absicht um des Gebens willen korrigieren. Dann werden wir das Licht Chochma empfangen können – die Enthüllung des Schöpfers, d.h. den Zustand der Endkorrektur.

 

Kabbala Akademie

 

Auszug aus dem öffentlichen Vortrag „Kabbala für alle“, 15.03.2011

Zwischen Liebe und Hass liegt nur eine Stufe

Versucht nicht aus einem Menschen ein Tier zu machen und die spirituelle Welt an ein mechanisches Schema anzuketten.

Diese Welt ist voll von Abenteuern und Ungewissheiten, die sich plötzlich unterwegs enthüllen, und du erkennst, dass es anders war, als du geglaubt hast, oder vielleicht sogar umgekehrt.

Wenn die Verbindung zwischen den Dingen sich auf einer tieferen Ebene enthüllt, machst du ein vollständiges „Upgrade“ (eine neue Einstellung) auf dein gesamtes „Programm“. Du siehst, dass du jetzt ein neues Werkzeug/neue Kelim, neue Verbindungen nutzen kannst.

Es ist klar, dass die Grundlage die gleiche bleibt: der Schöpfer, die Schöpfung, der Entwicklungsprozess mit Hilfe des umgebenden Lichtes, die Verlangen GE und ACHaP, eine größere Verbindung der Seelen – die konkreten Erscheinungen können jedoch vollkommen gegensätzlich sein.

Innerhalb des gleichen Verlangens zu geben enthülle ich plötzlich in einer größeren Tiefe/Awiut vollkommen neue Verbindungen! Ich habe nicht gedacht, dass der Feind auf meiner Stufe zu einem geliebten Freund auf einer höheren Stufe werden kann! Und auf der höchsten Stufe umarme ich Haman – dieser vollendete Verbrecher wird zu einer heiligen Gestalt.

Wie kann es sein, dass es auf der untersten Stufe mein größter Feind, dem ich mich unmöglich nähern kann, ist und ich auf der höchsten Stufe mit ihm verschmelze?

Und wenn zwei Kabbalisten sich auf diesen Stufen, die beide spirituell sind, befinden, werden sie nicht miteinander einverstanden sein! Wie kannst du nur meinen Feind lieben? Können wir keine Freunde mehr mit dir sein?

Für einen Menschen, der die Endkorrektur/Gmar Tikun erreicht hat, sind Haman, Hitler, Ahmadinedschad, alle Menschenhasser Kräfte der Heiligkeit. Du hast sie auf den früheren Stufen gehasst und schließt auf der höchsten Stufe Frieden mit ihnen.

Das ganze Problem besteht darin, dass wir mit unserem begrenzten Verstand nicht in der Lage sind, zwei Gegensätze miteinander zu verbinden: wie kann ein Elektron gleichzeitig Welle und Teilchen sein, wie kann ein Teilchen sich gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten befinden?

Umso weniger verstehen wir, wie darüber, in der spirituellen Welt, alles aus zwei Gegensätzen, die zusammen existieren, bestehen kann: der Todesengel und der heilige Engel, der Schöpfer und der Pharao.

Wir können das mit unserem irdischen Verstand nicht begreifen und wollen hören, welche von zwei gegensätzlichen Antworten die richtige ist, dabei entsprechen sie beide der Wahrheit! Gerade bei der Verbindung von Gegensätzen enthüllt sich die spirituelle Welt, der Schöpfer!

Aus dem Unterricht nach „Beit Shaar haKavanot“ vom 04.11.2010