Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Genüsse'

Geld allein macht nicht glücklich

Anmerkung: Im Rahmen langjähriger Studien haben Wissenschaftler aus Großbritannien herausgefunden, dass ein hohes Einkommen einen Menschen nicht glücklich macht. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Personality and Social Psychology Bulletin“ veröffentlicht.

Antwort: Auch wenn die Menschen wissen, dass „Geld alleine nicht glücklich macht“, wollen sie dennoch Geld. Wenn du einen Menschen von heute fragst, was er lieber hätte, Geld oder Glück, denke ich, er würde antworten: „Geld. Mit Geld kann ich mir dann auch Glück kaufen.“

Der Egoismus, der sich derzeit in der gesamten Menschheit offenbart, braucht außer Geld nichts. Früher waren die Menschen nicht so egoistisch. In ihnen entstanden auch andere Bestrebungen, ihr Egoismus verlangte keine so allumfassende Erfüllung.

Anmerkung: Sie widerlegen also gewissermaßen diese Studie, in der es heißt, dass Menschen Familie, Kinder und Freunde als Glück betrachten.

Antwort: Sie sind zu diesem Fazit gekommen, nachdem sie sehr gründlich geprüft hatten, ob man alles mit Geld kaufen kann, und festgestellt haben, dass das nicht funktioniert.

Aber wir haben unsere absolute Entwicklung noch nicht vollendet. Wir befinden uns in der letzten Phase, die noch nicht abgeschlossen ist. Die Menschheit erkennt bereits, dass Geld kein Glück bringt und dass Glück letztendlich wichtiger ist als Geld.

Aber andererseits: Wenn das Glücksgefühl nicht auf einer materiellen Grundlage beruht, dann ist dieses Gefühl unecht. Das ist genauso, als würdest du dir eine Droge spritzen: „Ich bin glücklich“. „Was ist los?! Warum, wie, was?!“ – „Glücklich“.

Du hast eine Art Spritze bekommen und wirst von einer Welle der Wonne überflutet. Du spürst kein Leid und keine Leere mehr, musst nach nichts streben und nichts unternehmen. Du kannst nicht einmal das Leiden und die Wünsche anderer Menschen verstehen. Du kannst mit niemandem verbunden sein! Du stehst einfach wie ein Idiot mitten in der Welt und dir geht es gut.

Frage: Heißt das also, dass Glück die Entwicklung aufhält?

Antwort: Natürlich! Hätten die großen Künstler, Schriftsteller und Musiker nicht gelitten, wären sie nicht innerlich unglücklich gewesen – egal, ob sie ein Stück Brot hatten oder nicht – unglücklich in ihrer inneren Suche, in ihren Leiden, hätten sie dann überhaupt etwas geschaffen?! Niemals! Glück liegt also nicht in der Definition, die wir ihm sofort zuschreiben.

Glück kann man nur im Gegensatz zum Unglück empfinden, nur im Gegensatz zur Suche, zum Leiden, wenn du strebst und erreichst, strebst und erreichst! Aber wenn du strebst und erst später erreichst, was du gestrebt hast, ist das kein Glück!

Glück umfasst sowohl das Leiden als auch die Freude darüber. Dieser Zustand wird nur in der Kabbala erreicht, wenn die Leere nicht gefüllt wird, sondern wenn sich über ihr eine Füllung aufbaut. Sowohl die Leere als auch die Füllung existieren dauerhaft! Nehmen wir an, ich sehne mich nach etwas und empfinde durch dieses Verlangen Freude und Erfüllung.

Glück ist, wenn wir es richtig definieren, kabbalistisch gesehen, in seiner wahren Form, gleichzeitig ein Zustand absoluten Unglücks und absoluten Glücks, eine Leere und eine Fülle, die sich gegenseitig nicht annullieren.

Dann brauchst du das wirklich nicht mit Geld oder Ähnlichem zu ersetzen, denn deine Leere wird gefüllt und bleibt dabei doch eine Leere. Zum Beispiel isst du etwas und sehnst dich trotzdem die ganze Zeit danach, du trinkst etwas und sehnst dich die ganze Zeit danach, du siehst etwas und sehnst dich die ganze Zeit danach. Das heißt, die Genüsse hören nicht auf, sondern nehmen nur immer weiter zu – und in demselben Maße nimmt die Leere ebenfalls zu!

Das ist die Wissenschaft der Kabbala! Die Wissenschaft, das wahre Glück zu erlangen. Dabei führt dich das Gefühl des ständigen Glücks zum Gefühl der Ewigkeit!

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Aus der TV-Sendung „Nachrichten mit Michael Laitman“

 

Sinn des Lebens, Teil 5

Anstöße zur Enthüllung des Schöpfungsziels

Frage: Besteht der Sinn des Lebens aus Sicht der Kabbala darin, den Schöpfer dem Mensch genau dann zu offenbaren, wenn er sich in dieser Welt, in diesem Körper befindet, d.h. wenn er ein ganz normales menschliches Leben führt?

Antwort: Ja.

Frage: Fühlt sich das wie ein großer Genuss an? Schließlich ist der Zweck der Schöpfung, wie es in allen kabbalistischen Quellen steht, die Geschöpfe mit Genuss zu füllen.

Antwort: Womit? – Mit der Offenbarung des Schöpfers.

Frage: Der Schöpfer/Natur führt uns also von Beginn an dazu, dass wir uns von den kleinen, grundlegenden Genüssen, hin zu den sozialen Genüssen entwickeln?

Antwort: Wie auch immer, die Entwicklung von kleinen zu großen Genüssen führt durch das Leiden.

Frage: Das Leiden ist also der Anstoß den Zweck der Schöpfung zu offenbaren?

Antwort: Ja. Das Gefühl des Mangels, das ich noch mehr offenbaren, noch mehr verstehen, noch mehr fühlen muss, treibt uns voran.

Fortsetzung folgt

Aus der TV-Sendung „Grundlagen der Kabbala“, 14.01.2019

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Im Schatten der vorübergehenden Behausung[117045]

Der Feiertag Sukkot symbolisiert Freude. Es ist ein bemerkenswerter, angenehmer, einfacher Feiertag, den die Menschen sehr mögen. Er fordert eine frühzeitige Vorbereitung, ist aber trotzdem von einer fröhlichen Atmosphäre durchgedrungen. Warum?

Vor allem nach dem Erhalten der Tora an Shawuot des neunten Av haben wir unser Zerbrechen erkannt, was auch das Zerbrechen der Tafeln symbolisiert. Dann haben wir die Erkenntnis des Bösen erlangt und am jüdischen Neuenjahrstag (Rosh Ha-Shana) entschieden, dass wir eine Korrektur benötigen. Dann ist der Tag der Sühne (Jom Kipur) eingetreten. In der Sprache der Kabbala gilt das als Umarmung der rechten und der linken Linie, als Verbindung der Eigenschaften des Gerichtes (Dinim) mit jenen der Barmherzigkeit (Chasadim).

Und endlich beginnt der Feiertag Sukkot oder die besonderen Korrekturen, wonach ich meine Verlangen schon zum Geben erheben kann. Das Symbol dieses Prozesses ist die Laubhütte (Sukka). Alles ist äußerst einfach: Ich benutze die elementaren, „wertlosen“ Verlangen, die durch die Zweigen und die Blättern der Laubhütte dargestellt werden. Sie machen nicht viel her, aber gerade aus ihnen baue ich die vorübergehende Behausung – ein schütteres Dach, um wenigstens etwas über dem Kopf zu haben. Er ist aus Material gebaut, das keinen Wert hat und das man überall finden kann.

Nachdem ich diesen Zustand bzw. diese vorübergehende Unterkunft aufgebaut habe, kann ich mich darin freuen. Somit symbolisiert die Laubhütte das spirituelle Gefäß (Kli), worin ich das Licht empfange. Und das Dach ist das Symbol des Schirmes (Masach): Ich will kein direktes Licht empfangen, und der Schatten soll überwiegen, das Licht soll durch das Dach kaum durchdringen können.

Und ich bin darüber froh, dass ich über mir den Schirm gebaut habe, der mir hilft, den höheren Überfluss zu verbergen und im Schatten zu bleiben. Mit anderen Wörtern kann ich mich schon selbst (natürlich nur mit Hilfe des Lichtes, das zur Quelle zurückführt), von den Genüssen im spirituellen Gefäß abhalten.

Der Prozess dauert fort: Ich korrigiere mich in meinen wachsenden Gefäßen (Verlangen), ich befinde mich zusammen mit ihnen in „der Laubhütte“, ich kann sie enthüllen und mittels des Schirms benutzen.

Und dann tritt der Feiertag Simchat Tora („die Freude der Tora“) ein. „Die Tora“ ist das Licht, das zur Quelle zurückführt, das ich am Shawuot bekommen habe. Ich verwende diese Kraft für die Korrektur der Gefäße und gehe jetzt aus „der Laubhütte“ heraus. Mit anderen Worten habe ich jetzt einen unbeschränkten Schirm und brauche mich nicht mehr um das Dach sorgen.

Der Auszug aus „der Laubhütte“ ist das Symbol dafür, dass ich von nun an frei durch die ganze Realität “wandern” kann. Ich muss keinen Schirm über dem Kopf bauen, weil er jetzt in mir ist. Ich befinde mich im eigenhändig korrigierten Gefäß.

Auszug aus dem Unterricht zum Feiertag Sukkot, 18.09.2013

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Der schwarze Punkt im Ozean der Liebe

Frage: Wie kann ich die Ähnlichkeit der Eigenschaften mit dem Schöpfer erreichen, wenn Er doch sowohl die Absicht als auch die Handlung des Gebens besitzt, und ich nur die Absicht korrigieren kann. Wie kann ich denn, im wahrsten Sinne des Wortes, diese Gleichheit erreichen ?

Antwort : In der Handlung kannst du Ihm gleich werden. Du gibst Ihm etwas zurück ? – Ja, du gibst. Er gibt dir wieder etwas ? – Ja, das tut Er. Du tust alles was in deiner Macht steht um Ihm deine Liebe zu zeigen ? – Er tut dasselbe !

Wenn das kleine Kind alles tut um seine Mutter zu erfreuen, spielt es keine Rolle, ob es dabei etwas von seiner Mutter bekommt, weil einzig die Qualität der Handlung zählt.

Ebenso bei den Erwachsenen : du siehst nur die Ausrichtung der Füllung, aber hier geschieht auch die Klärung der Beziehungen und es ist möglich das der Bekommende auch gibt.

Unsere Welt existiert ohne Verbindung –  dank dem Funken des Lichtes, welcher sich in ihr befindet und die Welt belebt. Und die gesamte spirituelle Welt handelt ausschließlich im Einverständnis mit der Absicht. Wenn wir also sagen, dass uns die Lichter NaRaNChaJ ausfüllen, was sind diese Lichter dann eigentlich? Sie sind die gegenseitige Beziehung und nichts anderes.

Was bedeutet : „Ich empfange von Ihm“? ich bekomme und empfinde Seine Einstellung mir gegenüber. Und was gebe ich Ihm ? – Auch einzig meine Beziehung zu Ihm. Und genau dadurch füllen wir einander an.

Und was geben wir uns dabei ? Das spielt keine Rolle ! Wir achten gar nicht darauf. Ich kann auch nichts bekommen, es ist wie „Chafez Chessed“ (nichts für sich selbst empfangen) und auf diese Weise bauen wir unsere Beziehung auf.

Der Wunsch/Kli, der vom Schöpfer geschaffen wurde, ist der schwarze Punkt im Ozean des Lichtes. Was bedeutet „Ozean des Lichtes“? Der Ozean des Lichtes zeigt uns die Beziehung des Schöpfers zum gleichen Punkt an.

Dieser Punkt soll auch, in seiner Beziehung zum Licht, bis ins Unendliche ausgedehnt werden – wodurch er zum Gefäß des Empfangens für das Licht wird. Und was bekommt er ? Die Einstellung des Schöpfers.

Wir verstehen nicht, dass die Genüsse hier, nur in den Beziehungen untereinander empfunden werden, ohne Beziehung gibt es keine Genüsse.

Die Genüsse ohne Beziehung gibt es ausschließlich in unserer Welt. Sie existiert eigentlich nicht, sie ist eine illusorische Welt, aus welcher wir hinaufsteigen können in die Spiritualität, worin alles nur von der Absicht bestimmt wird.

Aus dem Unterricht „Die Lehre der Zehn Sefirot“, 30.11.2010 

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Ein Wunsch – zwei Absichten

„Und die Kinder stießen sich miteinander in ihrem Leibe“ (Tora, Bereschit, 25:22).

Man spricht hier über die Absichten. Der Schöpfer hat den Wunsch zu genießen geschaffen, wobei in diesem Wunsch in Wirklichkeit keinerlei Veränderungen geschehen.

Um uns zu helfen, sich selbständig zu behaupten, bleibt der Wunsch der Genüsse von uns verborgen. Er wird „in uns“ nur in jenem Maß gezeigt (obwohl wir ihn „vor uns“ empfinden), in welchem wir ihn beherrschen können.

Mit dem Wunsch zurechtzukommen – bedeutet, den „Esau“, d.h. die egoistische Absicht, die von der schlechten Umgebung herbeigerufen wird, durch den „Jakob“, durch die altruistische Absicht, die von der guten Umgebung herbeigerufen wird, zu ersetzen. Unsere Wahl ist die Wahl der Umgebung. Und der Wunsch bleibt derselbe.

Um, sagen wir, 10 Gramm des egoistischen, in mir aufwachenden Wunsches zu korrigieren, benutze ich alle Mitteln, die mir von oben geschickt werden: ich komme aus der schlechten Umgebung heraus in die gute, und stelle mich unter die Einwirkung der Gruppe, der Bücher und des Lehrers, bis sie für mich zum Schöpfer werden.
Mit anderen Worten, ich sehe dahinter die Höhere Kraft und beginne zu verstehen, dass es niemanden, außer dem Schöpfer gibt.

Und dank dieser Umgebung, wenn ich darin den Schöpfer enthülle, korrigiere ich die Absicht. Früher bekam ich etwas, oder gab etwas für das Erhalten zurück.

Jetzt mache ich die Beschränkung (Zimzum) auf die Absicht, und auf den Wunsch, der unter dieser Absicht gilt. Mit Hilfe des Lichtes beginne ich, für das Geben zu geben, und dann für das Geben zu erhalten.

Somit fallen auf einen Wunsch zwei Absichten an: entweder für sich zu bekommen, oder dem Nächsten zu geben. Gerade deshalb wird der Kampf geführt, worin die Umgebung alles entscheidet.

Wer wird in mir aufwachen: Esau oder Jakob? Die Absicht des Erhaltens oder die Absicht des Gebens? Sie kämpfen für einen Wunsch, für einen Menschen, „stoßen sich miteinander“.

Aus dem Unterricht nach dem Artikel von Rabasch, 01.11.2010

 

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Egoismus und Genuss – zwei unvereinbare Gegensätze

Es ist unmöglich egoistisch zu genießen. In dem Moment, wenn der Genuss ins Verlangen einzutreten versucht, empfinden wir die Berührung nur für einen kurzen Moment, und das Verlangen erlischt augenblicklich.

Bei geringen Genüssen nimmt man nicht so wirklich wahr, dass sich bei Berührung Verlangen und Genüsse einander auslöschen und beide verschwinden, sich gegenseitig aufheben. Aber bei größeren Genüssen, zu welchen sich der Mensch sehr zielstrebig hinbewegt und lange davon träumt, oder bei diesen besonderen Genüssen, beim Sex oder bei hoher Kreativität – fühlt der Mensch sofort, dass der Genuss im Bruchteil einer Sekunde kommt und verschwindet.

Und die Frage ist: warum? Denn ursprünglich sind egoistische Verlangen und Genüsse nicht dazu gedacht ineinander zu existieren – der Verlangen zu genießen kann in sich kein Genuss behalten. Sie sind entgegengesetzt ihrer Natur und daher erwartet nicht, dass sie eines Tages zusammen sein werden!

Aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabasch, 07.11.2011

Die flüchtigen Gedanken quer durch „Shamati“ – Die dunkle Kraft heisst „Das Reich ohne Krone“

Das Verlangen zu genießen, die egoistischen Genüsse, der egoistische Wunsch symbolisieren die materielle Welt. Und das Verlangen des Gebens, der Erfüllung ist ein spirituelles Verlangen. Zwischen den beiden Verlangen gibt es fast keine Differenz, außer den Unterschied im Ergebnis.

Wenn der Mensch tatsächlich eine Handlung des Gebens begeht, dann offenbart er das Licht. Es bedeutet, dass er Keter (die Krone) erlangt. Wenn er keine Handlung des Gebens begeht, dann erreicht er Keter nicht. Also liegt der ganze Unterschied im Endergebnis.

Deshalb heißt die dunkle Kraft der Malchut (Reich) ohne Krone (ohne Keter): wenn ich also das Verlangen zu genießen anstrebe, aber kein Licht von Keter empfange.

Auszug aus der 6. Lektion des Kongresses in Toronto, 18.09.2011

Zwei Geschöpfe im Menschen – der Mensch und die lebendige Seele

Aus dem Artikel vom Baal HaSulam „Freiheit des Willens“ (die Mitschrift)

Der irdische Staub. Am Anfang wurde der Mensch anhand der vier Arten des Verlangens zu empfangen geschaffen: anhand des unbelebten, pflanzlichen, tierischen und sprechenden Verlangens. Und darin ist er allen Teilen der Schöpfung, sowie dem „irdischen Staub“ gleich. Die Kraft oder „das Verlagen zu empfangen“ kleidet sich in die Objekte ein und besteht darin, wodurch diese zu den Wunschobjekten werden.

Und die Handlung des Empfangens heißt: „das Leben“. Vor dem Entstehen der menschlichen Arten des Genusses, die den Menschen von den übrigen Geschöpfen unterscheiden, wird er als leblos und tot bezeichnet, weil es in seinem Wunsch, keinen Raum für das Empfangen des Lebens gibt.

Die Seele. „Und Er hat in seine Nasenlöcher die lebendige Seele eingeatmet“, der Mensch bekommt also „eine Form des Empfangens“, die dem Menschen eigen ist. Das Wort „Seele“ stammt vom Wort „Atem“- hat eingeatmet, gegeben, hineingelegt (das Passiv).

Das Leben. „Er hat in seine Nasenlöcher eingeatmet“ – d.h. hat in den Menschen Seine Seele, die Gesamtheit der Formen hineingelegt, die des Aufenthalts im „Verlangen zu empfangen würdig sind“. Dann findet die Kraft oder „das Verlangen zu empfangen“ der besonderen Wünsche einen Raum, um sich in die neuen Formen des Empfangens (um des Gebens Willen) einzukleiden und darin zu bestehen. Und diese Handlung heißt „das Leben“.

Die lebendige Seele. Deshalb steht geschrieben: „Und der Mensch wurde zur lebendigen Seele“, weil „das Verlangen zu empfangen“ in den neuen Formen des Empfangens (mit der Absicht des Gebens) in Aktion getreten ist, und darin das Leben offenbart wurde, weil der Mensch die lebendige Seele bekam.

Der Tote. Und früher, obwohl er die Kraft „des Verlangens zu empfangen“ besaß, galt er nur als der tote, leblose Körper, weil es in seinem Inneren keine neuen Formen, keinen Raum für die Handlung gab. Und obwohl „das Verlangen zu empfangen“ die Grundlage des Menschen bildet, gilt dieses Verlangen jedoch als die Hälfte des Ganzen, da es sich in eine beliebige passende Realität einkleiden soll, um mit der neu gefundenen Form ein Ganzes zu bilden. Anderenfalls wird es nicht mal einen Augenblick lang existieren.

Die Mitte des Lebens. Wenn die Selbstsucht des Menschen, in der Übereinstimmung mit seiner genetischen Aufzeichnung (Reschimo), ihre volle Entwicklung erreicht, dann empfindet der Mensch „den Wunsch zu empfangen“ in seiner ganzen Fülle, d.h. er wünscht sich Reichtum, Ehre, und alles, was es sieht. Ein solcher Zustand heißt „die Mitte des Lebens“. Und danach fängt der Rückgang, das Sterben an, sein Ego erlischt allmählich, und mit ihm gehen die Bildern der Wunschobjekte verloren, die er einst empfangen wollte. Er verzichtet auf viele Genüsse, von denen er in der Jugend träumte. Die materiellen Werte verlieren an Bedeutsamkeit.

Der Tod. Und im Alter, wenn über ihm schon der Schatten des Todes schwebt, tritt die Zeit ein, die er sich nicht wünschte, weil „sein Verlangen zu empfangen“, sein Ego erloschen und verschwunden ist. Es bleibt nichts, außer dem kleinen, für das Auge unmerklichen Fünkchens übrig, das noch in einige Wunschobjekte eingekleidet ist und den Menschen in seinem tierischen Leben festhält. Aber es gibt keinen Wunsch und keine Hoffnung mehr zu empfangen.

Der Grund des Todes. Wir sehen, dass „das Verlangen zu empfangen“ und „das Bild des erwünschten Genusses“ das einheitliche Ganze darstellen. Bei diesen zwei Komponenten sind ihre Erscheinungsformen, die Größe und die Zeit der Existenz gleich. Der Unterschied zwischen der Absage „infolge der Sättigung“ und der Absage „infolge des Erlöschens des Wunsches“ besteht darin, dass infolge der Übersättigung der Mensch kein Bedauern an der Genussunterbrechung empfindet.

Die Absage infolge der Verzweiflung wird dagegen vom Bedauern und von den Schmerzen begleitet, und heißt deshalb „der teilweise Tod“. Aber der Grund der Absage (warum der Mensch stirbt!) liegt nicht in der Übersättigung, sondern in der Verzweiflung. Das Ego verringert sich und empfindet seine Schwäche und seinen Tod, wobei die Verzweiflung stärker empfunden wird und der Mensch auf die Hoffnungen der Jugend verzichtet.

Die einzige Möglichkeit sich zu verändern

Frage: Welche Einstellung muss man gegenüber den materiellen Genüssen haben?

Meine Antwort: Man muss an nichts weiteres denken, außer, wie man sich in die richtige Umgebung integrieren kann. Denn die Verbindung ist das Wichtigste, dafür sind wir geboren worden und existieren in dieser Welt. Insbesondere gilt es für unsere Zeit!

Deshalb gibt es in unserem Leben kein anderes Ziel als die Absicht, sich der richtigen Umgebung anzuschließen. Die richtige Umgebung führt mich an die Vereinigung, an die Eigenschaft des Gebens, an die Bürgschaft.

Wenn ich plötzlich eine solche Umgebung finde, dann muss ich begreifen, dass es für mich von Oben organisiert wurde; wie einst der Schöpfer auch Abraham geholfen hat, die Menschen zu einem Volk zu vereinen. Wir bekommen von den Kabbalisten ein Beispiel dafür, wie die Umgebung und die Gesellschaft aufgebaut werden sollen. Die Aufbau selbst wird von Oben gelenkt, wir können uns nicht daran beteiligen.

Aber wenn es schon irgendwelchen Anfangszustand gibt, dann müssen wir alle Kräfte dafür verwenden, dass diese Gesellschaft zu mehr Vereinigung kommt.

Nach diesem Kriterium bewerten und überprüfen wir uns. Unsere ganze Arbeit erfolgt nur in Bezug auf die Gesellschaft: sofern ich mich von ihr beeinflussen lasse, empfange ich die Kraft des Gebens, die mich verändert.

Der Mensch kann sich selbst nicht ändern. Das Problem liegt darin, dass wir verwirrt sind und darauf hoffen, uns ändern zu können. Der Mensch denkt: „Jetzt werde ich mich überprüfen, ich werde alle Kräfte sammeln und mich ändern!“ Aber es ist eben die falsche Arbeit, welche eher ein Götzendienst ist. Denn ich sehe in mir die Kräfte, die dem Schöpfer gleich sind, und meine, dass ich selbst ohne Ihn etwas machen kann.

In Wirklichkeit habe ich nur eine Freiheit – mich an die richtige Umgebung anzuschließen.
Auszug aus dem Unterricht nach dem Artikel von Rabasch, 28.09.2011

Der Geschmack des Genusses

Alles, was wir brauchen, ist die Entwicklung des Verlangens. Ich erinnere mich daran, wie eine der Arbeiterinnen meiner Poliklinik einst das hausgemachte Essen der jemenitischen Küche mitbrachte.

Am Anfang konnte ich nichts probieren, ich verstand einfach nicht, was das Essen soll – weil dieser Geschmack weit von dem entfernt war, den ich gewohnt war. Aber mit der Zeit gewöhnte ich mich daran und probierte das Essen – so dass ich allmählich den Geschmack dieser Küche mochte.

Ebenso wird das Kleinkind in diese Welt geboren, und hat noch keine Empfindung für Geschmäcker. Später beginnt es,sich je nach den Bräuchen und den Vorlieben der Gesellschaft, daran zu gewöhnen und Geschmack an diesem Essen zu finden. Denn ohne Geschmack, ohne Verlangen danach, gerade dieses Gericht zu kosten, kann man es niemals genießen.

Man könnte natürlich essen, um nicht zu verhungern, aber wir sprechen über die Genüsse. Als ein lebensnotwendiges Minimum kannst du die Genüsse dieser Welt empfangen, aber alles, was darüber hinaus läuft, ist nur dann zugänglich, wenn du das Geben genießen möchtest.

Frage: Baal HaSulam schreibt, dass hierfür nur die psychologische Umstellung benötigt wird. Was stellt sie als solche dar?

Meine Antwort: Wir verstehen nicht, wie man die Liebe und das Geben genießen kann. Dabei ist ein „Geliebter“ nicht einfach mein Kind, um das ich mich „definitiv“ gerne sorge. Nein, es handelt sich eher um die fremden, fernen und verhassten Menschen.

Es gleicht dem Essen einer fremden Küche, die ich nicht mag. Und ich beginne absichtlich, in mir die Geschmäcke zu entwickeln, das Herangehen, die Nähe, das Verständnis zu suchen. Allmählich kommen in mir die entsprechenden Wünsche auf – dann fühle ich plötzlich, dass ich diesen Menschen mag.

Hier entsteht schon folgende Frage: wenn ich ihn mag – dann wird mein Geben doch wieder egoistisch? Denn ich genieße es doch?

Das ist richtig, aber während ich liebe, hebe ich den vorigen Hass nicht auf. Er ist ständig in mir, er wächst mit, wie bei Rabbi Schimons Schülern, die im Buch Sohar schrieben, wie sie zunächst einander hassten , und später zur Liebe gelangten. Jedes Mal kommen wir in zwei Linien voran, erheben wir die Liebe über den Hass, wie gesagt wird: „die Liebe wird alle Verbrechen verhüllen“.

Gerade zusammen ergeben der Hass und die Liebe den Geschmack, „den Saft“, die Stärke des Genusses. Sie sind wie zwei Zügel. Wenn du den Hass annullierst , dann bleibt von der ganzen Stärke des Genusses nur der kleine materielle Bruchteil übrig. Wenn du dagegen über den Hass hinaufsteigst, ihn mit dem Schirm der Liebe abdeckst, dann bekommst du ein großes Gefäß mit dem riesigen Genuss.

Auszug aus dem Unterricht über die „Einführung in die Wissenschaft der Kabbala“ (Pticha), 23.05.2011