Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Das schwierigste, einzuhaltende Gebot

Du sollst keine anderen Götter neben mir haben! Du sollst dir kein Bildnis oder irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was in den Wassern unter der Erde ist. Bete sie nicht an

und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter an den Kindern straft bis ins dritte und vierte Glied derer, die mich hassen, der aber Barmherzigkeit übt über Tausende, die mich lieben und meine Gebote halten. (Tora, Exodus, Jitro, 20:3-20:6).

Die Gebote gelten als die Grundlage des menschlichen Gesetzeskodex, als Fundament des menschlichen Daseins. Sie werden in allen Religionen, in allen Gesellschaften akzeptiert und gelten als Grundlage des menschlichen Zusammenlebens. In der Kabbala haben sie eine ganz andere Bedeutung.

„Du sollst keine fremden Götter haben, du sollst dir kein Bild machen“ – ist das am schwersten fassbare aller Gebot.

Das heißt: Ich bin der Einzige! Ich bin körperlos. Man kann Mich nicht abbilden, noch Mich in irgendeiner Weise vorstellen, weder mit den Sinnen noch mit dem Verstand begreifen! Ich gebe euch keinen Anhaltspunkt: Ihr könnt Mich nicht in eure Tasche stecken, in eine Ecke stellen, an die Wand hängen, ein Amulett oder ein Symbol aus mir machen – nichts!

Das ist beim Menschen nicht der Fall. Er ist wie ein Kind, das sich ein Spielzeug schnappt und es wochenlang lang nicht mehr loslässt. Es gibt ihm Trost. 

Ein Mensch geht in den Tempel, betet, beichtet und fühlt sich erleichtert: „Alles wird gut, alles ist in Ordnung.“ Das ist ein Heilmittel für ihn, eine Beruhigung, ein Schutz vor allen möglichen Problemen: soziale, familiäre, usw.

Hier hat man nichts! An wen soll man sich wenden, wenn man sich Ihn nicht vorstellen kann? Das ist ein Problem. Für einen einfachen Menschen in unserer Welt gibt es also keinen Gott. Er kann ihn sich weder vorstellen, noch kann er ihn fühlen. Denn das, worum es geht ist eine Eigenschaft des Gebens, der Liebe, etwas Formloses, das alles erfüllt- und gleichzeitig – nichts Greifbares ist. Wo kann man das enthüllen? Man muss es doch irgendwie wahrnehmen können- aber da ist nichts!

Deshalb kann man sich diesen Gott, die Höhere Kraft von der die Tora tatsächlich spricht, nicht vorstellen, und mit ihr in Kontakt treten. Dazu benötigt man irgendetwas, woran man sich festhalten, an das man sich wenden, sich irgendwie vorstellen kann.

Frage: Warum werden all diese Fäden abgeschnitten? Der Mensch scheint in der Luft zu hängen… Wozu?

Antwort: Damit man Ihn auf einer ganz anderen Stufe findet und auf Seine Stufe aufsteigt. Dann wird man spüren, was man vorher nicht erkennen, fühlen und erfassen konnte, dann wird man ganz neue Sinnesorgane bekommen, sie werden die „fünf Sefirot“ genannt.

Davor gibt es die Fragen: „Welcher Gott? Da ist nichts.“ Natürlich gibt es eine Natur, die mich dreht, die mich voranbringt, die etwas tut: die lenkt, vorantreibt, etwas macht: Sie zwingt einen zu leben, zu existieren, Kinder zu zeugen, sich durch die Gesellschaft zu lenken und sich dann unter die Erde begraben zu lassen. Und das war es.

Ich übertreibe die Dinge absichtlich um zu zeigen, dass der Mensch keine Verbindung zum Schöpfer oder zur Tora hat. Deshalb heißt es, dass die Tora rein ist, denn niemand hat sie je berühren können.

Die Tora ist eine Lehre, sie ist eine spirituelle Mechanik, die völlig losgelöst vom Menschen ist!

Es ist gut, dass man sie als Grundlage für Regeln, das menschliche Zusammenleben und als Rechtssystem zugrunde gelegt hat. Ohne sie wären wir Barbaren!

Ich betone noch einmal, dass diese Regeln und Gesetze nichts mit dem wahren Inhalt der Thora zu tun haben.  Man muss erkennen, dass ihre Stärke, ihre Wahrheit, ihr Innerstes nicht darin liegt, was man in dieser Welt tut, sondern darin, dass sie einen dazu bringt, auf eine höhere Stufe aufzusteigen, auf der wir den Schöpfer offenbaren, auf der es nicht nötig ist, dass Er sich für uns in eine Form oder Erscheinung kleidet.  Man steigt zu solchen Wahrnehmungssorganen auf, in der keine äußere Gestalt nötig ist, da wir selbst aus uns heraustreten.

Deshalb ist das Gebot „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“ das erste, grundlegende Gebot. Jedes weitere Gebot (denn nicht umsonst sind sie in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet), bestimmt seine Erfüllung und alle nachfolgenden Gebote.

Wenn man dieses Gebot nicht erfüllen kann, sind alle anderen bedeutungslos. Sie führen einen nicht zum Ziel. Dieses erste Gebot muss man ständig vor Augen haben. Um seinetwillen erfüllt man alle anderen.

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Aus der Fernsehsendung „Die Geheimnisse des Ewigen Buches“

 

Die Konturen innerer Schönheit

Frage: Michelangelo sagte, dass er nicht bildhauerisch gestaltete, sondern nur das wegmeißelte, was das wahre Bild des Steines verbarg. Welches Bildnis, muss ich im Felsblock der „Umgebung“ enthüllen, so dass ich die sprirituelle Verbindung heraus meißeln kann.

Antwort: Pures Geben. Bitte die höhere Kraft zu erscheinen und die Konturen des puren Gebens für dich zu zeichnen, denn es ist nur die höhere Kraft welche dich begrenzt. Wie Michelangelo, der die Konturen der Schönheit innerhalb eines Steines empfinden konnte. Ich muss wissen, was meine Konturen, meine Begrenzungen sind: Inwieweit kann ich das Verlangen zu geben verwenden und welche Begrenzung gibt es jenseits davon, welche mich daran hindert es zu tun.

Alles, was für das Geben relevant ist, wird zu einem Kunstwerk der Schöpfung, und was nicht, dass lasse ich weg. Dadurch, bringe ich das Bild der wahren Welt hervor.

Aus dem 4. Teil des täglichen Kabbala Unterrichtes, 15.3. 2011 über die integrale Welt

Bloß keine Idole!

Eine Frage, die ich erhielt: Während des Lesens des Buches Sohar, versuchen wir uns etwas vorzustellen, was wir noch nicht wahrnehmen können: Die gemeinsame Seele, Adam HaRischon, die Vereinigung.

Bedeutet das nicht, dass wir den Verbot der Tora überschreiten – „mach dir kein Bildnis“?

Meine Antwort: Nein. Ich stelle mir ja nicht, etwas aus Gestalten unserer Welt, etwas materielles vor. Ich möchte meine Verbindung zu den anderen spüren.

Ja, diese Verbindung malt sich in meinem begrenzten Vorstellungsvermögen in Form von gewöhnlichen Gestalten und Beziehungen. Aber es handelt sich um ein Gefühl, um ein Verlangen, nicht um materielle Bilder.

Sei es auch egoistisch, aber wir versuchen uns doch an die spirituelle Form näherzubringen. Der Mensch baut sich auf, aus dem vorhandenen Material.

Hauptsache ist es – eigene Verbindung zu den anderen entdecken zu wollen. sie existiert, sie ist nur vor mir verborgen. Ich taste sie im Dunkeln, im Nebel und warte darauf, dass der Sohar den Schleier, der meine Empfindungen bedeckt auseinanderweht und das wahre Bild darin zeigt.

Dieses Bild werde ich nicht mit Augen sehen, sondern mit dem Herzen und dann werde ich tatsächlich alles spüren, wovon das Buch Sohar erzählt. jetzt weiß ich noch nicht wie das wird, in jedem Fall in Form von gegenseitigen Verbindungen.

Denn es existiert nichts, außer Arten der Verbindung zwischen Teilen des spirituellen Verlangens, das man „Seele“ nennt. Zwischen diesen Teilen fließt das Licht NaRaNCHaJ, das als Ganzes der Schöpfer selbst ist.

Aus einem Unterricht über das Buch Sohar. Vorwort, 23.11.2010

Wie kann man die „giftigen Schlangen“ bewältigen?

Kurze Zusammenfassung vom Wochenabschnitt Chukat [Numeri, 19:1 – 22:1], T.7 [21:21 – 22:1]: …Und wieder beginnt das Volk, sich über all seine Missgeschicke zu beklagen, und zu sagen, dass es umsonst aus Ägypten weggeführt wurde.

Daher sendet der Schöpfer eine Menge von giftigen Schlangen; so bereut das Volk sein Murren und bittet Moses, dass er dieses Leiden von ihm nehmen soll.

Moses betet für sie und bekommt eine Anweisung vom Schöpfer, wie er aus dieser Situation mit Hilfe einer ehernen Schlange herauskommt.

Während des ganzen spirituellen Weges ist der Mensch mit Fragen übewältigt und weiß nicht, was er tun soll.

Er beugt sich unter der Last, sodass er giftige Schlangen herausruft, das heisst, dass das ursprüngliche, der Schöpfung zugrunde liegende Verlangen, zu genießen, aufzuwachen beginnt.

Und was hilft dem Menschen? Ihm hilft, dass er eine Schlange aus Kupfer herstellt. Das heißt, er beginnt zu verstehen und zu spüren, dass alles was ihm gegenüber steht, nur eine Statue ist, und nicht etwas Lebendiges.

Wenn diese Schlangen von außen kommen, so scheinen diese dem Menschen ein Ausdruck der höheren Kraft zu sein.

Aber wenn der Mensch selbst das gleiche bildet, wird ihm klar, dass dies keine höhere Kraft, sondern nur ein Spiel seiner Vorstellungskraft ist, und das alles ist nur ein dummes Hindernis , welches sich innerhalb von ihm selbst bildet.

Sobald Moses eine ehernde Schlange gechaffen hat, löste sich das Problem, und das Volk Israel wurde diesen Kummer los.

So zeigt uns die Tora verschiedene Schutz- und Korrekturmethoden.Die „eherne Schlange“ ist eine sehr interessante Methode, sich über seinen „bösen Trieb“ – den Egoismus – zu erheben, wenn du etwas ihm gegenüber baust und somit verstehst, dass alles vor dir stehende nur eine illusorische Fantasiegestalt ist.

Du siehst das dadurch, dass du selbst dieses Idol baust. Man kann dies Abreitstherapie nennen. So wird der Mensch dieses Problem, das Erwachen der Schlange in sich, los. Selbstveständlich sind alle diese Handlungen innere Handlungen.

Eine Frage: Einerseits, steht geschrieben: „Mach dir kein Bildnis“. Hier aber befiehlt der Schöpfer Moses, sich einen Götzen zu machen.

Meine Antwort: Das stimmt. Manchmal verfahren wir so mit unseren Kindern. Wir zwingen sie dazu, etwas zu machen, damit sie keine Angst mehr davor haben: „Gehen wir gemeinsam zum Hund, und du wirst sehen, er wird dir gar nichts tun!“

Vor dir steht eine Gestalt, und du denkst, sie kommt von oben, vom Schöpfer, dass die Schlange eine höhere Kraft symbolisiert, die über dich regiert.

Aber der Schöpfer sagt: „Nein! Tue selbst das gleiche, und du wirst sehen, dass das ganze nur in deinem Kopf passiert, du hast dir diese Schlange nur ausgemalt.“

In der Tat, es befindet sich nichts vor dir, es scheint dir nur so. Und wenn du diesen „Götzen“ baust, wirst du sehen, dass in ihm nichts ist und all diese giftigen Schlangen, die angeblich kommen und dich erschrecken, nichts an sich haben, außer dem, was du selbst in sie hineingelegt hast. Du hast sie geschaffen, und nicht eine höhere Kraft. Baue selbst einen Goetzen, und du wirst sehen, dass es so ist.“

„Eherne Schlange“ bedeutet eine Methode der Heilung, die dir einen richtigen Umgang mit dem egoistischen Wunsch erlaubt.

Aus einem Soharunterricht, nach dem Wochenabschnitt Chukat , 14.06.2010

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Mach Dir kein Bildnis!

Eine Frage, die ich erhielt: Ist das Ziel des Soharlesens die Entwicklung unserer Empfindlichkeit zu dem, was wir in unseren fünf Sinnesorganen wahrnehmen? Die Entwicklung unseres Bewusstseins, unseres Verstehen dieser Welt?

Meine Antwort: Ganz und gar nicht! Wenn ich das Buch Sohar lese, vergesse ich diese Welt, ich sehe und spüre sie nicht. Ich trete in ein System der höheren Lenkung ein, lese darüber, studiere sie und versuche sie zu spüren, das heißt, mich mit ihr in meinen Gefühlen und in meinem Verstand zu verbinden. Sofern ich dazu in der Lage bin, versuche ich alle Namen und Bezeichnungen, die im Sohar stehen, zu verwenden.

Denn im Grunde genommen spricht der ganze Sohar von ISChSuT, SA, Malchut und den Seelen. Alles passiert zwischen SA und Malchut, aber der Sohar bringt dies durch tausende von allen möglichen Namen und Situationen zum Ausdruck. Deshalb versuche ich, wenn ich den Sohar lese, in diese spirituellen Zustände einzutreten, anstatt sie in unserer materiellen Welt an mich heranzuziehen. Wozu brauche ich sie?

Ich muss mich im Spirituellen erkennen, spüren, wie ich mich in SoN der Welt Azilut einkleide, mich mit Ihm, dem Schöpfer, identifiziere und mit Ihm in allen meinen Wünschen und Gedanken verschmelze. Ich muss versuchen, immer alles, was geschieht, in einem Körper der gemeinsamen Seele, zu sehen. Denn das alles sind doch meine Eigenschaften: Abraham, Isaak, Jakob, Moses, Josef, Aron, David – alle Handlungen von denen das Buch Sohar erzählt: die Klipa und Heiligkeit, die SoN Stufen der Welt Azilut.

Unsere Welt existiert für mich so gut wie gar nicht. Es ist als ob, ich sie weder verstehen noch wahrnehmen würde. Ich brauche diese illusorische Welt nicht. Es steht geschrieben, dass wir auf das Niveau der höheren Welt aufsteigen müssen; und von da, wenn wir uns mit den höheren Wurzeln schon ein bisschen auskennen, können wir ihre Zweige, die in unsere Welt heruntersteigen, studieren. Aber sich einfach so nur mit den Zweigen zu beschäftigen, ist absolut unnötig. Darüber hinaus es ist verboten, die höheren Wurzeln mir ihren Zweigen zu verknüpfen.
Dies wird Götzendienst genannt, wenn man die Bezeichnungen der Handlungen aus der höheren Welt nimmt und versucht, ihre Folgen einer hier in dieser Welt entsprechend zu sehen.

Verboten ist es, weil es schlicht falsch ist. Was heißt verboten? Es existiert einfach nicht. Das nennt man – sich ein Bildnis machen.

Aus einem Soharunterricht , 10.06.2010.

Zwischen Himmel und Hölle


Der Sohar, Abschnitt „Tazria (Wenn eine Frau gebiert)“, Punkt 20:
Wenn die Seele zum Eingang in diese Welt absteigt, steigt sie zuerst zum Garten Eden der Erde ab und sieht die Pracht der Geister der Gerechten, die Reihe für Reihe stehen. Anschließend geht sie zur Hölle und sieht die Niederträchtigen schreien „Ach! Ach!“ und niemand bemitleidet sie. Ihr wird Zeugnis von allem gegeben: die Niederträchtigen bezeugen, wie sie für jede Sünde bestraft werden, und die Gerechten bezeugen die gute Belohnung, die sie für jede Mizwa [gute Tat, Gebot] erhalten. Und das heilige Bildnis steht über ihr, bis sie zu dieser Welt aufbricht.

Der Sohar spricht immer über eine Seele, einen Menschen. Egal ob über den Garten Eden und die Hölle, oder die Gerechten und die Gottlosen gesprochen wird – alle diese sind in einem Menschen beinhaltet.

Wenn wir das System unserer Seele betreten, werden wir in unsere innere Wirklichkeit versinken und alle dortigen Möglichkeiten überprüfen. Dies ist es, was gemeint ist, wenn von der Reise zwischen dem Garten Eden und der Hölle die Rede ist, um zu untersuchen, was dort geschieht. In anderen Worten erschaffen wir so eine Landkarte unseres spirituellen Fortschritts.

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Das Fundament der Weisheit der Kabbala


Frage: Ich versuche, den Widerspruch zwischen der Phrase „Glaube über dem Verstand“ und Ihrer wiederkehrenden Aussage, dass die Kabbala sich nicht auf Glauben gründet, sondern auf Empfindungen und präzises Wissen, unter einen Hut zu bringen.

Heißt „Glaube über Verstand“, dass ich, anstatt blind etwas zu glauben, das mir erzählt wurde, selbst entscheiden darf, ob ich das Erzählte für wahr oder falsch befinde?

Antwort: Der erste Mensch, der dies fühlte, war Adam (siehe auch Baal HaSulams Artikel „Das Geheimnis der Weisheit“ im Buch Früchte der Weisheit, hebr.). Der jüdische Kalender beginnt an diesem Tag – dem ersten Tag des Monats Tishrey im Jahre 0 (vor 5768 Jahren).

In den auf Adam folgenden Generationen gab es weitere, die den Schöpfer enthüllten, doch die Kabbala, wie wir sie heute kennen, entstand 20 Generationen später im alten Babylon (vor 4000 Jahren). Ein babylonischer Priester namens Abraham „entdeckte“ die kabbalistischen Prinzipien und schrieb sie im „Buch der Schöpfung“ nieder. Er versammelte auch Gleichgesinnte um sich und bildete mit ihnen die erste kabbalistische Gruppe. Seine Anhänger – physische und spirituelle Söhne (damals wurden die Menschen nach dem Anführer des Stammes genannt) entwickelten sich weiter spirituell fort. Solange bis sie durch einen spirituellen Abstieg die Empfindung des Schöpfers verloren und die Empfindung unserer Welt bekamen (als Ergebnis wurde der Zweite Tempel vor 2000 Jahren zerstört).

Danach fielen auch alle Definitionen und Namen, die vorher benutzt wurden, und die Sprache im Allgemeinen (Hebräisch) vom ehemaligen spirituellen Niveau auf das weltliche Niveau. Dieselben Worte wurden an Dingen festgemacht, die man sehen, hören und verstehen konnte. Die Worte erhielten sozusagen eine körperlich weltliche Bedeutung und verloren die Bedeutung, die sie in der Vergangenheit hatten. Seit damals werden kabbalistische Texte mit denselben Buchstaben und Worten geschrieben, doch alles hängt von der Person ab, von der sie gelesen werden – entweder handelt es sich um jemand, der sich auf einer spirituellen Stufe befindet oder eben „nur“ auf einer körperlich weltlichen.

„Glaube über Verstand“ beschreibt folgende Voraussetzung: Das Verlangen (die Eigenschaft) zu geben (Bina, Chafez Chessed, das Licht Chassadim) steht über dem Verlangen zu empfangen – auch Wissen genannte, denn darin empfängt man das Licht der Weisheit – Chochma.

Für Menschen, die die Höhere Welt nicht wahrnehmen, ist das Wort „Glaube“ gleichbedeutend mit an etwas zu „glauben“, das vielleicht existiert – vielleicht aber auch nicht, etwas, was man nicht fühlen kann. Die Kabbala spricht aber nicht von dieser Art zu „glauben“, denn sie bemüht sich ausschließlich darum, den Schöpfer für die Menschheit in dieser Welt zu enthüllen! (siehe Baal HaSulams Artikel: Das Wesen der Wissenschaft der Kabbala)

Wenn Sie also beim Lesen kabbalistischer Texte die Wahrheit verstehen wollen, müssen Sie das Gelesene von einer körperlich weltlichen auf eine spirituelle Stufe „übersetzen“. Dann werden Sie sich nicht wie all die religiösen Menschen verwirren, die kabbalistische Texte (Tora, Talmud usw.) nur auf einem „materiellen“ Niveau interpretieren. Eigentlich ist das die grundlegende Quelle aller Missinterpretationen des Schöpfers.

Im Artikel „Das Geheimnis, die Weisheit zu erreichen“ schreibt Baal HaSulam: „Die Erkenntnis des gesamten Universums in seiner ganzen Tiefe und alle Beziehungen seiner Einzelteile wurden von Adam vollständig verstanden.“ Daher nennen wir ihn den „Ersten Menschen“ – denn er war der erste, der die Stufe „Mensch“ – Adam in Hebräisch – erreicht hat. Adam bedeutet „im Bildnis des Schöpfers“.

Verwandtes Material:
Blog-post: Religion ist eine kulturelle Tradition, Kabbala ist die Methode der Korrektur
 

„Und Gott schuf den Menschen nach Seinem eigenen (Ab)Bild“


Eine Frage, die ich erhielt: Können Sie mehr über die Bedeutung der Aussage machen, dass der Mensch nach dem Bildnis seines Schöpfers geschaffen wurde? Die Kabbala erklärt den Begriff Bild als Abdruck, wie wenn ein Abdruck durch eine Form gemacht wird, um eine Maske herzustellen, oder wie bei einem Siegelring, wo die Höhere Kraft das Design des Ringes darstellt, und die Menschheit ist der Wachsabdruck, welcher gegensätzlich zur Form (oder Essenz) des Schöpfers ist. In meiner Kultur wird uns üblicherweise gelehrt, dass wir nach dem Bild Gottes geschaffen wurden, und zwar im positiven Sinn, wie in dem Ausspruch „er ist seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten“. Die ganze Kabbala scheint mir auf dieser Definition des Wortes „Bild“ zu gründen, insofern halte ich es für notwendig, die Definition des hebräischen Wortes für „Bild“ in Begriffen, die aus den Quellentexten stammen, welche die Genesis beinhaltet, zu erklären.

Meine Antwort: Das Licht (der Genuss) prägte sich in das Verlangen ein, wodurch ein entsprechendes Verlangen geschaffen wurde, welches durch dieses Licht gefüllt werden wollte. Danach enthüllte das Licht seine „gebende“ Essenz gegenüber diesem „Verlangen, welches gefüllt werden wollte“, und zeigte dem Verlangen dadurch dessen gegensätzliche Natur. Dies zwang das Verlangen, sich dem Licht anzugleichen – also „gebend“ zu werden.

Wir sind diejenigen, die durch diesen Prozess gehen, entweder unfreiwillig oder freiwillig. Wir gehen solange unfreiwillig, bis in uns ein Wunsch erwacht, es freiwillig zu tun. Wir kommen dann unfreiwillig zur Kabbala, welche die Methode ist, sich dem Schöpfer aus freien Stücken anzugleichen.

Sobald jemand freiwillig beginnt, sich dem Schöpfer anzugleichen, erhält er Kontrolle über sich und seine Welt. Jeder wird dies erreichen, egal ob durch Leiden oder die Erkenntnis der Notwendigkeit, gefolgt durch die Realisierung und die Liebe.

Verwandtes Material:
Blog-Post: Kabbala leht Liebe und Schenken – und sonst nichts!
Artikel von Baal HaSulam: Materie und Form in der Wissenschaft Kabbala
Shamati 4: Der Grund für die Schwierigkeit, sich vor dem Schöpfer zu annulieren