Exil – das ist die Trennung von Brüdern

Frage: Was bedeutet das ägyptische Exil im Verhältnis zu den Freunden?
Antwort: Das ägyptische Exil steht für einen Zustand, in dem der Mensch keine echte Verbindung zu seinen Freunden herstellen kann, da der Pharao zwischen ihnen steht und über sie herrscht. In diesem Zustand ist der Mensch gezwungen, für den Pharao zu arbeiten, anstatt für seine Freunde, was ihn in eine Art Sklaverei führt.
Zunächst empfindet der Mensch eine gewisse Zufriedenheit in diesem Exil. Er kümmert sich nicht um seine Freunde, sondern ist vielmehr auf den Pharao – den König – fokussiert, der ihm ein vermeintlich gutes Leben und egoistische Erfüllung bietet. Diese Erfüllung stillt seinen Neid, Begierde, Ehrgeiz und seinen Drang nach Macht und Autorität. Er bindet sich an den Pharao und ist bereit, für ihn zu arbeiten.
Doch allmählich beginnt der Mensch zu erkennen, dass dieses Leben nicht erfüllend ist. Er merkt, dass er keinen Fortschritt macht und das Ziel der Schöpfung nicht erreicht. Diese Erkenntnis führt dazu, dass er sich im Exil unwohl fühlt. Wie es in der Schrift heißt: „Und die Söhne Israels seufzen wegen dieser Arbeit“, als sie realisieren, dass die prächtigen Städte wie Pitom und Ramses für den Pharao gebaut wurden, und die für sie selbst zu armen, unglücklichen Städten wurden.
Alles, was gebaut wurde, bringt ihnen keinen Nutzen, sondern im Gegenteil, es droht die Gefahr (Gefahr/“sakan“, arm/“miskin“), für immer in Ägypten zu bleiben, in diesem Zustand der Abneigung zueinander, in einem sinnlosen, unglücklichen Leben. Und dann beginnen sie den Wunsch zu entwickeln, diesen Zustand zu verändern und zur Erlösung zu gelangen.
Von dem Moment an, in dem wir das zu erkennen beginnen – öffnet sich Moshe (der Punkt im Herzen), der aus der ägyptischen Sklaverei an einen anderen Ort fliehen möchte. Das heißt, dass die Moshe-Eigenschaft im Menschen sich vom Pharao, vom Ego abtrennt und beginnt, unabhängig zu wachsen, mit dem Ziel, auch andere aus der ägyptischen Gefangenschaft zu befreien. So beginnt der Kampf zwischen Moshe und dem Pharao.
Der Pharao und Moshe kämpfen gegeneinander, und zwischen ihnen steht der Schöpfer. Auf der einen Seite verhärtet Er das Herz des Pharao, auf der anderen Seite stärkt Er Moshe und sagt zu ihm: „Fürchte dich nicht, wir gehen zusammen zum Pharao!“ So lehrt der Schöpfer Moshe, sich an die mittlere Linie zu halten.
Auf der einen Seite steht der Pharao, auf der anderen Seite die Kraft des Schöpfers, und Moshe wächst zwischen ihnen und durchläuft die zehn ägyptischen Plagen, die ihm helfen, grundlegende Eigenschaften zu erlangen.Als er schließlich flieht, schließen sich ihm auch seine weiteren Eigenschaften an, die ebenfalls bereit sind, Ägypten zu verlassen.
So kommen wir zu einem Zustand, in dem es uns nicht mehr ausreicht, einfach vor dem Pharao geflohen zu sein – vor unserem egoistischen Verlangen, von dem wir uns getrennt haben. Jetzt müssen wir die Eigenschaft des Gebens erlangen, was uns zum Empfang der Tora führt.
Das bedeutet, dass das Licht, das zur Quelle zurückführt, zu wirken beginnt, und wir beginnen, es anzuziehen. Unsere Verbindung zueinander muss sich vertiefen. Wir bewegen uns ständig auf eine stärkere Verbindung zu.
Das ägyptische Exil zeigt sich darin, dass wir einander verachten, insbesondere in der Figur Josef – der Beginn der mittleren Linie. Wir teilen uns auf. Das Exil beginnt jedoch bereits mit der Erkenntnis: „Wie gut und angenehm ist es, wenn Brüder zusammen sitzen“ – ein Verständnis, das nur Josef hat.
Josef möchte alle seine Brüder, die „neun ersten Sefirot“, mit sich verbinden, denn er selbst ist die letzte Sefira, Jessod. Daher sagt er: „Wie gut und angenehm ist es, wenn Brüder zusammen sitzen.“ Wenn er sie vereint, entsteht ein spirituelles Gefäß.
Dann wird in Ägypten noch eine tiefere Verbindung erreicht, als die sieben hungernden Jahre kommen und sie erkennen, dass sie einen gemeinsamen verhassten Feind haben – den Pharao. Wenn sie sich von ihrem Ego, dem Verlangen nach Genuss, abwenden und bereit sind, sich zu verbinden, wie ein Mensch mit einem Herzen, in gegenseitiger Bürgschaft, dann erfüllen sie die Bedingungen für den Empfang der Tora – das ist der nächste Schritt in ihrer Verbindung.
Jedes Mal wird die Verbindung stärker und stärker. Alle Sünden, die sie in der Wüste begehen und dann korrigieren, richten sich gegen die Verbindung und führen schließlich zur Verbindung. Es gibt nichts Wichtigeres als die Verwirklichung des Prinzips der Liebe zum Nächsten wie zu sich selbst – das zentrale Gebot der Tora.
Alle Gebote, also korrigierende Handlungen, sind darin eingeschlossen. Bis wir nicht die richtige Verbindung erreichen und ins Land (Erez) Israel eintreten (Yashar-El – ‚gerade zu dem Schöpfer‘), was bedeutet, den Willen (Razon) zu erlangen, der dem Schöpfer ähnlich ist und mit ihm verbunden ist, bleibt uns, den Weg zu gehen.
Daher ist die Liebe zu den Freunden nicht einfach nur eine schöne Geste, sondern ein Mittel, um das Ziel der Schöpfung zu erreichen und zu verwirklichen!
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Aus der Lektion über den Artikel von Rabash






Wenn ich einen Artikel, der von einem Kabbalisten geschrieben wurde, lesen will, muss ich als erstes meine Haltung gegenüber dem Verfasser prüfen. Er muss für mich eine unanfechtbare Autorität besitzen, und mich selbst muss ich als einen kleinen Splitter sehen, der von den Wassermassen getragen wird.
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