Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

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Wann wird die Rechnung fällig?

Bemerkung: Jonathan Swift sagte „Für all die Begierden und Unterhaltungen werden wir mit viel Leiden und Sehnsucht entlohnt werden – es ist als ob man seine angesammelten Ersparnisse ausgibt,  bevor die Zeit gekommen ist“.

Antwort: Was die Kabbala betrifft, so ist das nicht ganz richtig. Denn ein Mensch wird nicht aus freiem Willen geboren und er kann sich nicht für eine Familie entscheiden. Er weiß nicht, ob er eine wunderbare Erziehung erhält, ohne das ihm  etwas vorenthalten wird, da seine Familie so ist wie sie ist, darum kann man auch nichts von ihm verlangen. Er wurde nach dem Höheren Plan erschaffen.

Frage: Hat er keine Freiheit?

Antwort: Nein, natürlich nicht. Er ist nicht dafür verantwortlich. Erst dann, wenn er eine klare, sichere Möglichkeit hat, sich neu zu orientieren, dann wird er zur Verantwortung gezogen, aber auch nur in dem Maß, wie ihm diese Möglichkeit tatsächlich gegeben wurde.

Alle Menschen, die es in unserer Welt gibt, von reich bis arm, von gesund bis krank, wirklich alle, existieren so wie sie existieren. Es können keine Ansprüche an sie gestellt werden.

Frage: Aber wir stellen immer noch Ansprüche, oder? Wie beurteilen wir Menschen?

Antwort: Sie urteilen nach ihren eigenen Gesetzen. Sie haben die Gesetze erfunden und urteilen danach. Wie kann man Menschen beurteilen?! Was habe ich vom Schöpfer, der mich so schuf? Der Schöpfer hat auch meine Eltern erschaffen, damit sie mich beeinflussen können. Verurteilen Sie mich dafür?

Wer bin ich jetzt? Wo habe ich meinen Punkt -den Punkt der Freiheit, den ich nutzen und aus dem ich mich herausheben kann? Wie kann ich es wissen?

Was hat ein Mensch, das ihm nicht von der Natur gegeben wurde? Wie kann er sich dann selbst verändern? Wenn ich mich ändern muss, dann muss ich ein Druckmittel haben.

Was für einen freien Willen hat ein Mensch? Wie äußert er sich? Es gibt keinen freien Willen. Man kann weder auf eine freie Bewegung, noch auf ein freies Verlangen oder einen freien Gedanken verweisen, die nicht von jemandem, oder von etwas kommen würde. So etwas gibt es nicht! Aus diesem Grund ist kein Mensch frei.

Bemerkung: Bin ich so von Geburt bis zum Tod von der Natur erschaffen worden?

Antwort: Ja, absolut in allem! Sogar bei der Illusion von Freiheit!

Bemerkung: Hier spielt die Natur mit mir, was gibt mir die Illusion von Freiheit?

Antwort: Die Absicht dahinter ist, dass du dich als Mensch fühlst!

Freiheit erscheint erst dann, wenn eine andere, Höhere Kraft im Menschen entsteht, die seiner irdischen Kraft entgegenzuwirken beginnt. Nur im Unterschied zwischen ihnen, in dem Intervall zwischen ihnen, kann ein Mensch Unabhängigkeit von beiden Kräften erlangen und zu seiner freien Wahl kommen. Das trifft dann zu, wenn es ein Bedürfnis nach dem Sinn des Lebens gibt.

Der Sinn des Lebens wird nur auf der Suche nach Unabhängigkeit verstanden. Es geht nicht darum, wie andere zu sein, z.B. reicher. Nehmen Sie die anderen nicht als Vorbild! Sie brauchen sich, ihr „Ich“.

Frage: Ist dieses „Ich“  anders als bei den Reichen oder Armen?

Antwort: Das ist unwichtig, die Hauptsache ist, sich selbst zu finden.

Frage: Beginnt dann die Suche eines Menschen?

Antwort: Ja. Aus dem Verständnis heraus, dass er nicht frei ist, fängt er zu suchen an: Was ist Freiheit? Es entsteht das Gespür, dass die Freiheit in erster Linie darin besteht, sich über seinen Egoismus, der ihn völlig ausfüllt und unterordnet, zu erheben. Obwohl der Mensch diesen Egoismus nicht loswerden kann, möchte er es!

Wenn er es nicht schafft, aber möchte, dann findet er eine Möglichkeit, die Höhere Kraft anzuziehen, die ihm hilft, aus diesem Egoismus herauszukommen. Es entsteht eine äußerst interessante Wendung, die wunderschön ist.

Frage: Bin ich dann an dem Punkt angelangt, an dem ich nicht mehr aus dem Egoismus herauskommen will?

Antwort: Natürlich will ich das nicht! Keiner will das! Auf allen spirituellen Stufen will das niemand.

Frage: Warum will er das nicht, wenn er schon so lange auf dem Weg dorthin ist?

Antwort: Wie war er unterwegs? Ihm war das bislang nicht bewusst. Jetzt, wenn er offenbart, wie egoistisch er ist, kann er es nicht. Wie kann er sich davon trennen?

Frage: Dieser Egoismus ist ihm also sehr wichtig?

Antwort: Ja, er ist die ganze Qual, Ägypten zu verlassen und das Rote Meer zu überqueren.

Frage: Wie geschieht dies?

Antwort: Es passiert, indem man solche völlig unvernünftigen Handlungen begeht, die einen aber herausziehen. Schließlich schreit man: „Ich will es nicht, ich will es nicht!“ – dann ist es aber zu spät.

Aus der TV-Sendung „Nachrichten mit Michael Laitman“, 18.05.2020

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Familie und Ehe, Teil 7

Begib dich über dein Ego hinaus

Frage: Sie sagten, dass man seine erste Liebe instinktiv mit 12 Jahren oder sogar noch früher erfährt. In weiterer Folge empfindet man zum ersten Mal Liebe für seine Kinder. Und all dies, nur um an sich selbst zu spüren, wie man sich seinen Mitmenschen  und der gesamten Menschheit gegenüber korrekt verhält?

Antwort: Ja. Und dann gegenüber dem Schöpfer.

Frage: Sind diese Beziehungen ähnlich?

Antwort: Sie offenbaren sich jedesmal auf einer anderen Stufe.

Wenn man über kindliche Liebe oder Liebe zu seinen Kindern, der Familie spricht, ist damit jene Liebe gemeint, die in jedem als Keim vorhanden ist und die jeder entwickeln muss.

Wenn man jedoch über Liebe zu etwas Fremden spricht, übersteigt dies die Grenze unseres Egoismus, der sich auf einen bestimmten Blickwinkel beschränkt: ”Dieses und jenes gehört mir.” Alles, was mir gehört, liebe, ziehe ich an und schätze es. Alles was außerhalb meines Egos liegt hat hingegen keinen Wert. Ich brauche es sogar möglicherweise gar nicht und will nichts damit zu tun haben. 

Genau hier ist es also notwendig, an sich selbst zu arbeiten, erkennen, was jenseits des eigenen Egos liegt. Und Außerhalb davon befindet sich praktisch der Schöpfer. Wenn man also beginnt sich auf das zu beziehen, was jenseits des Egos liegt – bezieht man sich bereits auf den Schöpfer.

Frage: Heißt das also, dass jemand, der ein großes Ego besitzt  in seiner Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass er sogar seine Familie nicht als sein Eigen nennt?

Antwort: Ja. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass man nicht über das eigene Ich hinausgehen kann. Möglicherweise bringt einem das Erkennen des Bösen in seiner Erkenntnis voran.

Unsere Weiterentwicklung basiert auf Kontraktion und Expansion: einatmen – ausatmen, ausatmen – einatmen. Deshalb kann es jemanden, der ein großes Ego besitzt und für niemand, außer für sich selbst empfindet zu tieferer Erkenntnis des Schöpfers führen, auch wenn er es vielleicht nicht wahrnimmt.

Selbst die größten Kabbalisten waren, vor  Erlangung ihrer Korrektur, sehr große Egoisten. 

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Aus der Fernsehsendung „Die Grundlagen der Kabbala“, 01.01.2019