Kabbala und der Sinn des Lebens - Michael Laitmans persönlicher Blog

Beiträge in der Kategorie 'Ähnlichkeit mit dem Schöpfer'

Ein Fest zu Ehren der ersten Ähnlichkeit, der Form mit dem Licht

Aus dem Artikel von Rabash: „Die Verpflichtung, über den Auszug aus Ägypten zu berichten“. Das Buch Sohar erklärt, warum man nicht das ganze Jahr über Matza isst, sondern nur während des Pessach-Festes. Es vergleicht dies mit der Geschichte eines Königs, der einen seiner Untertanen zum Minister ernannte und ihn an diesem Tag in prächtige Kleider kleidete. 

Nachdem der Tag vorüber war, zog der Untertan die schönen Kleider wieder aus und trug sie nur an dem Tag als Zeichen der Festlichkeit, an dem er zum Minister ernannt wurde. Deshalb feiern wir jedes Jahr diesen Tag, kleiden uns festlich und essen genau an Pessach Matza, um an den Auszug aus Ägypten zu erinnern.

Jede spirituelle Wurzel hat einen materiellen Zweig. Das ganze Universum ist ein einziges Verlangen nach Genuss —ein „Etwas aus Nichts“ — ohne das nichts erschaffen wurde. Das Licht wirkt auf die Materie ein und formt sie mit ihrer Natur.  

Nur durch diese Prägung, die vier Stufen von HaWaYaH, können wir das Licht erkennen. Wenn es uns gelingt, die entsprechenden Veränderungen in unserem Verlangen vorzunehmen, können wir das Licht erlangen, das die Materie erschaffen und ihren Abdruck darin hinterlassen hat.

Ein wichtiger Schritt zum Erkennen des Lichts ist die Loslösung der egoistischen Kräfte, den sogenannten Klipot (Hüllen). Dadurch können wir uns von unserer ursprünglichen Natur, die „aus dem Nichts“ erschaffen wurde, trennen und beginnen, die Prägung des Lichts in unserem Verlangen zu erkennen. Wir verstehen dann, wer das Licht ist, was es bewirkt und wie alles erschaffen wurde — lange bevor diese Welt und der Mensch darin entstanden sind.

Das bedeutet, wir steigen zu unserer spirituellen Wurzel auf. Dabei erkennen wir, dass im Plan der Schöpfung und im Einfluss des Lichts auf das Verlangen ein besonderer Punkt existiert, der „Auszug aus Ägypten“ genannt wird. Das Verlangen hört auf, nur sich selbst zu fühlen; es verlässt seine innere Natur, um auch das Licht und seine Quelle zu spüren.

Von diesem Moment an entsteht eine wechselseitige Verbindung zwischen dem Verlangen und dem Licht, ähnlich wie bei Partnern, die gemeinsam handeln. Die höhere Wurzel, die es uns ermöglicht, zu ihr aufzusteigen und mit ihr zusammenzuarbeiten, ist von großer Bedeutung. Von ihr beginnt der Mensch, als „Adam“ bezeichnet, das Abbild des Schöpfers (Dome) zu werden. Es ist wie eine Geburt, weshalb der Auszug aus Ägypten als spirituelle Geburt jeder einzelnen Seele gefeiert wird.

Aus diesem Grund feiern wir diesen Zustand.

Es gibt eine Entsprechung zwischen der spirituellen Wurzel und dem materiellen Zweig, dargestellt durch die Kategorien „Welt, Jahr, Seele“. Unsere Welt ist eine Projektion der spirituellen Welt, darum hat jede spirituelle Handlung oder jedes Ereignis eine materielle Erscheinung in unserer Welt.  Deshalb feiern wir in den Zweigen den gesamten spirituellen Prozess, den wir durchlaufen –  den Jahreszyklus.  

In allen unseren Traditionen gibt es materielle Manifestationen, der spirituellen Handlung, die wir erreichen und vollziehen möchten. Der Auszug aus dem Verlangen nach Genuss sowie das Erreichen der ersten Ähnlichkeit der Form mit dem Licht, also die spirituelle Geburt, werden als „Auszug aus Ägypten“ bezeichnet. Deshalb gilt dieser Monat als der erste Monat- der Beginn der spirituellen Entwicklung des Menschen.

Natürlich entwickeln wir uns schon seit vielen Jahren weiter, bis wir das Gefühl dafür bekommen , was Ägypten genannt wird und wie unerträglich es ist, darin zu bleiben. Ein solcher Zustand ist schwer zu erreichen, denn dazu muss man sich immer mehr unter Druck setzen, immer unangenehmer, sich unfahig fühlen, sich selbst zu kontrollieren und sklavisch von seiner egoistischen Natur abhängig zu sein.

Hierbei hilft uns das irdische Leben. Dieser materielle Zustand, in dem wir vollständig der Macht des Verlangens zu Empfangen unterworfen sind und kein Verhältnis zum Licht haben, vermag uns ein Gefühl für diese Zustände zu vermitteln. Es scheint uns, als lebten wir in der materiellen Welt-  auf der höchsten Stufe der Empfindung, die im Verlangen entfaltet wird.

Deshalb können wir durch das Materielle unsere Lebensweise so gestalten, dass wir die Ehre erlangen, daraus auszusteigen und das spirituelle Leben zu spüren.

[132575]

Aus dem Unterricht zum Artikel von Rabash.

 

Was ist der Grund für die Verbindung auf der Stufe der weltlichen Sinne?

Frage: Wenn wir aus der Sicht der höheren Kraft zu hundert Prozent zu einem einzigen System verbunden sind, was wir noch nicht spüren, warum sollten wir uns dann auf der Stufe unserer weltlichen Sinne verbinden? Vielleicht ist es ausreichend, es nur auf der inneren Ebene zu tun?

Antwort: Wir werden nicht mit der höheren Kraft verbunden sein, solange wir nicht auf der weltlichen Stufe verbunden sind. Der Schöpfer lenkt uns, entsprechend unserem Zustand, von oben nach unten.

Sobald wir anfangen, uns miteinander zu verbinden, werden wir sofort eine Ähnlichkeit mit dem Schöpfer erlangen, mit Ihm gleichgestellt und richtig verbunden sein.

Zu diesem Zustand müssen wir kommen. Dann werden wir diese Form als ewig und vollkommen empfinden. Wir werden von der Stufe unserer Welt, in der wir jetzt als Tiere existieren, auf die Stufe des „Menschen“ aufsteigen. Der Mensch ist bereits eine unendliche, ewige Existenz.

Frage: Manchmal sagen Sie, dass sich die Menschen miteinander verbinden sollen und manchmal, dass sie sich mit der höheren Kraft, die uns verbindet, zusammenschließen sollen. Was genau ist diese Verbindung?

Antwort: Wenn wir die richtige, integrale, gleichberechtigte und wohlwollende Verbindung erreichen, kommen wir in einen Zustand, in dem wir uns mit der höheren Kraft verbinden können. Man spürt es in der Einheit zwischen uns.

Aus dem Unterricht, 12.04.2020.

(265573)

Die Vollständigkeit duldet keine Kompromisse

Alles nimmt seinen Ursprung in der Unendlichkeit, aus dem Urzustand und deshalb müssen wir für unsere vollständige Korrektur alle Bedingungen, die daraus resultieren, einhalten.

Im Zustand der Unendlichkeit ist das Verlangen unbeugsam. Es ist nicht bereit auf das winzigste Tröpfchen von Verschmelzung, Einigkeit und Ähnlichkeit mit dem Schöpfer zu verzichten.

Es gibt dort kein Ende, keine Grenze, nichts, was in der Berechnung übersehen wurde. Deshalb nennen wir das – Unendlichkeit. Unendlichkeit nicht im Verlangen, nicht in der Quantität oder Qualität der Erfüllung sondern in der absoluten Entscheidung der Schöpfung zur Verschmelzung mit dem Schöpfer.

Dementsprechend sind die spirituelle Stufen des Aufstieges, von unserer Welt bis zur Welt der Unendlichkeit, nichts anderes als ein „Maß von Kompromissen“. Wie die Schöpfung in genauer Berechnung die Ähnlichkeit mit dem Schöpfer ablehnt.

Am Anfang der Arbeit betrachtet der Mensch alles durch ein Prisma von Eigennutz. So ist seine Natur, so wurde er geschaffen. Eine lange Periode, die am Ende zur Verzweifelung führt.

So hat die Menschheit im Laufe ihrer Geschichte ein Wechselbad von schwierigen Lebensumständen auf der Jagd nach Genüssen durchlebt. Bis die Menge der Enttäuschungen eine kritischen Masse erreicht hat.

Enttäuscht durch diese Erfahrungen, infolge derer wir ein bitteres Ergebnis gespürt haben, hören wir das Jagen auf, denn wir glauben nicht mehr daran, spüren keinen Genuss darin.

Allmählich beginnen wir die egoistische Erfüllung, aufgrund ihrer bitteren Ergebnisse, zu missachten und verzweifelt machen wir eine neue Berechnung – im Altruismus diese Erfüllung zu erreichen.

So wird in uns unter der Einwirkung des Lichtes die Kette der Reschimot, die beim Abstieg aus der Unendlichkeit entstanden sind verwirklicht.

Es entstehen zwei Linien: eine direkte, von oben nach unten und eine rückwärtige, von unten nach oben. Jetzt baut der Mensch an Stelle des Eigengenusses, seine Berechnung auf sein Engagement im Geben auf.

Und in Folge dessen, ändert sich auch die Belohnung: Sie wird nicht in empfangenden, sondern in gebenden Wünschen gespürt.

Was ist der Unterschied? Wir sind doch Geschöpfe und müssen eine Erfüllung spüren? Aber um diese Erfüllung so wie der Schöpfer zu spüren, müssen wir Ihm ähnlich sein.

Von diesem Moment an arbeiten wir dafür, dass wir die Belohnung von der Handlung selbst und nicht von dem Ergebnis des Gebens erhalten.

Aus einem Unterricht über einem Artikel von Rabasch, 04.10.2010

Zum Kabbalalernzentrum –>

In der Finsternis wie im Licht

Der Schöpfer ist vor uns verborgen. Aber anstatt die Verhüllung abzureißen und Ihn zu enthüllen, bilde ich mir Seine Gestalt ein.

Der Schirm, welchen Er zwischen uns gestellt hat, bleibt bestehen, ich erzeuge in mir aber solche Veränderungen, die in meinem Inneren die Eigenschaften des Schöpfers, die Gestalt des Schöpfers erschaffen.

Nur auf diese Weise kann ich Ihn enthüllen, nur mithilfe der Bildung Seiner Gestalt, weil Er, Sein Wesen abstrakt ist.

Somit bilde ich in der Finsternis eigener Selbstsucht die glänzende Gestalt der Eigenschaften des Gebens und der Liebe, das Wesen des Lichtes. Der Schöpfer bleibt weiterhin hinter dem Schirm verborgen, wobei Sein Wesen unter dem Schirm erschaffen wird, als ob Er in Wirklichkeit vor mir stehen würde.

Ich stelle das Licht des Gebens (der Glaube, Chassadim) vor und halte mich darin auf, auch ohne den Schöpfer hinter dem Schirm zu enthüllen.

Ich bitte den Schöpfer sogar darum, den verbergenden Schirm nicht zu entfernen, um mir zu ermöglichen, im Schatten, in der Finsternis existieren zu können. Auf diese Weise kann ich ihre Wichtigkeit schätzen.

Dank dieser Finsternis bin ich in der Lage die Ähnlichkeit mit dem Schöpfer, das Licht zu erreichen, selbständig zu werden. Obwohl Er sich vor mir verbirgt, schuf Er den Ort, worin die Ähnlichkeit zwischen uns erreicht werden kann. Und im Maß dieser Ähnlichkeit wird der Schirm, der uns teilt, durchsichtig, und unsere Gestalten stimmen überein.

Die Finsternis hilft mir also. Würde das Licht mich ausfüllen, so wären beliebige Anstrengungen abgeschafft. Ich würde kein Bedürfnis haben, die selbständig induzierte Bewegung oder Handlung zu machen. Die Finsternis schafft die Notwendigkeit in der Entwicklung.

Wenn die Finsternis einfach zerstreut würde, dann würde ich zum gewöhnlichen, materiellen Leben zurückkehren. Deshalb bitte ich darum, dass die Finsternis bleibt.

Sie hilft meiner Selbstsucht sehr: nichts füllt sie aus oder beruhigt sie. Man befindet sich weiterhin in der Finsternis und wünscht sich das Licht. Man will also die Eigenschaften des Lichtes finden, aber es hängt mit der Enthüllung des Schöpfers, mit der Bildung Seiner Gestalt in meinem Inneren zusammen Folglich unterstütze ich den uns teilenden Schirm: obwohl der Schöpfer ihn allmählich abnimmt, verlange ich weiterhin die 100% Verhüllung.

Dadurch baue ich den Vorsprung, „das Dach der Laubhütte“ auf, ich möchte nicht das höhere Licht direkt empfinden. In der Ablehnung, in der Einschränkung, enthülle ich die Eigenschaft des Gebens und halte mich in der Finsternis wie im Licht auf. Für meine Selbstsucht ist es die Finsternis, und für die gebenden Absichten ist es das Licht.

Aus dem Unterricht nach dem Artikel 8 aus dem Buch „Schamati“, 29.09.2010

Zum Kabbalalernzentrum –>

Der Traum vom Glauben über dem Verstand

Eine Frage, die ich erhielt: Was soll ich tun, wenn ich mir jedes Mal, wenn ich „Glaube über dem Verstand“ höre, sofort automatisch einen egoistischen Nutzen vorstelle?

Meine Antwort: Es ist alles richtig. Wir sind nicht in der Lage, anders zu denken. Jede altruistische Eigenschaft, die irgendwann einmal in uns entsteht, entsteht „von oben“, d.h. unter der Einwirkung des Höheren Lichtes, das zur Quelle, zur Ähnlichkeit mit dem Schöpfer, zurückführt.

Und wenn wir noch nicht das Verlangen, ohne Eigennutz zu geben, verspüren, dann müssen wir alles tun, was die Einwirkung des Höheren Lichtes auf uns hervorruft, damit das Licht kommt und uns diese Eigenschaften verleiht.

Wenn ich erkenne, dass ich nicht in der Lage bin, das uneigennützige Geben zu wollen, ist es bereits ein gutes Verständnis unserer Natur, über welches ein gewöhnlicher Mensch nicht verfügt. Es ist ebenfalls durch die Einwirkung des Lichtes auf uns hervorgerufen und bedeutet die Annäherung an die Spiritualität.

Das Höhere Licht zeichnet in meinem Egoismus seine Eigenschaften, deshalb kann ich verstehen, was das Geben „außerhalb von mir“ bedeutet, und das uneigennützige Geben ohne Gegenleistung wollen. Wenn der Mensch über ein solches Verständnis verfügt, dann befindet er sich bereits auf dem Weg zum Eingang (Machsom) in die spirituelle Welt.

Aus dem Unterricht nach einem Artikel von Rabash vom 26.07.2010

Zum Kabbalalernzentrum–>